Das Heu noch nicht auf der gleichen Bühne

Rund 80 Mitglieder und Gäste nahmen an der 2. Hauptversammlung der Bauerngruppe Glarus Süd im Saal des Brauereigasthofs Adler in Schwanden teil. Im Zentrum der Verhandlungen stand nebst der Bereinigung der traktandierten Sachgeschäfte der Jahresbericht der beiden Co-Präsidenten Elmer und Hefti. Im Anschluss an die Hauptversammlung gewährte Nationalrat Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, einen vertieften Einblick in die Aufgaben und Arbeiten von National- und Ständerat.



Es war eine äusserst spannende, emotionsgeladene, zwischendurch aber auch unterhaltsame Hauptversammlung der Bauerngruppe Glarus Süd. Während die acht Punkte umfassende Traktandenliste mit der Wahl des neuen Vorstandsmitgliedes Patrick Schindler aus Rüti im Schnellzugstempo verabschiedet wurde, stand der Jahresbericht der beiden Co-Präsidenten Thomas Elmer und Jakob Hefti-Eberle im Zentrum des Interesses.

Ziele der Bauergruppe Glarus Süd

Im Rahmen der Ausarbeitung der Gesamtrevision des Nutzungsplanes durch die Behörden von Glarus Süd hatten sich Bauern und Bäuerinnen aus ganz Glarus Süd zu einer Gruppe formiert, um die für die Landwirtschaft erheblichen Auswirkungen der Gewässerraum-Ausscheidung zu thematisieren und falls nötig zu bekämpfen. Mit Erfolg, wie sich im Nachhinein erwies. Dieselbe Gruppe brachte es nämlich fertig, mit einem Rückweisungsantrag den gesamten Nutzungsplan an der Gemeindeversammlung vom 16. März 2017 zu bodigen. Um die Kräfte der losen Gruppierung weiterhin zu bündeln, wurde der Verein «Bauergruppe Glarus Süd» gegründet. Mittlerweilen ist aus dem damals kleinen Pflänzchen ein richtig starker Baum geworden, der für die Interessenwahrung der Landwirtschaft in Glarus Süd aufkommt.

Von einem Konsens meilenweit entfernt

Im Normalfall lässt man ja in einem Jahresbericht jeweils das vergangene Jahr nochmals in Revue passieren. Anders an der 2. ordentlichen Hauptversammlung der Bauergruppe Glarus Süd. Aus präsidialem Munde prasselte massive Kritik auf den Gemeinderat von Glarus Süd nieder. Dabei bekamen der als Gast anwesende Gemeindepräsident This Vögeli und sein Ratskollege Kaspar Luchsinger einiges zu hören, an dem beide Politiker nicht unbedingt Gefallen hatten. Der Vorwurf der Bauerngruppe Glarus Süd: Man sei nicht bereit, gemeinsam die Probleme anzugehen, zeige keine Konsens- und Gesprächsbereitschaft und es fehle die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und der Bauerngruppe Glarus Süd. Ins gleiche Horn stiess sein Präsidiumskollege Thomas Elmer. Eines ist jetzt schon deutlich erkennbar: Sollten die beiden Parteien keinen gemeinsamen Konsens finden, ist eine weitere Rückweisung absehbar. Das eigentliche Piece de Résistance bildet nach wie vor die Gewässerraum-Ausscheidung und deren erheblichen Auswirkungen für die Landwirtschaft. Damit es trotzdem beim nächsten Mal klappt, sollte die Devise bei beiden Streithähnen heissen «Mä muess halt redä mitenand».

Nationalrat Markus Ritter – begnadeter Rhetoriker

Das im Anschluss an die Hauptversammlung angekündete Referat von Nationalrat Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, übertraf alle Erwartungen. Es war für alle Versammlungsteilnehmer eine Lehrstunde in Staatskunde. Leidenschaftlich und fundiert, im Stil des erfahrenen Politfuchses, plauderte der allseits beliebte Nationalrat und Bauernpräsident – er ist selbst auch Bio-Bauer – aus dem Nähkästchen. Dabei verschonte er weder seine Kollegen im National- und Ständerat, auch der Bundesrat bekam auf kameradschaftliche Art sein Fett ab. Ritters Referat war eine rhetorische Meisterleistung, und man hätte dem Bauernpräsidenten noch lange zuhören können.