Das Fernwärmenetz der KVA führt nun bis Niederurnen

Die Abwärme der Verbrennungsöfen der KVA in Niederurnen wird dank einer 3,5 Kilometer langen Wärmeleitung nun genutzt von der Eternit (Schweiz) AG sowie vom Gartencenter Grünenfelder in Niederurnen und weiteren Bezügern. Die KVA hofft auf zusätzliche Abnehmer.



Bis vor wenigen Jahren wurden die Kehrichverbrennungsanlagen fast ausschliesslich aufgrund der Umweltbelastung beurteilt. Die KVA in Niederurnen gehört in diesem Bereich nach wie vor zu den Besten der Schweiz. Im Zuge der Energiewende wird die Qualität der KVA nun aber über die Energieeffizienz gemessen. Niederurnen hat bisher lediglich zwei Gigawattstunden Fernwärme an die Betriebe im Industriegebiet Fennen, an die Berufsschule und an die Autobahnraststätte geliefert. Der schrittweise Aufbau eines Wärmenetzes ist aber wirtschaftlich nur sinnvoll, wenn sich ein Grossbezüger anschliesst. Mit der Eternit (Schweiz) AG und dem Gartencenter Grünenfelder in Niederurnen konnten Grossbezüger gewonnen werden.

Schwieriger Leitungsbau

Die Leitung wurde von der KVA aus um das Siedlungsgebiet von Niederurnen herum der Autobahn entlang durch das Areal der Firma Jenny in Ziegelbrücke, dann der Bahnlinie entlang bis zur Eternit in Niederurnen geführt. Dabei musste auch die Autobahn unterquert werden. Der Bau einer Fernwärmeanlage sei nicht einfach, erklärte Markus Schwizer, Präsident KVA Linth, an der Einweihungsfeier vom vergangenen Mittwoch in Niederurnen. «Die Leitungen müssen Temperaturen von 0 bis 110 Grad aushalten.» Das führe zu Längsdehnungen, weshalb unzählige Dehnelemente eingebaut werden müssten. Auch Entlüftungs- und Entleerungspunkte mussten vorbereitet werden.

Mit dem Bau der Fernwärmeleitung wurden fünf Stichleitungen vorbereitet. Mit diesen Leitungen kann später nahezu das gesamte Gebiet von Niederurnen erschlossen werden.

Weitere Abnehmer sollen folgen

Am 6. Februar konnte die Eternit angeschlossen werden. An der Einweihungsfeier erklärte Marco Steg, CEO der Eternit, dass die Firma 1,6 Millionen Franken für den Wärmeanschluss investiert habe und stolz sei, dass man diesen Schritt gemacht habe. Bereits heute zeige sich, dass sie 20 Prozent weniger Energie bräuchten. Fernwärme beziehen ab der neuen Leitung ferner das Gartencenter Grünenfelder, sieben Reihen-Einfamilienhäuser an der Berufsschulstrasse und die Linth-Escher-Schulanlage n Niederurnen. Die Verhandlungen mit der Firma Jenny über die Versorgung der Rosenegg sind sehr weit fortgeschritten. Teilgebiete von Niederurnen sind auch von Westen her mit einer Leitung erschlossen worden. So beziehen die Mehrfamilienhäuser Mineralbad bereits Fernwärme. Mit der Pfeiffer Landmaschinen und zwei weiteren Einfamilienhäusern konnten Verträge abgeschlossen werden. An die Kosten der Fernwärmeleitung hat sich der Kanton Glarus mit einem Beitrag von 675 000 Franken beteiligt. Es ist vorgesehen, das Fernwärmenetz bis Mollis und Näfels zu führen. Zu diesem Zweck soll mit dem Bau der Stichstrasse bereits eine Leitung eingelegt werden.

Vorgaben des Bundes noch nicht erfüllt

«Mit dem Ausbau der Fernwärme erreichen wir die Vorgaben des Bundes noch lange nicht», fuhr Schwizer fort. Die KVA produziere Wärme von 446 Gigawattstunden. Davon würden jetzt 213 Gigawattstunden für Eigenverbrauch, die Erzeugung von Strom und Fernwärme genutzt. Mehr als die Hälfte, also 233 Gigawattstunden, würden über die Luftkondensatoren gekühlt und in die Umwelt abgegeben. Eine Nutzungsmöglichkeit wäre die Beheizung von Treibhäusern. «Wenn wir Wärme für den Betrieb von Treibhäusern liefern könnten, würden wir die Vorgaben der neuen technischen Verordnung über Abfälle auf einen Schlag erfüllen», sagte der KVA- Präsident. Die KVA sei deshalb nach wie vor im Gespräch mit der Gemeinde Glarus Nord und hoffe, dass möglichst bald Gewächshäuser realisiert werden können. «Dies wäre ökologisch sinnvoll und würde zur Verbesserung der CO²-Bilanz beitragen und die Selbstversorgung steigern.»