Clown Mugg hat seinen Traum gelebt

Urs Muggli alias Mugg hat seinen Traum gelebt: Er wurde professioneller Clown und gründete 2005 den Zirkus Mugg. Am 7. Mai ist er unerwartet auf einer Velotour verstorben. Ein Rückblick.




«Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.» So lautete das Lebensmotto von Mugg. Ein Motto, das er wahr gemacht hat.

In seinen Adern floss Schaustellerblut, brachte er doch mit seinen Eltern und dem Karussell schon früh einen Hauch Magie in die Dörfer. Trotz der Faszination wollte er aber ein bürgerliches Leben führen. 1959 in Zürich geboren, absolvierte er zunächst eine Kellner- sowie eine Kochlehre, liess sich zum Ernährungsberater ausbilden und wurde ärztlich diplomierter Masseur und Naturheilpraktiker. In Baden führte er mit seiner ersten Frau das erste vegetarische Vollwertrestaurant zwischen Zürich und Bern. Er begann mit der Restauration an Biomessen – und schlief an den Messen in seinem ersten Wohnwagen. Das kam schon fast wie Zirkus daher.

Ins Glarnerland kam er dank der Idee, einen Ökozirkus ins Leben zu rufen. Dieser liess sich zwar nicht realisieren, aber nun betrieb er sein Vegi-Catering von Engi aus.

Waren Zirkus, Artistik und Clownerie für ihn vorerst Hobby und Teilzeitbeschäftigung, entschied er sich um die Jahrhundertwende, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen: Er wurde professioneller Clown.

2005 rief er mit seinen Söhnen Stephan und Michael (Ischa) in Engi den Zirkus Mugg ins Leben. 2012 übersiedelte das Unternehmen nach Betschwanden an den heutigen Standort direkt vis-à-vis vom Bahnhof. Hier lädt die Zirkusfamilie zum Eintauchen in die bunte Zirkuswelt ein: vom grossen Saisonstart-Fest am Muttertag über die beliebten Zirkuslager – auch für Menschen in Not oder mit Handicap –, Team-Events für Firmen und private Feste bis zum Weihnachts-Varieté. Schulklassen aus der ganzen Deutschschweiz lieben es, unter dem Motto «Zirkus erleben» eine Woche lang hinter die Kulissen zu blicken, Zirkusluft zu schnuppern, wie echte Artisten zu trainieren und in den liebevoll restaurierten Zirkuswagen zu schlafen.

Was vor 14 Jahren in Engi mit einem kleinen Zelt und einigen alten Schaustellerwagen begonnen hatte, entwickelte sich trotz grosser Herausforderungen zu einem veritablen Unternehmen. Mit mehr als 4000 Übernachtungen und rund 10 000 Gästen pro Jahr ist der Zirkus Mugg heute ein wichtiger Tourismusanbieter im Glarnerland. Je nach Saison sind inklusive Zirkusfamilie 12 bis 25 Personen in Manege, Werkstatt, Küche oder im Büro beschäftigt. Dabei zeigt der Zirkus auch hier soziales Engagement: Er bietet zwei geschützte Arbeitsstellen und einen Arbeitsplatz für Asylsuchende an.

Mugg empfand es als sehr schön, dass drei Generationen gemeinsam im Zirkus lebten. Denn seine Söhne Stephan und Ischa wohnen mit ihren Familien ebenfalls in der Zirkusstadt und leiten das Unternehmen mit.

Mugg war Visionär und Clown, Zauberer, Chauffeur und Trainer, Regisseur, Koch und Kellner. Und meistens derjenige, der abends die Lichter löschte. Der Zirkus erfüllte ihn mit Freude und gefiel ihm als Begegnungsort von Menschen in verschiedenen Facetten. Zudem bot er ihm eine wunderbare Entfaltungsplattform. Er liebte die Vielfalt, die Gemeinschaft, die zahlreichen Begegnungen, die Nähe zur Natur.

Als Clown war er ungeschickt, tollpatschig, schräg und schrill, aber auch verträumt, poetisch, berührend. So war er nicht einfach der Spassmacher, sondern brachte feinere Töne zum Schwingen.

Auch mit 59 Jahren sprudelte er vor Ideen und Visionen. Er war offen, unkompliziert, konnte begeistern und motivieren. Man spürte seine Liebe zu den Menschen, zum Unkonventionellen und das Engagement für eine gute Sache. Er war ein interessanter Gesprächspartner mit viel Tiefgang und bezirzte durch sein herzhaftes Lachen.

Am Nachmittag des 7. Mai wurde er jäh aus dem Leben gerissen. Fassungslos und tieftraurig mussten seine Familie und Freunde davon Kenntnis nehmen, dass er von einem Veloausflug nicht mehr zurückkehrte. Die Bestürzung ist im ganzen Glarnerland und darüber hinaus sehr gross.

Sein plötzlicher Tod hinterlässt neben der tiefen Trauer auch eine sehr grosse Lücke im Unternehmen. Doch das Zirkusleben wird weitergehen. Die Familie hat sich entschieden, dass das Saisonstart-Fest vom Sonntag, 12. Mai, im gewohnten Rahmen stattfinden soll. Sie ist überzeugt, dass Mugg das so gewollt hätte. Auch das Buch «Zirkus Mugg. Eine Geschichte zum Staunen», für das er eineinhalb Stunden vor seinem Tod das «Gut zum Druck» gegeben hat, soll trotz des tragischen Ereignisses wie geplant erscheinen.

Mugg wird im Buch und im Unternehmen weiterleben. Und er wird in den Herzen all derer, die ihn gekannt haben, als liebenswürdiger und fröhlicher Mensch immer einen Platz haben. Man musste ihn einfach gernhaben. Er ruhe in Frieden.