Das Glarnerland im Zweiten Weltkrieg

Unserer Nachkriegsgeneration soll mit der Ausstellung „Das Glarnerland im Zweiten Weltkrieg“ im Thomas-Legler-Haus in Diesbach jene Zeit näher gebracht werden, als jede und jeder an seinem Platz, rundum vom Feind umgeben, auch in Angst, mit Verzicht und Einschränkungen bezüglich Lebensqualität in beispielhafter, fast vollständiger Einigkeit und grossem persönlichem Einsatz für das Überleben der Schweiz kämpften.



Mit Originalmaterial rekonstruierte Behandlungsstelle der Sanitätstruppen mit Arzt. (Bild: jann etter)
Mit Originalmaterial rekonstruierte Behandlungsstelle der Sanitätstruppen mit Arzt. (Bild: jann etter)

Prof. Dr. Hans Jakob Streiff, Glarus, war für Projekt und Texte sowie für die Beschaffung Bilder und Ausstellungsgegenstände verantwortlich, unterstützt von Andrea Kaufmann und Ralf Jacober, beide Glarus, sowie den Gestaltern Werner Schindler, Glarus; Markus Beeli, Linthal, und Jakob Kläsi, Sirnach.

Eindrückliche Schau

Die Schau behandelt, speziell auf grossen Text-Bild-Tafeln und ergänzenden kleineren, 13 wichtige Themen aus der Weltkriegszeit, ergänzt um Original-Material aus jener Zeit, nämlich eine Behandlungsstelle der Sanitätstruppen und eine Funkstation, in welcher der Strom mittels eines Velo-ähnlichen Tret-Gerätes erzeugt wurde. In einer Vitrine präsentiert Werner Schindler mittels Spielzeug-Soldaten damalige Truppen und deren Ausrüstung.

Schritt für Schritt

Hans-Jakob Streiff stellte an der Vernissage am vergangenen Samstag einer grossen Besucherschar, unter ihr Bildungsdirektor Jakob Kamm, die Ausstellung in lebendigen Worten vor, betonend, dass es darum gehe, bei den Nachkriegsgenerationen Verständnis für die damalige Zeit, die ja gar oft auch zerredet worden ist und wird, zu wecken mit ganz konkreten Tatsachen, ohne freilich Unerfreuliches zu verschweigen. Ausschnitte aus der damaligen Filmwochenschau ergänzen die Schau und machen das auf den Tafeln Geschriebene lebendig. Es waren wirkliche Live-Aufnahmen; besonders eindrücklich - um nur ein Beispiel zu nennen - etwa die Szenen an den Grenzübergängen am Ende des Krieges, als Flüchtlinge und kapitulierende Truppen Schutz in unserem Lande suchte oder ein reumütiger Landesverräter gleich abgeführt wurde.

Von Tafel zu Tafel


Die 13 Haupttafeln beschlagen folgende Themen: 1. Wie es um Krieg kam. 2. Landesausstellung und Mobilmachung. 3. General Guisan. 4. Die drei Mobilmachungsphasen mit dem Bezug des Réduit und dem Rütlirapports; 5. Die (legendäre) Gruppe Glärnisch, jene Heereseinheit, die das Glarnerland als Eingang zum Réduit verteidigen sollte und die den Tankgraben in Näfels, etliche Bunker und die Festungswerke gebaut hat. 6. Die Kriegswirtschaft (als z.B. nur 48 Stunden altes Brot erhältlich war). 7. Die Anbauschlacht mit dem Plan Wahlen. 8. Die Frauen im Dienst von Wirtschaft und Armee. 9. Die Sozialpolitik mit Lohnausfallentschädigung (heute EO), die nach den bitteren Erfahrungen im I. Weltkrieg, als es nur den Sold gab, schon am 20. Dezember 1939 eingeführt wurde; der soziale Gedanke vertiefte sich dadurch und ebnete den Weg für die Schaffung der AHV im Jahre 1947. 10. Die Flüchtlinge und die Internierten. 11. Die Pressekontrolle und der Nervenkrieg. 12. Stimmen zum Krieg aus prominentem Munde (Virginia Woolf, Simone Weil, Antonie de Saint-Exupéry und Stefan Zweig). 13. „Vom Krieg zum Frieden“, der nicht allen Menschen die Freiheit brachte und vom Kalten Krieg abgelöst wurde.

Die reichen Informationen, die uns da vermittelt werden, betreffen nicht nur das Glarnerland, sondern betten Hiesiges inS gesamtschweizerische und ins Weltgeschehen ein im Sinne einer Gesamtschau. Es lohnt sich, zu verweilen und nachzudenken.

Die Ausstellung ist jeden letzten Samstag im Monat von 14.00 bis 17.00 geöffnet (24. Mai bis 25. Oktober); nächstes Jahr 25. April bis 31. Oktober. Führungen für Gruppen und Schulklassen sind immer möglich: Tel. 055 640 46 52 (Prof. Streiff).