Das (Zirkus)-Leben geht weiter

Das Buch «Zirkus Mugg – Eine Geschichte zum Staunen» wurde völlig und unerwartet zum Vermächtnis vom bekannten und beliebten Clown Mugg. Die Vernissage im vollbesetzten Zirkuszelt in Betschwanden fand in einem besinnlichen und sehr bewegenden Rahmen statt. Dieses Werk entstand nach der Idee und Initiative von der Verlegerin Gaby Ferndriger und konnte dank Unterstützung von der Autorin Madeleine Kuhn-Baer und dem Fotografen Sasi Subramaniam erfolgreich realisiert werden.




Donnerstagabend gegen 19.00 Uhr. Leute stehen am Eingang zum Zirkuszelt Mugg in Betschwanden, Sie diskutieren und sind gespannt auf die angesagte Buchvernissage «Zirkus Mugg – Eine Geschichte zum Staunen». Allen ist bewusst, dass die zentrale Person dieses Buches, ihr Clown Mugg, nicht anwesend sein wird. Die Anwesenheit der vielen Leute beweist aber die grosse Verbundenheit mit dem Künstler und seinem Zirkus, welcher weit über die Kantonsgrenzen hinaus sich grosser Bekannt- und Beliebtheit erfreut. Der Besuch an diesem Abend ist ein Abschied und gleichzeitig ein Zeichen und Aufruf für die Zukunft, denn der Zirkus Mugg lebt mit der jungen Generation Muggli weiter.

Eine grosse Bewunderin des Zirkus Mugg

In ihrer Ansprache betonte die Verlegerin und Initiantin des Buches, dass sie vom Gesamtkonzept von Urs Muggli, Zirkus als Kunst- und Kulturform beeindruckt war. «Beeindruckt war ich nicht nur von seinem Konzept, sondern auch davon, wie er die Kinder mit einer Behinderung anleitete und motivierte.» Wie sie weiter ausführte, habe es sie im Jahr 2011 sehr geärgert, dass der Zirkus Mugg in Engi nicht mehr erwünscht war. Damals sei in ihr der Gedanke gereift, einmal etwas für den Zirkus zu tun. Im Sommer 2016, nach einem zufälligen Treffen mit Mugg entstand in ihr der Gedanke ein Buch über den Zirkus Mugg zu realisieren. Im Herbst 2017 hatte sie dann das Team für das Projekt mit der Autorin Madeleine Kuhn-Baer und dem Fotografen Sasi Subramaniam zusammen. «Und heute bin ich unendlich dankbar, dass wir das Zirkusbuch ganz zu Ende bringen durften und alles so umsetzen konnten, wie wir das gemeinsam mit Mugg erarbeitet hatten. Mugg lebt hier im Zirkus weiter, seine Söhne und Schwiegertöchter sind in seine grossen Fussspuren getreten, zusammen führen sie nun den Zirkus in die Zukunft.»

Im Anschluss an diese sehr eindrückliche Ansprache las Madeleine Kuhn-Baer, untermalt mit Bildern von Sasi Subramaniam, einige Texte aus dem neuen Buch. Für eine weitere Unterhaltung des Publikums sorgte dann die Zirkusfamilie mit einem poetischen und amüsanten Spiegelentree.

«Alles ist Zirkus und Zirkus ist alles»

«Abschied gehört zum Leben. Von Menschen, die man mag.» Dieses Zitat von Mugg vermag ein bisschen – vielleicht – darüber hinweg zu trösten, dass für uns alle der Abschied von Mugg ein Abschied für immer ist.» Franco Knie blickte in seiner einfühlsamen Ansprache auf die vielen Begegnungen und Gespräche mit Mugg zurück. «Wir hatten uns dabei sehr angeregt über die Zukunft unterhalten. Konkret: über ein gemeinsam ausgedachtes Projekt, das 2021 in Knies Kinderzoo zur Realisierung gelangen sollte.» Ihm würden die beeindruckenden geistreichen Begegnungen mit einer vielseitig interessierten, gebildeten Persönlichkeit, die ein Lebenswerk hinterlassen hat, stets in starker Erinnerung bleiben. «Die Weiterführung der schöpferischen Arbeit ist garantiert. Mugg wird sich darüber freuen.»

Nach einem weiteren Intermezzo der Zirkusfamilie wurde durch einen ganz speziellen imaginären Zaubertrick Regierungsrat Benjamin Mühlemann gebeten, sich zum Rednerpult zu begeben.

