«Das Optimum liegt in der Mitte»

Psychische Gesundheit geht uns alle an. Das Thema am jüngsten Symposium für medizinische Fachpersonen, «Zeit für ein Time-Out oder schon ein Burn-Out», lockte denn auch viele Interessierte ins GH Ennenda, was Gemeinderätin Andrea Trummer im Namen der Gruppe «Gesundes Glarus» sehr freute.




Im Zentrum stand ein Referat von PD Dr. med. Andres Ricardo Schneeberger, Ärztlicher Direktor Erwachsenenpsychiatrie der Psychiatrischen Dienste Graubünden. «Wann waren Sie zum letzten Mal gestresst?», fragte er in die Runde. Die Antwort erstaunte nicht: «Heute!»

Kompetent referierte er zum Thema «Burn-Out – Aussichten für Betroffene und ihr Umfeld aus Sicht eines Psychiaters». Dabei betonte er, dass Stress nicht nur gesundheitliche, sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen habe – «ökonomisches Potenzial, das verloren geht».

Was stresst am Arbeitsplatz?

Am meisten belastet sind Erwerbstätige durch Unterbrechungen am Arbeitsplatz, durch Arbeiten mit hohem Tempo, Termindruck, Umstrukturierung/Neuorganisation oder die Balance zwischen Anstrengung und Belohnung. Interessant sind die verschiedenen Stadien bis hin zum Burn-Out: Zwang, sich zu beweisen, verstärkter Einsatz, subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse, Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen, Umdeutung von Werten, verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme, Rückzug, beobachtbare Verhaltensänderungen, Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit, innere Leere, Depression, völlige Burn-Out-Erschöpfung.

«Burnout und Depression sind nicht nur psychische Erkrankungen, sondern auch körperliche», sagte der Referent. Zeichen einer Depression können sein: traurig, freudlos, interesselos, innere Leere, Gefühl der Gefühllosigkeit, Schmerzen, diffuse Ängste, Scham- und Schuldgefühle, Gedanken kreisen um das gleiche Thema, grübeln, Selbstvorwürfe, Denkblockaden, Vergesslichkeit, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, unruhig, nervös, stets müde, Mühe, Entscheidungen zu treffen, wenig Antrieb und Energie, schlaflos, sozialer Rückzug.

Der gleiche Stress hat übrigens unterschiedliche Auswirkungen auf die Menschen. Während er bei einigen die kritische Schwelle überschreitet, liegt er bei anderen noch darunter.

«Erkrankung wie jede andere auch»

Was kann man tun bei einem Burn-Out? Sehr wichtig sind Gesundheitsförderung und Prävention – samt einer Entstigmatisierung: «Es ist eine Erkrankung wie jede andere auch.» Dann folgen Krisenintervention, Therapie, Rehabilitation und Nachsorge. Mit Psychotherapie kann man kurzfristig auch bei Frühsymptomen etwas erreichen. Dabei geht es um die Wechselwirkung von Gedanken, Verhalten und Gefühlen. Im Berufsalltag wie im privaten Bereich.

Stressauslösende Faktoren können traumatische Erfahrungen, kritische Lebensereignisse und Alltagsbelastungen sein. Ganz zentral sind aber auch innere Antreiber: Sei perfekt! Beeil dich! Sei stark! Mach es allen recht! Streng dich an! «Wir sind nicht perfekt. Irgendwann schafft man es nicht mehr, arbeitet noch mehr und gerät in die Spirale. Auch Spitzensportler kennen das. Das Optimum liegt in der Mitte, nicht zuoberst», so der Referent.

Bewältigungsstrategien sind laut einer Befragung von Betroffenen Entspannungstechniken, professionelle Hilfe, mehr schlafen, ein gezieltes Zeitmanagement, eigene Ziele realistisch setzen, Ausgleich durch Freizeitaktivitäten oder regelmässiger Sport.

«Wir sollten bezüglich Anforderungen in den Flow zwischen Bore-Out und Burn-Out kommen, also in der Mitte sein», sagte der Psychiater. Das Wellness-Dreieck beinhalte Entspannung, Bewegung und Ernährung.

Aktuelles aus dem Glarner Gesundheitswesen

Janine Graf, Geschäftsführerin bts glarus, stellte am Symposium die nationale Kampagne «Wie geht’s dir?» vor, die bei uns in einem Aktionstag am 10. August im Volksgarten Glarus gipfelt. Dabei geht es primär darum, über psychische Erkrankungen zu sprechen (www.wie-gehts-dir.ch).

Anna Rosa Streiff Annen und Sabine Steinmann präsentierten die neue Koordinationsstelle Gesundheit im Rathaus Glarus. Orsolya Bolla, Hauptabteilungsleiterin Gesundheit im Departement Finanzen und Gesundheit, verwies auf das Pflege- und Betreuungsgesetz, über welches die Landsgemeinde 2020 befinden soll. Und Regula Etter, seit März Geschäftsführerin Alters- und Pflegeheime Glarus, APG, warb für den Eintritt in ein Alterszentrum: «Sie können Tag und Nacht selbstbestimmt geniessen wie in den Ferien.»

Abgeschlossen wurde das Symposium wie immer mit einem von der Gemeinde Glarus offerierten Apéro, der Raum für gegenseitigen Austausch bot. Denn die Vernetzung ist ebenfalls ein wichtiges Anliegen der Gruppe «Gesundes Glarus».