Der Kreuzmarkt in Netstal ist gelebtes Brauchtum

Der Kreuzmarkt in Netstal findet immer am Donnerstag nach dem kirchlichen Fest der Kreuzerhöhung statt. Das Fest der Kreuzerhöhung feiern die Katholiken schweizweit immer am 14. September. Deshalb auch der Name «Kreuzmarkt». In den meisten Fällen, aber eben nicht immer, findet der Netstaler Kreuzmarkt, auch «Chrüüzmärt» genannt, am dritten Donnerstag im September statt.




Die Netstaler Bevölkerung pflegt damit einen Jahrzehnte alten Brauch, dessen Ursprung, wenn man die nachfolgenden Zeilen liest, eigentlich in die Zeit von Kaiser Konstantin zurückführt. Dass der Kreuzmarkt und viele andere Bräuche weiterhin gefeiert werden, hat seine Berechtigung, denn es sind letztlich die Traditionen, welche unsere soziale Gemeinschaft festigen.

Woher der Name Kreuzmarkt?

Das Fest der Kreuzerhöhung hat seinen Ursprung in der Zeit von Kaiser Konstantin. Dieser liess an der vermutlichen Stelle von Kreuzigung und der Grablegung Christi die Grabeskirche bauen, welche gemäss Überlieferung am 13. September im Jahre 335 eingeweiht wurde. In dieser Kirche sollen auch grosse Teile des Kreuzes Christi aufbewahrt worden sein. Im Jahre 614 erbeutete Chosran II., Parvis von Persien das Kreuz. Nach dem Sieg des byzantinischen Kaisers Herakleios über die Perser im Jahre 628 wurde das Kreuz im Jahre 630 wieder nach Jerusalem zurückgebracht. Schon bald nach Auffindung wurden die Kreuz-Reliquien in alle Welt verteilt. Die Bedeutendsten kamen nach Konstantinopel, Rom, Poitiers, Paris und Trier. Im 7. Jahrhundert wurde in Rom die Kreuzverehrung in die Karfreitags-Liturgie eingeführt. Ebenfalls seit dem 7. Jahrhundert wird in der Lateinischen Kirche am 14. September das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert, in dem in den Kirchen, die über eine Kreuz-Reliquie verfügen, diese den Gläubigen in einer feierlichen Zeremonie zeigen.

Viel Volk und tolle Stimmung am Kreuzmarkt

Der diesjährige «Chrüüzmärt», wie die Netstaler sagen, lockte viel Volk auf den Sekundarschulhausplatz oder in die Mehrzweckhalle. In den letzten Jahren hat sich dort eingebürgert, dass sich verschiedene Jahrgänge zu einem gemütlichen Klassentreffen einfinden. So auch gestern Nachmittag. Die Halle jedenfalls war pumpenvoll und da und dort hörte man « Jä gitts dich ä nuch» oder «Läck, häsch du zuegnuu sitt em letschtämal» und so weiter und so fort. Der örtliche Gemeinnützige Frauenverein sorgte wie jedes Jahr in ihrer beliebten «Kaffistubä» für das leibliche Wohl der vielen Gäste und in der Küche strichen ebenfalls Mitglieder dieses Vereins «Zigerbrüüt», was das Zeug hielt. Der Reinerlös ist jeweils für einen caritativen Zweck gedacht. Die Netstaler Jugend, die traditionell immer am Kreuzmarktnachmittag schulfrei hat, vergnügte sich indessen beim Kinderkarussell oder bei der Trampolinanlage. Zahlreiche Marktfahrer verkauften ihren Krimskrams und mit zunehmender Dunkelheit füllte sich auch die Bar-Rondelle auf dem Primarschulhausplatz. Sogar der Gemeinderat Glarus hält dem traditionellen Gämspfefferessen die Treue und trifft sich jeweils in einem Restaurant mit ihren ehemaligen Netstaler Amtskollegen zu einem gemütlichen kulinarischen Stelldichein.