Das Leben berechnet die Route neu

Am letzten Freitag konnten 60 Jugendliche ihr Maturitätszeugnis in Empfang nehmen. Referentin Morena Zhuniqi blickte darauf zurück, als sie vor zehn Jahren an derselben Stelle war und was das Leben in den kommenden Jahren für sie bereithielt. Nicht alles war geplant, bot aber viele Chancen.



Das Leben berechnet die Route neu

«Genau jetzt stehen Sie an einer Schwelle», meinte Referentin Morena Zhuniqi, Leiterin Standortentwicklung Kanton Glarus, bei der Maturafeier der Kantonsschule Glarus. Bis zu sechs Jahren waren sie in ihrer Klasse an einem geborgenen Ort umgeben von Kollegen und Freunde. Mit der Überreichung des Reifezeugnisses werde sich nun sehr viel ändern.  Viele glauben genau zu wissen, wie es in den nächsten Jahren weitergehen wird, andere seien noch auf der Suche nach dem richtigen Studium. «Vielleicht auch ein bisschen auf der Suche nach sich selbst.» Wie beim Navi konnte sie vor zehn Jahren bei ihrem Abschluss noch keine Zieladresse eingeben. Durch die Studienberatung und einem Praktikum – und auch durch einen gewissen Druck von den Eltern – habe sie sich dann für das Studium der Betriebswirtschaft entschieden. «Dass sie mich in eine Stelle beim Kanton bringen würde, hätte ich dabei aber sicher nicht geglaubt.» Denn auch wenn scheinbar das Ziel eingegeben ist, berechnet das Leben die Route immer wieder neu, oder ändert sogar das Ziel komplett. «Haben Sie keine Angst davor, das Leben ist keine gerade Linie. Und gehen Sie auf neue Abenteuer ein.»

Rektorin Franziska Eucken-Bütler wünschte den 60 Jugendlichen etwas ganz Spezielles, nämlich noch weiter viel Schule im Leben. Sie meinte dabei die ursprüngliche Bedeutung Scholae im antiken Griechenland. «Damit war nämlich die freie Zeit und die Muse gemeint.» Später konkretisierte sich auch durch Aristoteles und Plato die Zeit zur persönlichen Weiterbildung und vor allem Reifung. «Ziel dabei war die mündige Person, die sich für die Gesellschaft einbringt.» Während sie sich in den nächsten Jahren in einen Studiengang zu einem Experten entwickeln werden, sollten sie nicht vergessen, dass es noch mehr gibt im Leben.

Dies griff auch Regierungsrat Kaspar Becker auf. «Sie haben mit dem Zeugnis nicht nur die Eintrittskarte an die weiterführenden Institutionen; Sie haben auch eine gute Grundlage, Ihre Zukunft aber auch die der Gesellschaft zu verändern.» Sie sollte deshalb aktiv die Gesellschaft prägen und dies nicht nur in Ihrem Beruf, sondern auch allgemein in der Gesellschaft. «Und wenn Sie nicht genau wissen, wo gibt es immer noch die Politik», meinte er mit einem Lächeln, bevor er zusammen mit der Rektorin und den Klassenlehrern – für viele der Jugendliche endlich – die Maturzeugnisse überreichte.