Ihre Wurzeln seien – so die Ankündigung – der Breakdance. Sie nennen sich nicht unbescheiden die coolsten Hip-Hoper der Schweiz. Und ganz gewiss haben sie eine ganze Palette von kabarettistischen Spezialeffekten auszuspielen. In vielen witzig – winzigen Details spürt man die kreative und irgendwie ordnende Hand der Regisseurin Nadja Sieger (Nadeschkin). Und wird alles cool und spritzig umgesetzt, ergeben sich wahre Kaskaden von kleinen Höhepunkten, die blitzschnell einherkommen, Talente aufblitzen lassen, bunte, kaum einmal platte oder überprimitive Momente ab Bühnenebene bescheren. Über die ganze Aufführungsdichte hinweg herrschen einfallsreich einstudierte, kurze Szenen bei teilweise gar lauter Musik vor.
Die Situationskomik ist zuweilen brillant, fordert das Mitgehen des Publikums, in Glarus waren Vergnügen und Begeisterung immens. Man nahm bereitwillig am Geschehen um den unsterblichen James Bond, Western und Flöte spielendem Indianer, Älplerleben auf dem Drehstühlchen, samt Talerschwingen und bedrohlich grollendem Stier, Katzenschicksal inklusive körperbetontem Tennisspiel à la manière de Federer und lauthals stöhnender Seles, dem rasanten Wechsel von Tiergebrüll zum dröhnenden Motorrad, Gitarrenspiel auf Reisbesen und anderem teil. Man liess sich zuweilen richtiggehend verwöhnen, war innerhalb der Kurzszenen immer gespannter auf noch zu Erwartendes. Man bewunderte die hohe Präzision der Ton- und Lichtregie, das knallige Aufnehmen und Anbieten der unzähligen Impulse, die sich in Gesang, Ansagen (notabene immer ohne gesprochene Worte), rasantem Bewegen, Verharren, nonverbalem Kommentieren, Tanz, Sturm und Drang äusserten. Hin und wieder hätte man sich eine bessere Abgestimmtheit beim Auftritt des Trios gewünscht.
Wie aus biederen Sennen mit Talerschwingen, Melken und Gesang DJs werden, wie ein Drehstühlchen urplötzlich zum Plattenteller umfunktioniert wird, weckt Staunen. Zuweilen hat man – wie beim Beginn – genug von zerriebener Spucke, lauten Rülpsern und Gefurze. Aber es wird schwierig, derart getimte Abfolgen zu ändern. Bereitwillig und gerne gab man sich den reitenden Cowboys hin. Das war «Galopp-Ballett» vom Feinsten, die blitzschnellen Auftritte des Indianers, der über ein wahres Arsenal von Flöten verfügte, weckten viel Herzlichkeit und Mitgefühl – dann, wenn die blöden Cowboys die Herausgabe aller Flöten verlangten und den Indianer richtiggehend degradierten. Man folgte dem Tanz mit den aufblasbaren Puppen, dem verzweifelten aber erfolglosen Aufpumpen der dritten Gummi-Partnerin mit viel Vergnügen. In derartigen Szenen waren so viel Spielwitz, Virtuosität, Schnelligkeit, Munterkeit und kluge Abwechslung enthalten. Dass sich die seit 1996 agierenden Starbugs grosse Anerkennung und bemerkenswerte Auszeichnungen geholt haben, ist verständlich, verdient.
Die artistischen Fertigkeiten, das rasante Spiel, die grosse Abgestimmtheit, die reizend, aufreizend kurzen solistischen Auftrittchen, das überzeugende Miteinander und das riesige Repertoire an Ideen, das Verschmelzen der Stilelemente, das virtuose Ausspielen unzähliger Ideen wachsen zu Überzeugendem, wecken hohe Anteilnahme und haben Beifall über Beifall zur Folge. Die Zugaben waren unvermeidlich. Den Machern des Dritten Programms unserer Kulturgesellschaft Glarus darf fürs Verpflichten dieses brillanten Trios gedankt werden.
Vreni-Schneider-Museum








