Der Film «I’m not a witch» bewegte das Glarner Publikum

Mit dem Film «I’m not a witch» gelang der in Sambia geborenen Regisseurin und Drehbuchautorin Rungano Nyoni ein mehrfach ausgezeichnetes filmisches Meisterwerk. Der Glarner Filmclub Spotnix sorgte dafür, dass diese magische Fabel mit hervorragendem Soundtrack im Anna-Göldi-Museum in Ennenda einem breiten Publikum vorgeführt werden konnte.




Der organisierende Glarner Filmklub Spotnix unter der Leitung von Journalistin Claudia Kock-Marti versteht es immer wieder, Meisterwerke auf Zelluloid einem breiten Glarner Publikum vorzustellen. Dabei hätte die Auswahl der Lokalität nicht besser sein können. Film und Handlung passten hervorragend in die Räumlichkeiten des Anna-Göldi-Museums, wo Museumsdirektor Fridolin Elmer ein zahlreich anwesendes Publikum herzlich begrüssen konnte. Ebenso erfreut über den Grossaufmarsch zeigte sich Claudia Kock-Marti, die einfühlsam in den Film «I’m not a witch» einführte. Ein gewinnend origineller und stilistisch frischer Debütfilm der jungen, in Sambia geborenen, walisischen Regisseurin Rungano Nyoni, die eigens für diesen Film in einem der ältesten, tatsächlich noch existierenden Hexenlager in Ghana recherchieren ging. «I’m not a witch» ist eine fabelhafte Geschichte über ein junges afrikanisches Mädchen, das wegen angeblicher Hexerei aus ihrem Dorf verbannt wurde. Gleichzeitig ist die Geschichte ein Dramafilm, welcher zwischenzeitlich mehrfach ausgezeichnet wurde.

Hexenlager existieren tatsächlich

Das Mädchen Shula ist zwar noch keine zehn Jahre alt, verfügt aber schon über gewaltige Kräfte. Das meint jedenfalls das hastig eingesetzte Tribunal, das dem Mädchen nach einem nichtigen Vorfall im Heimatdorf Zauberei unterstellt – und Shula in ein Hexenlager schickt, in dem sie mit anderen Verurteilten fortan ihre Tage verbringen soll. Es sei denn, sie entscheidet sich für die Flucht und riskiert damit, in eine Ziege verwandelt zu werden. Der immer noch starke Aberglaube in Sambia hat Rungano Nyoni, die in Wales studierte, zu ihrem Erstling inspiriert. So entdeckt man im Film «I‘m not a witch» sowohl Sozialsatire, feministische Kritik als auch ein surrealistisches Porträt des ländlichen Sambia. Die Reise in dieses reale Fantasieland beginnt in einem Touristenbus zu den Klängen von Vivaldis «Vier Jahreszeiten». Das Ziel ist ein Hexencamp. Mit weiss angemalten Gesichtern sitzen meist ältere Frauen am Boden, am Rücken hat man sie mit einem weissen Band angebunden, das jeweils auf einer riesigen Holzspule aufgewickelt ist. Wofür die Bänder seien, fragt ein Tourist. «Damit die Hexen nicht davonfliegen!» Ansonsten seien sie harmlos.

«I’m not a witch» sorgte in der Presse für Furore

Auch in der Presse sorgte der Fim «I’m not a witch» für Furore. So war im «Filmfest München» zu lesen: «In Sambia, dem Geburtsland der Regisseurin Rungano Nyoni, existieren diese Lager tatsächlich – eine grauenhafte Absurdität, die in dieser Geschichte von Macht und Freiheitsdrang gleichwohl einen schrillen satirischen Anstich erhält». Die «Around the Word» schrieb: «Eine ans Absurde grenzende afrikanische Groteske, die in erfrischender Art und Weise längst überlebt geglaubte gesellschaftliche Fesseln und männliches Popanzgehabe offenlegt. Rungano Nyoni gelingen in ihrem Filmdebüt atemberaubend eigenwillige Bilder einer sich in archaischen Ritualen selbst lähmenden Stammesgemeinschaft».