Er hat ein aufregendes, gutes Leben geführt, ist gesund und wollte nach seiner Berufstätigkeit etwas zurückgeben, da er «viel vom Leben empfangen hat», wie er sagt: Dieter Bäbler, ehemals Direktor der Glarner Kantonalbank, engagiert sich seit seiner Pensionierung im sozialen/gemeinnützigen Bereich. Er ist unter anderem Teil der Freiwilligengruppe für Sitznachtwachen am Kantonsspital Glarus. Durchschnittlich ein bis zwei Nächte pro Monat sitzt er am Bett einer schwerkranken oder sterbenden Person, um die Angehörigen zu entlasten.
«Bereichernde Aufgabe»
Durch sein Engagement im Spital hat sich sein Verhältnis zum Tod verändert: «Der Tod ist Teil des Lebens. Problem ist nicht der Tod, sondern das Sterben.» Dabei gibt es viele Facetten – vom schmerzfreien, schnellen Abschied bis zu tagelangen Kämpfen.
Im Laufe der Jahre hat Dieter Bäbler gelernt, belastende Situationen wegzustecken. Schwieriger ist es für ihn, wenn er die Sterbenden kennt. Doch wenn es medizinisch keine Hoffnung mehr gibt, denkt auch er: «Es wäre schön, wenn er sterben könnte.»
«Ich bin froh, bin ich zu dieser bereichernden Aufgabe gekommen», bekennt er. Irgendwann aber wird er aufhören müssen, dauert es mit zunehmendem Alter doch immer länger, bis sich der Körper von einer durchwachten Nacht erholt.
Mehr Freiwillige gesucht
Da die Gruppe derzeit nur aus drei Männern und vier Frauen besteht, werden nun weitere Freiwillige für diesen ehrenamtlichen Dienst am kranken Mitmenschen gesucht. Wer kann sich melden? «Alle vernünftigen Leute», sagt Spitalpfarrer Urs Steiner, der die Gruppe leitet und begleitet. Nötig seien eine gewisse Frustrationstoleranz, Geduld, ein gesundes Selbstwertgefühl und psychische Stabilität. Da die Einsätze die ganze Nacht dauern, sollte man tagsüber nicht belastet sein. Im Moment gehören der Gruppe denn auch nur Pensionierte an.
Vorkenntnisse sind nicht notwendig, man wird laut Urs Steiner gut in die Aufgabe eingeführt. «Und die Verantwortung bleibt immer bei der Dienst habenden Diplomierten auf der Abteilung», betont der Spitalpfarrer. Alle zwei Monate gibt es gemeinsame Treffen, an denen jeweils auch eine Pflegefachfrau vom Spital teilnimmt.
Die Gruppe wurde vor rund 20 Jahren von der damaligen Spitalpfarrerin Adelheid Baumgartner ins Leben gerufen. Sie kommt zum Einsatz, wenn Familien nicht in der Lage sind, 24 Stunden bei ihren Angehörigen im Spital zu wachen. «Die Nähe eines Menschen kann sich sehr beruhigend auf die kranke Person auswirken. Zudem wird damit auch die Nachtschwester entlastet», so Urs Steiner.
Elmer MunggäRun



