Das Rote Kreuz vor immer neuen Herausforderungen

Auf Einladung von „Gartenflügel“, Galerie und kulturelles Forum, Ziegelbrücke, und des Roten Kreuzes Glarus hat der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Dr. Jakob Kellenberger, am letzten Mittwochabend in der Aula der Kantonsschule Glarus zum Thema „Die humanitäre Tätigkeit des IKRK in Konfliktgebieten: alte und neue Herausforderungen“ referiert.



IKRK-Präsident Dr. Jakob Kellenberger stellte seine Organisation in Glarus vor. (Bild Jann Etter)
IKRK-Präsident Dr. Jakob Kellenberger stellte seine Organisation in Glarus vor. (Bild Jann Etter)

Es war spannend zuzuhören und zu erfahren, was das Rote Kreuz tut und wie es seine Aufgabe, das humanitäre Völkerrecht durchzusetzen - und zu helfen - erfüllt. Eingeleitet wurde der Abend, den Robert Jenny vom Gartenflügel und Jakob Küng vom hiesigen Roten Kreuz moderierten, mit einem Kurzfilm „Panorama 08“, der eindrücklich die vielfältigen Tätigkeiten des IKRK in Kriegs- und Krisengebieten aufzeigte.



Enorme Herausforderung der Zivilbevölkerung



Kellenberger erklärte, es gebe bekannte, aber auch immer wieder neue Herausforderungen. Sozusagen am Beginn der IKRK-Tätigkeit steht die Konfliktanalyse nach lokalen, regionalen und globalen Aspekten. Entscheidend für einen Konflikt-Ausbruch seien die lokalen Aspekte: Oft erwachse daraus ein sehr unübersichtliche Konfliktsituation, wie das Beispiel Darfur mit seinen ständig wechselnden Allianzen zeigte.

Heute ist die „enorme Ausnützung der Zivilbevölkerung“ durch die Kampfparteien ein besonderes Problem: Hinzu kommt die so genannte asymmetrische Kriegführung zwischen zwei ganz unterschiedlich gerüsteten und politisch unterschiedlich positionierten Kriegsparteien (Staat resp. Rebellengruppen), wobei das IKRK aber immer mit beiden Seiten ins Gespräch kommen muss, um beide Seiten auch zur Anwendung der Kriegsregeln im Sinne des humanitären Völkerrechts anzuhalten. Dabei ist oft die Kenntnis des Völkerrechts überhaupt zuerst einmal zu vermitteln.

Die operationelle Herausforderung besteht darin, Zugang zu allen Personen zu erhalten, die Schutz brauchen. Unter Schutz versteht das IKRK speziell die medizinische Versorgung oder die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser(!).



Unabhängig und neutral



Kellenberger betonte die absolute Unabhängigkeit und Neutralität des IKRK; die Abdeckung aller Bedürfnisse der vom Krieg Betroffenen, die Vertraulichkeit der Gespräche und Aktionen und ein glaubwürdiges Auftreten. Die Kommunikation ist ein besonders sensibler Bereich. Reden und Handeln aber müssten übereinstimmen. Nur bei Einhaltung dieser Grundsätze kann das IKRK überhaupt wirken - auf jeweils beiden (oder allen) Seiten eines Konfliktes.

In der anschliessenden Diskussion erläuterte Kellenberger einige praktische Fragen, z.B. wie man den Rebellengruppen das IKRK erkläre.