«Christ und Zen» emotional diskutiert

Zu einer Diskussionsrunde der besonderen Art lud am Dienstagabend die Reformierte Landeskirche des Kantons Glarus in den Gemeindehaussaal nach Ennenda.



Rund 70 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren erschienen und stellten sich der Frage, ob sich das Christentum und die Zen-Meditation ausschliessen respektive bedingen oder gar bereichern können. Auslöser war die vorangegangene Diskussion über die Ernennung von Hans-Walter Hoppensack, reformierter Pfarrer von Schwanden, zum Zen-Lehrer. Als Gast konnte Pfarrer Ulrich Knoepfel, Präsident des kantonalen Kirchenrates, Niklaus Brantschen, Jesuitenpater und Zen-Meister, begrüssen.

Christliches Fundament verlassen?


Darf ein reformierter Pfarrer der Kirche dienen und sich gleichzeitig zum Zen-Lehrer ausbilden lassen? Muss da ein kantonaler Kirchenrat nicht intervenieren, weil er befürchtet, dass das christliche Fundament verlassen wird? Um diese Fragen rankte sich der Abend.

Ulrich Knoepfel erörterte in seiner Einleitung die 3000-jährige jüdisch-christliche Tradition, der sich die Reformierten verpflichtet sehen, und zeigte auf, dass es neben der klaren Abgrenzung zu anderen Religionen immer wieder auch Assimilierungen gegeben hätte. So etwa bei der Festlegung unseres Weihnachtsfestes nach einem heidnisch-römischen Sonnenfest. Bei allem stünde für die christliche Welt immer Jesus Christus im Mittelpunkt.

«Ich hoffe, wir gehen heute verändert nach Hause!», leitete Hans-Walter Hoppensack seine Worte ein. Er habe nicht den Anspruch, dass alle jetzt Zen würden, aber er glaube, er dürfe Zen-Lehrer sein. Weil es ihm schlicht gut tue, und das seit nunmehr 20 Jahren. Es gehe dabei nicht um eine Anbetung zu Buddha, sondern schlicht um eine besondere Form der Meditation. Dem kleinen Ich gehe es «an den Kragen», so der Pfarrer.

Miteinander ins Gespräch kommen

Es gehe um Achtsamkeit und Wachsamkeit, eine Haltung, die auch von Zen-Meister Niklaus Brantschen immer wieder betont wurde. Jener hob darauf ab, dass der Mensch zunächst schauen solle, wer er wirklich sei, noch bevor er eine Rolle übergestülpt bekäme. Er sei kein frustrierter Christ und als solcher nach Japan gereist. Vielmehr habe er den Austausch mit anderen Kulturen und Religionen gesucht. Miteinander ins Gespräch kommen, das sei sein Anliegen.

Bei der anschliessenden Diskussion kochten die Emotionen manches Mal hoch. «Da sind wir Christen!», forderte eine Frau vehement und grenzte sich klar gegen Einflüsse von aussen ab. Einer Haltung, die sich im Laufe der Diskussion einige anschlossen. «Ich diene nicht zwei Herren!», stellte Hoppensack klar. Der Zen habe sogar die Kraft, Menschen, die sich von der Kirche abgewandt hätten, zum Christentum zurückzuführen, ergänzte Brantschen. Abschliessend leuchtete der Argumentationsstrang wohl nicht allen ein, und Hoppensack sah sich immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob er als reformierter Pfarrer glaubwürdig sei. Hilfe kam aus den Reihen der zahlreichen Befürworter. «Ich bin ein guter Mechaniker», hob einer an. «Wenn ich jetzt noch eine zweite Lehre mache, bin ich dann ein schlechter Mechaniker?»

Kirchenrat steht voll hinter dem Pfarrer


Auch der Kirchenrat Schwanden stellte klar, dass er voll und ganz hinter seinem Pfarrer stehe und dass es sich sehr lohnen würde, einmal eine Predigt von ihm zu hören. Solidarität kam auch aus den Reihen des kantonalen Kirchenrats. Nie habe man den Eindruck gewonnen, dass Hans-Walter Hoppensack, der auch Mitglied des kantonalen Kirchenrates ist, von seinem christlichen Weg abgekommen sei.

Es konnten an diesem hitzigen Abend nicht alle Fragen beantwortet werden. Die Diskussion müsse weitergehen, forderte Brantschen. Man sah einige nachdenkliche Gesichter zum Schluss.