Chic und Funktion unter einem Hut

Am Wochenende vom 15. und 16. Oktober schufen sechs Frauen unter der Anleitung der Churer Modistin Verena Philipp ihre ganz individuelle Kopfbedeckung. Ein Augenschein ergab: Chic und Funktion passen bestens unter einen Hut.




Im Rahmen der Sonderausstellung «Käppi, Kutte, Krinoline: Kleidung als Statement» im Museum des Landes Glarus fand am Wochenende ein zweitägiger Hutworkshop statt. Geleitet wurde er von der Hutmacherin Verena Philipp von KOPFFORM in Chur. Die Teilnehmerinnen wurden in die Kunst des Filzhut-Machens und der Mützen-Schneiderei eingeführt. Die angehenden Hutmacherinnen liessen sich zu Kursbeginn von einer Reihe mitgebrachter Hüte und Mützen inspirieren. «Egal, welche Form der Hut hat, man fällt sofort auf damit», so eine Teilnehmerin. Farbe und Garnitur waren ganz ihrer Kreativität überlassen. «Hutmacherei ist Kunsthandwerk», so Philipp, die sich selbst denn auch als Handwerkerin bezeichnet. Tatsächlich ist Hutmacherei anstrengend: «Den Filz zu formen war das Schwierigste», erklärt eine Teilnehmerin, die dem Rand ihres feuerroten Filzhütchens gerade mit feinem Schmirgelpapier den letzten Schliff gibt. Schliesslich soll die Kopfbedeckung nach Haute Couture und nicht nach Massenkonfektion aussehen. Sie hat ein elegantes Modell aus Filz auf der hölzernen Hutform gezogen, mit Zug und Dampf und viel Kraft, wie sie schmunzelt. «Bei ganz dickem Filz kann man sich blutige Finger holen», so Philipp. Doch so weit kommt es im Workshop nicht. Die Hutmacherin hilft bei Problemen oder führt schwierige Arbeiten auf der Nähmaschine aus, die sich die Teilnehmerinnen nicht zutrauen. Jeder Schritt wird sorgfältig erklärt: Zum Beispiel, wie das Hutband gesteckt und mit Nadel und Faden von Hand befestigt werden muss. Hier braucht es ordentlich Fingerspitzengefühl und überall piksen Stecknadeln. «Das ist Übungssache», lehrt die Modistin, wenn eine der Teilnehmerinnen Mühe mit dem Nähen bekundet. Und sie erzählt, wie lange sie in der Lehrzeit üben musste, bis die Arbeit flüssig von der Hand ging. Es herrscht zwischendurch fast meditative Ruhe, wenn Bänder befestigt werden oder konzentriert Formen aus Stoff geschnitten werden. Eine Teilnehmerin macht nebst einem eleganten, karmesinroten Filzhut auch eine Mütze. «Mir gefällt es sehr, hier mit den anderen Teilnehmerinnen gemeinsam etwas zu erarbeiten», sagt sie zwischen zwei Kreidestrichen. Ihre Kolleginnen stimmen zu, sie helfen sich gegenseitig oder leihen sich Nähutensilien aus. Die Schneiderin der Mütze will noch ein gutes Futter in ihre Kopfbedeckung einnähen. «Was für ein Aufwand!», findet man beim Zuschauen. «Der muss halten, wenn ich ihn für eine Ausfahrt im Cabrio anziehe», findet sie.