Die Glarner Lehrerinnen und Lehrer gehen in diesem Jahr leer aus. Weder erhalten sie einen Teuerungsausgleich noch eine individuelle Lohnerhöhung. „Dies hat vor allem Auswirkungen auf die Junglehrer“, betonte Marie-Hélène Stäger, Präsidentin des LGL. Im Vergleich gegenüber Menschen mit ähnlicher Ausbildung starten Lehrpersonen vor allem in der Volkschule mit einem bescheidenen Anfangsgehalt. „Bei der Einführung der Lohnverordnung hatte man zwar gezielt den Lohn in den ersten Jahren angehoben. Gemäss Antrag des Regierungsrates bleibt der Lohn jetzt aber gleich.“ Für alle anderen Kantonsangestellten spricht der Kanton 2010 eine Leistungsprämie in der Höhe von 300‘000 Franken. Den LGL ärgert es, dass die Lehrer von dieser einmaligen Prämie ausgenommen werden, da sie über kein Qualifikationssystem verfügen. „Dies ist jedoch nicht Sache der Lehrer, sondern des Departements für Bildung und Kultur“, meint dazu Co-Präsident Thomas Würtz.
Falsche Solidarität
„Es ist bei weitem nicht so, dass wir den anderen Kantonsangestellten diese Prämie nicht gönnen würden, sie haben das mehr als nur verdient“, Stäger weiter, „uns stört, dass versucht wird, uns gegeneinander auszuspielen.“ Nur weil in vielen Bereichen Anpassungen verpasst wurden, sollen nun die Lehrer wieder einmal zurückstecken. „Hier wird eindeutig versucht, eine falsche Solidarität aufzubauen.“
Dass die Lehrer von der Leistungsprämie ausgenommen wurden, hatte den LGL dazu veranlasst, ein Rechtsgutachten einzuholen. „Unser Gutachten zeigt auf, dass das geplante Vorgehen bezüglich Leistungsprämien willkürlich und diskriminierend ist sowie die Rechtsgleichheit verletzt“, heisst es dazu in der Medienmitteilung des LGL. Aus diesem Grund hat der LGL Einsprache beim Regierungsrat eingereicht. Dieser könnte an der nächsten Sitzung des Landrats einen Antrag stellen, verbindlich ist die Einsprache jedoch nicht.
Finanzdirektor Rolf Widmer sieht bei den Lehrer im Moment keinen Handlungsbedarf, da diese im Vergleich mit 17 anderen Kantonen überdurchschnittlich verdienen würden: von 100,7 Prozent in den Primarschulen bis hin in der gewerblichen Berufsschule mit 105,1 Prozent. Zuerst ginge es darum, die anderen Kantonsangestellten im Durchschnitt hochzubringen, diese verdienen im kantonalen Vergleich im Glarnerland nur 86 Prozent. Am Mittwoch beschliesst der Landrat, dass dieses Lohnniveau in drei Jahren auf 95 Prozent erhöht wird. Es ginge in einem ersten Schritt darum, dass das Lohngefälle innerhalb der Verwaltung nicht zu gross wird.
Absehbarer Lehrermangel
Die LGL spricht in ihrer Medienmitteilung ein weiteres Problem im Bereich der Schule an. Der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer erwartet in den kommenden Jahren einen akuten Lehrermangel in der Schweiz aber auch im gesamten deutschsprachigen Raum. „Dies, weil die Lehrpersonen aus den Baby-Boom Jahren langsam in Pension gehen“, erklärt Würtz. Konkret ist dies rund ein Drittel der Lehrpersonen in den kommenden 15 Jahren. Dazu kommt noch eine beträchtliche Zahl Abgänger einer Pädagogischen Hochschule, die gar nie in den Schuldienst eintreten oder ihn bereits in den ersten fünf Jahren verlassen.“ „Ausserdem gibt es viele Lehrpersonen, die wegen den immer grösseren Belastungen nur ein Teilpensum bestreiten.“
Die Folge ist, dass immer mehr Stellen mit Personen besetzt werden müssen, die nicht die nötige Kompetenz auf der Stufe oder im Fach haben. „Das muss im Einzelfall nicht schlecht sein, in der Quantität führt es zu einer Senkung des Niveaus“, relativiert Stäger. Aber mit der Einführung des neuen Lohnbandmodells und einer 0,0-Prozentigen Anpassung der Lohnsumme, würde die Attraktivität des Kantons, nach Meinung des LGL, weiter geschmälert. Nicht nur für Lehrpersonen sondern auch für Eltern, die ihren Kindern eine optimale Ausbildung ermöglichen wollen.