Limelight – Rampenlicht

Zu Beginn seiner Ansprache nahm Regierungsrat Benjamin Mühlemann Bezug auf den Film «Limelight» von Charlie Chaplin, wobei er betonte, dass die im Film vorkommenden Clowns keinen Vergleich mit dem Clown, von dem wir heute sprechen, standhalten. «Das Buch, über das wir heute sprechen, ist eine Ehrerweisung, ist eine Chronik, eine Würdigung und ein Stück weit auch ein Reiseführer und ein Lehrbuch.» Wie er weiter ausführte, sei dieses Buch eine wunderbare Homage an den Clown Mugg und an die Distribution Zirkus Mugg, welcher bei uns im Glarnerland gross geworden ist und von null auf hundert gewachsen sei. Der Zirkus wurde mit wahnsinnig viel Engagement aufgebaut und verfügt heute über eine riesige Fangemeinde. «Ich weiss, dass in dieses Buchprojekt von allen Beteiligten viel Herzblut investiert wurde und dafür möchte ich mich, auch ein Fan vom Zirkus Mugg, ganz herzlich bedanken.» Er sprach auch vom letzten Auftritt von Mugg an der Sportlergala in Näfels. Wie er zusammen mit seinem Sohn Ischa und dem Abfahrtsweltmeister Patrick Küng in einem improvisierten Bob sass. «Im Gesicht von Clown Mugg hat dabei der Schalk, die Energie und die Freude für alle sichtbar so richtig ausgestrahlt. Ein glücklicher Clown Mugg, und genau so bleibt er mir in Erinnerung.» Das Familienunternehmen Mugg, so Mühlemann weiter, sei auch, insbesondere auch mit den Sommerlagern, eine touristische Institution geworden und ein Unternehmen, in dem viele Menschen eine Beschäftigung finden. «Nun ist das Unternehmen mit einer 200-seitigen Visitenkarte ausgestattet, in der alles sichtbar und anschaulich wird.» Er schloss mit den Worten von Chaplin: «an den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.»

Die Frage wer den Reigen der Redner weiterführt, wurde ein weiteres Mal durch einen Zaubertrick der Zirkusfamilie entschieden. Diesmal traf das violette Tüchlein, übrigens die Lieblingsfarbe von Mugg, den Gemeindepräsidenten von Glarus Süd, Mathias Vögeli.

Tschüss Mugg

«Tschüss oder auf Wiedersehen, ein kurzer Abschied im Leben kommt immer wieder vor. Wie anders ist aber dann, wenn es kein Wiedersehen mehr gibt.» Mathias Vögeli nahm dabei Bezug auf seine letzte Begegnung mit Mugg an der Sportlergala in der lintharena in Näfels. Dabei war er noch über die tolle Fitness von Mugg erstaunt und sich an seinem Auftritt mit seinem Sohn und der Schwiegertochter erfreut. «Man sagt tschüss und kurze Zeit später ist plötzlich alles anders.» Vögeli erinnerte sich an die ursprünglichen Probleme in der Gemeinde. Als der Zirkus von Engi nach Betschwanden «zügelte». Der Gemeinderat habe damals dem Zirkus den Weg geebnet und heute ist er kaum mehr wegzudenken. «Der Zirkus Mugg ist ein grosser Mehrwert für unsere Kultur und unseren Tourismus. Die Besucher- und Übernachtungszahlen beweisen das eindrücklich. Clown Mugg weilt nicht mehr unter uns, aber in seinem Buch leben er und sein Zirkus weiter. Er bleibt uns mit seiner Mimik, mit seinem Lachen und mit seiner Freude für immer in bester Erinnerung. Mugg hat nicht vom Leben geträumt, sondern er hat seinen Traum gelebt und verwirklicht.»

«So ein Buch kann nicht ohne viele Sponsoren und Gönner verwirklicht werden. Dafür gehört Ihnen unser aufrichtiger Dank.» Die Zirkusfamilie überreichte dabei jedem der anwesenden Sponsoren, Rednern und Akteuren eine als Blume geformten mehrfarbigen Ballon. Beim anschliessenden Apéro bestand die Gelegenheit ein Buch zu erwerben und dies auch signieren zu lassen. Es gab an diesem Abend aber auch Gesprächsstoff in Hülle und Fülle.

Der Zirkus Mugg wird dank ihren Fans und dank Unterstützung im Sinne von Clown Mugg und mit neuen Ideen und Inspiration weiterleben. 

Madeleine Kuhn-Baer, Sasi Subramaniam: «Zirkus Mugg – Eine Geschichte zum Staunen». 208 Seiten, reich bebildert. Baeschlin-Verlag, Glarus