Diese Zukunft ist sozusagen mit Händen greifbar, wenn schon 2009 werden die Behörden der nur noch drei Glarner Gemeinden gewählt; besser: eine einzige für das ganze Glarner Hinterland. Der Bote war und bleibt also eine Publikation für Glarus-Süd (oder wie immer die neue Gemeinde letztlich heissen wird). Miteinbezogen ist einzig der Urnenboden.
Geschichtsquelle
Schon jetzt muss der Bote in seiner Gliederung auf neue Gemeindestrukturen Rücksicht nehmen. Es gibt da Gemeindechroniken und dazu speziell Dorfchroniken, aber auch überregionale Darstellungen und Zusammenfassungen. In Zukunft wird von einer einzigen Gemeinde und 17 Dörfern die Rede sein.
Der Neujahrsbote ist eine gute Geschichtsquelle, wenngleich die einzelnen Dorfchronisten die Ereignisse und Personenangaben unterschiedlich gewichten und mitunter auch etwas vergessen haben mögen. Wiederum ist der Bote reicht bebildert.
Wasserkraft, Tagwenvögte und Holzer
Der erste Teil des Boten ist stets grösseren Artikel reserviert. Heinrich Hämmerli berichtet über die Wasserkraftanlagen am Mühlebach in Engi, wo nun nach exakt hundertjährigen Bemühungen der Gemeinde Engi ein Kraftwerk im Bau ist.
Heinrich Vögeli widmet den einstigen Tagwenvögten, die nicht bloss Werkleiter, sondern auch die höchsten politischen Würdenträger in den Gemeinden waren, eine umfassende Darstellung und würdigt besonders auch den letzten Schwander Tagwenvogt, den beinahe schon legendären Tobias Blumer.
Einblick in das einstmals harte Leben der Bauern und Holzer gewähren Heinrich Schiesser („Hirten und Holzen - Erinnerungen an meine Jugendzeit“) und ebendieser zusammen mit Fritz Dürst („Die Zeit der Holzerkompanien in Diesbach“). Die Mühsale, welche diese Leute und ihre Familien damals auf sich nahmen, können wir uns heute kaum mehr vorstellen.
Jack V. Koby
Anita Blumer, die letztes Jahr einen Dokumentarfilm über ihren Uronkel Fridolin Blumer alias Jack V. Koby gedreht hat, berichtet unter dem Titel „Persönliche Annäherung an Jack V. Koby“ über ihre abenteuerlichen Recherchen, speziell in Übersee. Sie verblüfft dabei durch scharfsinnige Auslegungen der spärlichen Dokumente und der Legenden, die sich um den wohl als Abenteurer zu bezeichnenden Auswanderer von Engi ranken.
Heinrich Stüssis Erinnerungen
Der zweite Teil der Lebenserinnerungen von Dr. h.c. Heinrich Stüssi, des Begründers des Boten, der nun nach seinem Tode von einem Stiftungsrat, dem die frühern Mitredaktoren angehören, herausgegeben wird, beschlägt die Lehr- und Wanderjahre, die Schwierigkeiten, die in den 1930er Jahren ein junger Lehrer bei der Stellensuche hatte, dem Aktivdienst und die Familiengründung und schliesslich den Weg nach Linthal (1948), wo Stüssi dann eine fruchtbare Tätigkeit als innovativ denkender Lehrer, als Waisenvogt, als Gründer des Neujahrsboten und Organisator von Ausstellungen entfaltete. Er berichtet auch über seine eher etwas spät entdeckte Freude am Laufen, die ihn sogar am New Yorker Marathon teilnehmen liesse. Die ihm zuteil gewordenen Ehrungen (Glarner Kulturpreis, Ehrendoktor der Universität Basel nach der Entdeckung der so genannten Heidenhüttchen auf Bergeten), sind eher kurz - und bescheiden - erwähnt.
Neujahrsbote für das Glarner Hinterland, Verlag Neujahrsbote, 8750 Glarus. Fr. 24.50




