Der Duft der grossen, weiten Welt

Viele kennen es. Wer am Vormittag am Spielhof in Glarus vorbeischlendert, kommt an dem herrlichen Duft nicht vorbei. Der Duft von frisch geröstetem Kaffee. Oft ist man versucht einen Blick hinter die Kulissen der Spielhofrösterei zu werfen.



Ich durfte das tun. An einem Montagvormittag traf ich Andreas R. Giger von der Stadtglarner Kaffeerösterei Spielhofkaffee. Schon von Weitem wusste ich, dass er an der Arbeit war. Die Röstaromen der Kaffeebohnen verbreiteten sich in der Umgebung. Ich war gespannt, was mich erwartet. Und hoffte auch etwas über das Geheimnis und die Raffinesse eines guten Kaffees zu erfahren.

Am nördlichen Ende der Rathausgasse steht ein kleines Gebäude. Darin befindet sich nicht nur die Rösterei, sondern auch das Lager der Rohbohnen. Es ist eng. Ich zwänge mich durch das Lager, um zum Röstbereich zu gelangen. Die Mutter von Andreas R. Giger steht am Röster, die eben gerösteten Bohnen werden nun abgekühlt.

Andreas R. Giger: «Die Bohnen müssen nach dem Rösten rasch abgekühlt werden, damit sie nicht nachrösten. Das würde den Geschmack und die Qualität negativ beeinflussen. Sie haben nach dem Rösten eine Kerntemperatur von 200 bis 220 Grad.»

Ich staune, wie schnell das alles gehen muss. Schon wird die nächste Ladung vorbereitet. Ich staune noch mehr, als ich sehe, wie die Bohnen vor dem Rösten von Hand verlesen werden. Das gibt viel Arbeit und einen enormen Mehraufwand.

Andreas R. Giger: «Vor dem Rösten werden die Bohnen entstaubt und verlesen. Dies garantiert uns eine immer gleichbleibende, gute Qualität. Auch nach dem Rösten wird noch einmal verlesen. Dunklere und hellere Bohnen werden aussortiert.

glarus24: «Man könnte also sagen, ihr kennt jede Bohne persönlich, die ihr verarbeitet?»

Andreas R. Giger lacht: «Das könnte man durchaus so sagen. Wir sind ein kleiner Betrieb und können uns nur durch hohe Qualität hervorheben. Das fängt schon beim Einkauf des Rohproduktes an. Wir wollen nur das Beste.»

glarus24: «Wieviel Bohnen könnt ihr pro Röstvorgang bearbeiten?»

Andreas R. Giger: «Pro Röstung könnten wir 15 Kilo einfüllen, aber um eine bessere Qualität zu erhalten, sind es nur 12 Kilo. Aber auch so kommen wir im Jahr auf rund 33 Tonnen Kaffeebohnen.»

Immer noch staunend stehe ich vor dem 70 Jahre alten Röster. Frau Giger erklärt mir viel über das Geheimnis einer guten Röstung. Viel muss beachtet werden. So können zum Beispiel kleinste Verunreinigungen wie schlechte Bohnen oder kleine Fremdkörper einen Röstvorgang verderben. Auch die Zeit spielt eine wichtige Rolle. Je nach Stärke dauert ein Röstvorgang 16 bis 20 Minuten. Gegen Ende der Zeit wird immer wieder eine Probe entnommen und mit einer Vorlage verglichen. Manchmal kommt es auf Sekunden an.

Andreas R. Giger: «Beim Rösten kommt es auf die Erfahrung an. Man kann keine Zeit nennen wie lange und wie heiss. Es ist jedes Mal anders. Kaffeeröster ist kein Lernberuf. Es wird von Generation zu Generation weitergegeben. Es macht aber viel Spass und es ist spannend. Wir verarbeiten 19 verschiedene Rohkaffees. Daraus lassen sich viele tolle Kaffee‘s kreieren.»

Wir verlassen nun die Rösterei und machen einen kurzen Halt im Lager. Viel Platz hat es nicht. Die Säcke stapeln sich bis fast unter die Decke. Unser Vorrat reicht ungefähr für drei Wochen, meint A.R. Giger. Weiter geht es zur Verpackung. Sein Vater ist gerade dabei, 500-Gramm-Beutel für ihren Laden zu füllen. Wichtig sei es auch, die gerösteten Bohnen baldmöglichst luftdicht zu verpacken. So bleibt die Qualität lange erhalten.

Zum Schluss des Rundganges stehen wir im Laden. Da hat es nicht nur Kaffee, sondern eine grosse Auswahl an Hochprozentigem. 170 verschiedene Whisky und 50 verschiedene Rumsorten stehen in den Regalen. Hinter der Theke reihen sich viele kleine Fläschchen aneinander. Hier dürfen Kunden degustieren. Ich verzichte heute der Gesundheit zuliebe von allen Proben zu kosten. Das verschiebe ich auf ein andermal.

Ich möchte mich noch bei der Familie Giger für den interessanten Einblick bedanken. Ich habe viel über die Kaffeerösterei gelernt und weiss es nun noch mehr zu schätzen, dieses Getränk zu geniessen. Und sollten Sie einmal in der Rathausgasse sein und den herrlichen Duft wahrnehmen, denken Sie daran, es steckt viel Arbeit, Sorgfalt und Erfahrung hinter einer guten Tasse Kaffee.