«Das Besondere wird sehr schnell zur Erwartung»

Im Anschluss an die Hauptversammlung von Gastro Glarnerland referierte Zita Langenstein über die Ausbildung und Tätigkeit eines Butlers. Darunter auch wie sich der Kunde an besondere Dienstleistungen gewöhnt.




«Die Tätigkeit als Butler ist wohl die höchste Form der Dienstleistung», erklärte Zita Langenstein zum Auftakt ihres Referats im Anschluss an die Hauptversammlung von Gastro Glarnerland am letzten Montag im Hotel Sardona in Elm. Und sie muss es schliesslich wissen, führte sie ihr Weg als Butler nach ihrer Ausbildung in der renommiertesten Bulter-Schule in London bis in den Buckingham Palace und ganz nah an die Queen. «Das höchste Ziel ist es, dass sich unser Kunde glücklich fühlt.» Das kann so weit gehen, dass für einen kommenden Ausflug auch die Wetterprognose in der Zeitung unterschlagen oder gar ausgetauscht wird. Grundsätzlich gehe es aber nicht darum, dass der Butler etwas Spezielles ausführt, sondern dass er das Gewöhnliche speziell gut macht. Aus diesem Grund werden in der Ausbildung Situationen und Handgriffe zig-mal wiederholt, bis sie in Fleisch und Blut übergehen. Aber auch bis sie an der Schule überhaupt angenommen wurde, musste Langenstein grosse Hartnäckigkeit beweisen. «Schon mit sechs Jahren war mir klar, dass ich Butler werden wollte. In einem landwirtschaftlichen Betrieb in Nidwalden wurde das natürlich nicht besonders gross beachtet.» Sie fand aber dann doch ihren Weg ins Gastrogewerbe und in die Hotellerie. Hier traf sie dann auf einen Butler, welcher ihr den Kontakt zu einer Butler-Schule vermittelte. Ihre erste Bewerbung gab sie dann Anfang der Achtzigerjahre ab. «Dann folgte eine Absage nach der anderen. Aber immer mit dem Tipp, was ich noch nachholen und verbessern sollte.» Erst 2000 war es dann so weit, dass sie angenommen wurde, und 2005 konnte sie die Ausbildung beginnen. Die Begeisterung für ihre «Berufung» war auch während des ganzen Referats und in ihren Anekdoten zu spüren. Besonders stolz war sie auch auf ihre Diplomarbeit «English Tea Time Swiss Style». Hier hat sie die traditionellen Zutaten der Zeremonie mit Schweizer Spezialitäten – unter anderem auch Schabziger – ersetzt. Zu ihrer Überraschung schaffte sie damit nicht nur den ersten Platz, sondern durfte ihre Variante auch der Queen im Rahmen ihres 80. Geburtstags präsentieren. «Anscheinend hat es ihr gefallen, schliesslich sind die Schweizer Tea Times seither immer wieder Bestandteil der Feierlichkeiten.»

Für die anwesenden Gastronomen in Elm hatte sie dann aber auch konkrete Tipps. «So erwartet der Kunde bereits bei seinem 5. Besuch, dass man ihn mit Namen kennt und begrüsst.» Auch sonst nehme der Kunde schnell eine besondere Geste für selbstverständlich und ist verstimmt, wenn er diese nicht mehr erhält. «Gehen Sie deshalb mit dem Besonderen sehr besonnen um.»

An der eigentlichen Versammlung von Gastro Glarnerland erwähnte der Präsident Hansjürg Rhyner einen besonderen Trend. «Die Leute gehen zwar vermehrt aus, geben dann aber weniger Geld aus.» Dies aus verschiedenen Gründen, vor allem bei den Getränken. Dazu nehme der Anteil der Schnellverpflegung immer weiter zu. Im Gegenzug kann die Gastronomie mit regionalen oder gar «hausgemachten» Produkten beim Konsumenten immer mehr punkten. Im weiteren Verlauf der speditiven Versammlung wurden zudem die Statuten dahingehend angepasst, dass Vorstandmitglieder ihre Tätigkeit auch nach dem 61. Lebensjahr ausüben können. Weiter wurde Michaela Eberhard als Ersatz von Rolf Rüfenacht in die Hotel und Gastro-Formation gewählt, welche für die Einführungskurse sowie die überbetrieblichen Kurse in diesem Bereich an der Berufsschule Ziegelbrücke zuständig ist.
Den Abschluss der Versammlung bildeten ein reichhaltiger Apéro und anschliessend ein feines Essen im Hotel Sardona Elm.