Chor der Nationen – gelebte Toleranz und Respekt

Toleranz, Respekt, Anteilnahme, Mittragen, Geniessen, Erarbeiten eines gemeinsamen Ziels, Hinaustragen zahlreicher, vielfältiger, so notwendiger Botschaften – der Chor der Nationen bringt das in beeindruckender Weise fertig, dies seit Jahren und mit stets grossem Erfolg.



Zu verdanken ist das allen Chormitgliedern, die einüben, innerlich mitleben, was sie jeweils singen. Man folgte ihren, von einem Instrumentalensemble begleiteten Botschaften aus Tadschikistan, Russland, der Schweiz, Taiwan, Italien, Kuba, Peru, Südafrika, Österreich, Irland, Israel, Burkina Faso mit grosser Anteilnahme, Freude und hoher Achtung über das riesig erfolgreiche Interpretieren. Es waren in der Aula unserer Kantonsschule viele Gäste anwesend, die «eebig Schüüs» miterlebten, mitklatschten und sich von der riesigen Freude der Sängergemeinschaft – wohl aus ebenso vielen, wenn nicht noch mehr Ländern als es mit der Wiedergabe des spannenden, kurzweiligen Liedguts der Fall war, anstecken und mitreissen liessen. Gesungen wurde – was eine sehr beachtliche Leistung bedeutet – auswendig. Damit war es allen möglich, auf die zahlreichen Intentionen ihres Dirigenten und Arrangeurs, Bernhard Furchner, einzugehen, seine Anweisungen aufzunehmen und umzusetzen und auf die Impulse von links und rechts zu achten. Dieses Mitvollziehen samt spürbar grosser gegenseitiger Anteilnahme, Ernsthaftem, dann wieder Neckischem, Tänzerischem, Traditionellem, sakralen Momenten zeugte von hohe Musikalität, ausgereiftem dynamischem und rhythmischem Aussingen. All diese und weitere Elemente wuchsen in gar grandioser Art zu einer kraftvollen, beschwingten Harmonie, die nicht einfach im Raume bleibt, sondern darüber hinausstrahlt und hoffentlich jenen ein erhellendes Licht bringt, die so menschenverachtend, zerstörerisch und kulturfeindlich seit Jahren agieren. Musik wurde da in gewissem Sinne zu einer politischen, aktuellen Botschaft, die es aufzunehmen gilt, anders geht es einfach nicht mehr. Der Chor der Nationen lebt und erlebt, ist verbindend, bietet elternlos angereisten jugendlichen Flüchtlingen eine gewisse Geborgenheit, ja Heimat, trauert um jene, die an den Folgen sinnloser Kriege verstarben.

Und dass viele unter «Best of» zusammengefasste Hits im abendlichen Programm standen, war auch ein klein wenig Garant fürs gute Gelingen. Es war nicht bloss ein Klangreichtum der edlen, erlesenen Art, sondern auch ein optischer Genuss, dank verschiedensten Landestrachten bei den Frauen und artigem, traditionellem Schwarz bei den Herren. Alles wirkte enorm abgestimmt, ganz gewissenhaft erarbeitet und absolut überzeugend umgesetzt, teilweise nach kurzen, liebenswürdigen Ansagen zu «S isch äbe an Mönsch uf Aerde», «Luci care, Luci belle», «El condor pasa», «Hello my baby», «Kosi sikilele Afrika», «Amazing Grace» und andern weltumspannenden Kompositionen. Und wenn dann eine anmutige inidische Tempeltänzerin das «Vreneli ab em Guggisberg» so graziös und kunstreich ausgestaltet, der Dudelsack anhebt, die Perkussionisten aus Afrika, Indien und dem arabischen Raum, so wirblig Tempo und Intensität vorgeben, schmachtender Geigenklang aufkommt, Harfenklänge ertönen, solistisch aufgetreten wird oder die Chorleute ihre Plätze wechseln, ist das nicht einfach Show, sondern gelebte Ganzheit. Und dieses Verflechten, die beeindruckend funktionierende Internationalität, die das so gekonnt und mit viel Natürlichkeit vorlebt, ist nicht einfach irgend ein Mahnmal, sondern nachdrückliche Aufforderung für dauernde Abkehr von ganz viel Ungutem. Glücklicherweise weiss man nun, dass sich Leute aus verschiedensten Kulturen und Herkunftsländern für ein gemeinsames Ziel einsetzen, kraftvoll, sich wiederholend, mahnend in ein Zentrum rücken, das viel zu wenig wahrgenommen wird.

Es war ein erfüllendes Begegnen samt hohem Hörgenuss, geprägt von zahllosen Lieblichkeiten aller Art, ein vorweihnächtliches, gar reichhaltig gefülltes Geschenkpaket. Ausgepackt und unter die staunenden Zuhörer ist vieles gebracht worden. Es ist nicht möglich, die Namen aller Instrumentalisten, Solisten aus der Chorgemeinschaft und anderen Mitberteiligten namentlich zu erwähnen. Aber sie alles wissen, dass sie zu einem gar tollen Gelingen enorm viel beigetragen haben.

Und wer nicht genug hatte, konnte sich eine CD, ja eine DVD erwerben oder sich sogar zum aktiven Mittun durchringen. Geprobt wird an Freitagen, stets im Schulhaus Ennenda. Willkommen sind auch jene, die sich einfach mal als «Schnupperer» einfinden.

Dass es in der Kanti-Aula zu stürmisch erklatschten Zugaben kam, versteht sich von selber. Für viele Mitwirkende wurde die Wegreise zur fast stressigen Tatsache. Sie werden in Zürich, Bern und anderswo ebenso wirken, wie es beim Chor der Nationen Glarus-Linth der Fall ist.