Der UmkehrHerr und Mario im Buchholz Glarus

Was unter «UmkehrHerr» zu verstehen war, wurde spätestens nach 60 wechselvollen Theaterminuten klar, wurde mit den Auftritten der Beni und Christian Hunziker, verständlicher. Zum Auseinandersetzen und Mitvollziehen sind Kinder ab etwa vier bis zwölf Jahren eingeladen.



Im voll besetzten Singsaal der Schulanlage Buchholz in Glarus wurde mitgefiebert, geschmunzelt, wenn erforderlich sofort geholfen, aufmunternd und spürbar Anteil nehmend geklatscht. Der Aufbau des Geschehens ist sympathisch stark auf die Kinder abgestimmt, ist Aufforderung sich von Rückschlägen – seien sie auch noch so einschneidend – nicht negativ beeinflussen zu lassen. Die unter «Bruderboot» auftretenden Theaterpädagogen machen den Kindern Mut. Sie leben vor, wie schnell sich etwas ins Negative wenden kann, wie schlimm das für den Betroffenen, in diesem Fall für Mario Nett (Beni Hunziker) ist; für ihn, den gefeierten, anerkannten weitherum bekannten Filmstar, der wegen eines Unfalls nur noch humpelnd, klagend und anklagend unterwegs ist. Nichts mehr war wie einst. So vieles, was dem Ego gut tat, ist weg. Mario klagt, laut, Mitleid erregend. Er redet von seinen Sorgen – in einer durchaus nachvollziehbaren Vermischung von Resignation, Wut, Trauer und Unverständnis. Die Kinder verstehen diese Sorgen.

Da taucht wie aus dem Nichts der UmkehrHerr auf, ein auf den ersten Blick wirklich schräger Vogel. Nur schon sein Anzug ist so etwas wie eine Wundertüte; bunter könnte der wirklich nicht sein. Dann spricht er auch aufreizend komisch. Wenn man schon so heisst, darf man die eigene Sprache ruhig ein klein bisschen umdrehen – sehr zum Vergnügen der Kinder. Dieser UmkehrHerr wird das Geschehen des Mario Nett – übrigens ein begabter Gitarrist mit einem etwas schrägen Instrument, Sänger und Liedermacher – total umkrempeln. Sein Rezept an Marios Adresse ist denkbar einfach. Man gewinne Fantasie, lasse diese Gabe nie mehr los, schliesse mal die Augen, lehne sich zurück und beginne zu sinnieren. So werde – dies äussert der UmkehrHerr mit tiefster, nicht zu widerlegenden Überzeugung – alles garantiert besser.

Die Fantasie wird durch ein ungemein wirbliges Wuscheltier verkörpert. Es geht auf die Agierende derart ein, dass die Zuschauer richtig rasant mitdenken müssen. Mario Nett lässt sich beeinflussen, beginnt zuweilen sogar ein ganz klein wenig umgekehrt zu reden. Aber immer nur so, dass die Verständlichkeit nicht leidet.

Er, der seinen Job verloren hat, das Singen und Erdichten von Liedtexten kaum mehr anpackt, wird wieder richtig lebensfroh. Er besinnt sich aufs Einst, auf seine Erfolge, den Bekanntheitsgrad und seine Talente Und nachdem er von einem wunderbaren Wässerchen gekostet hat (Brummliwasser wirke gegen das Grummeln), geht’s dann wirklich zur Sache, lautstärker als vorher, überzeugend und kraftvoll. Die Kinder werden zum Mitsingen eingeladen; das nehmen sie gerne und bereitwillig auf.

Und noch lange stehen sie beisammen, plaudern ganz aufgeregt, begrüssen die leicht erschöpften Akteure herzlichst. Das Stück hat gefallen, dessen Inhalte machen auch Mut für Situationen, in denen nicht alles rund läuft.