Dem Glarner Nachtleben auf der Spur

Kaum ist es warm geworden, verzaubern Fledermäuse wieder den Abendhimmel mit ihren Flugkünsten. Dass sie dabei vor unseren Schlafzimmerfenstern Mücken fangen, ist ganz praktisch. Nun widmet das Naturzentrum Glarnerland den «Königinnen der Nacht» eine Ausstellung samt Begleitprogramm und ruft die Bevölkerung auf, ihre Unterschlüpfe zu melden.



Die neue Sonderausstellung des Naturzentrums Glarnerland verrät, welche Fledermausarten den Abendhimmel bevölkern und lädt ein, das heimliche Glarner Nachtleben zu entdecken. (Bild: zvg)
Die neue Sonderausstellung des Naturzentrums Glarnerland verrät, welche Fledermausarten den Abendhimmel bevölkern und lädt ein, das heimliche Glarner Nachtleben zu entdecken. (Bild: zvg)

Fledermäuse sind anders: Sie ruhen mit dem Kopf nach unten, schlafen bei Sonnenschein und erwachen, wenn es dunkel wird. Wo am Tag Menschen sind, flattern sie nachts durch Gärten und Strassen. Dabei bleiben sie oft unbemerkt. Eigentlich erstaunlich, denn nicht wenige Arten leben mit uns unter demselben Dach. Mit der Ausstellung «Fledermäuse – heimliches Glarner Nachtleben» öffnet das Naturzentrum die Türe in eine verborgene Welt direkt vor unserer Haustüre und gibt Einblick in das faszinierende Leben dieser Flattertiere.

Bemerkenswerte Vielfalt

Bereits die «Fledermaus-Galerie» lädt zum Staunen ein: Sie zeigt Portraits der 19 im Glarnerland heimischen Fledermausarten und zeugt von der Vielfalt dieser Artengruppe. Sechs Arten werden in der Ausstellung näher vorgestellt. Da jede für ein anderes Thema steht, wird man Schritt für Schritt mit der Lebensweise der Fledermäuse vertraut gemacht. Anekdoten erzählen von Begegnungen zwischen Menschen und Fledermäusen im Kanton Glarus. Erlebnisstationen ermöglichen es, das Wanderverhalten von Rauhautfledermäusen zu studieren oder sich im Zählen von Mausohrkolonien zu üben. Hörstationen verraten, was es mit den Ultraschallrufen auf sich hat und liefern das Rüstzeug für eigene Beobachtungen. Denn Fledermäuse kann man in jedem Glarner Dorf entdecken.

Unterschlüpfe gesucht

Zum Entdecken gehört auch das Erkennen ihrer Unterschlüpfe. Viele Fledermausarten nutzen den Hohlraum hinter Wandverschalungen und andere Spalten an Gebäuden, seltener auch Estriche als Tagesschlafversteck. In einem einzigen solchen Quartier halten sich im Sommer zum Teil mehrere Dutzend Weibchen mit ihrem Nachwuchs auf. Um mehr über die Verbreitung der heimischen Arten zu erfahren, werden Fledermausquartiere schweizweit im Auftrag der Kantone inventarisiert. Das Naturzentrum unterstützt dieses Unterfangen im Kanton Glarus, indem es seinen Beobachtungsaufruf 2026 der Suche solcher Unterschlüpfe widmet. Die Einschränkung auf Verstecke ist nötig, weil jagende Fledermäuse vielerorts beobachtet werden können und wenig über die gesichteten Tiere verraten. Das Naturzentrum bittet deshalb Orte zu melden, an denen Fledermäuse beim Ein- oder Ausflug in oder aus einem Gebäude oder einer Baumhöhle beobachtet wurden. Auch der Fund von Kot auf einem Fenstersims oder Dachboden kann ihre Anwesenheit verraten. Vom harten Mäusekot lässt sich Fledermauskot gut unterscheiden: er zerfällt unter leichtem Druck zu Staub. Beim diesjährigen Beobachtungsaufruf arbeitet das Naturzentrum eng mit dem Schwandner Biologen Thomas Ortega zusammen. Er ist im Auftrag des Kantons für den Fledermausschutz im Glarnerland zuständig und wird die eintreffenden Fundmeldungen abklären.

Die Fledermaus-Ausstellung startet am 12. Mai 2026 im Naturzentrum Glarnerland im Bahnhofsgebäude von Glarus. Der Eintritt ist frei. Am Donnerstag, 21. Mai, findet anlässlich des «Festivals der Natur» um 20 Uhr eine öffentliche Führung mit Fledermaus-Beobachtung statt. Keine Anmeldung nötig. Fledermaus-Quartiermeldungen nimmt das Naturzentrum in der Infostelle sowie über seine Website und unter Tel.: 055 622 21 82 und [email protected] entgegen. Weitere Informationen unter www.naturzentrumglarnerland.ch.