Compagnie c `est caput – Auseinandersetzen mit Wahrheiten und anderem

Die Kulturvereinigung Glarus Süd lud mit zwei wechselvoll agierenden Damen (Lara Gerber und Jana Sturny) zu einem ganz besonderen Event ins Gemeindezentrum Schwanden ein. Angekündigt war ein «poetisch musikalisches Stück Kleintheater, das unsere Glaubenssätze und Wahrheitskonstrukte mit einem Augenzwinkern im Meer versenke». Übers Ausgestalten mit echt Forderndem war man gespannt.



zwei wechselvoll agierende Damen - Lara Gerber und Jana Sturny (Bilder: peter meier)
zwei wechselvoll agierende Damen - Lara Gerber und Jana Sturny (Bilder: peter meier)

Die grosse Bühne war leer, wollte bespielt sein mit einer Vielzahl an möglichen Ansätzen und deren Wachsen. Diese Ausgangsbasis war fordernd, bot Weiträumiges mit der Gefahr einer Fülle an Impulsen an.
Dem wurde auf kluge Weise Einhalt geboten. Die zwei spielfreudigen Damen entführten aufs Meer, befassten sich auf gar kreative Art mit einherkriechenden Schnecken, mit Fischen aller Art, mit Perspektiven aus der Sicht zweier Möwen. Sie sangen, tanzten, hielten inne, pflegten lange Stille, äusserten Vermutungen, zeigten überschäumende Freude, kommentierten Radiobotschaften, liessen ihren zappeligen Fisch agieren, genossen ein Frühstück, warteten, hofften aufs weite Meer – um zu merken, dass schlussendlich lediglich eine Hafenrundfahrt Realität war.

Es floss zuweilen langsam dahin. Charlie und Louise warteten, sinnierten, hinterfragten, waren kecke Möwen, nutzen den riesigen Reisekoffer in mannigfaltigster, einfallsreicher Art, mal als Projektionsfläche, dann als Aquariumswand, als Frühstückstisch, als Rückzugsort. Es wurde stürmisch, akrobatisch drauflosgetanzt, es wurde gehofft. Es kam zu Vermutungen, Freudenausbrüchen, die sich im Nichts auflösten, höchste Verzweiflung weckten. Die Zweisprachigkeit war temporeich, war inhaltliche Ergänzung zu Aussagen, war kecke Ausschmückung, war Melodie.

Man wurde mit Halbwahrheiten, allgemein Gültigem, Fantastischem konfrontiert. Zuweilen ging das blitzschnell, dann wieder bedachtsam. Diese Wechsel bargen die Gefahr der Langatmigkeit, den Verlust an Intensität. Es war ein Wechselspiel der besonderen Art.

Eigentlich hätte das Schiff vier Wochen unterwegs sein müssen, dem war nicht so, es blieb bei einer Rundfahrt – was bei den Akteurinnen nachvollziehbaren Frust auslöste. Verspieltheit, gekonnt eingesetzte Mimik, Wortwahl, Körperhaltung, sprachlich Wechselvolles – es kam zu Kurzweil, Lachern, ganz kleinem Szenenapplaus, Spannendem. Ein Telefonanruf ergab Verbindung zu einer Umfrage der Rechtspartei. Man erfuhr, welche Fischarten im Meer leben, vernahm etwas über Fische mit Glasköpfen, erfuhr Neues über die Zahnpflege bei Schnecken, sah sich mit der Frage konfrontiert, ob eigentlich alles stimme, was man glaube. Es wurde über die wiederkehrende Zeit nachgedacht, es musste der hungrige Fisch gefüttert werden, es wurde der Aufgang der Sonne stürmisch herbeigewünscht. Es wurde ausgedrückt, dass man durchaus vor der eigenen Fantasie Angst haben könne.

Die Vielzahl der Gedanken war in Gesang, Tanz, Akrobatischem, Besinnlichem, ruhiger Harmonie, Keckem, Spassigem, stillem Verweilen, zeitweiligem Einbezug des Publikums eingebettet.

Es war eine ungeheure Fülle, die wechselreich, recht kreativ, attraktiv ausgedrückt wurde. Es endete mit dem überfütterten Fisch, der richtiggehend platzte und Aussagen auf kleinen Papierstreifen auf den Bühnenboden und ins Publikum spuckte. Man konnte in knappster Form und ansatzweise nachlesen, was ab Bühne in farbiger, abwechslungsreicher Vielfalt verkündet und ausgespielt worden war.