Der unsichtbare Josef

Der Heilige Abend, 24. Dezember, ist in der Fridolinskirche jeweils ein besonderer Höhepunkt mit dem Krippenspiel. Die gut gefüllte Kirche zeigte, wie beliebt diese Messe ist.



Krippenspiel Fridolinskirche Glarus (Bild: Hemachandru Mahendran)
Krippenspiel Fridolinskirche Glarus (Bild: Hemachandru Mahendran)

Bei der Vorbereitung des Krippenspiels mit der Rollenverteilung zeigte sich schnell die Begeisterung der Kinder: Viele wollten Maria sein, andere sahen sich als Engel, Wirt oder als einer der drei Könige. Auch die Hirten waren rasch gefunden. Nur eine Rolle blieb überraschend unbesetzt: Josef. Trotz aller Versuche fand sich kein Kind, das diese Aufgabe übernehmen wollte. Was zunächst wie ein Mangel erschien, wurde jedoch zum Ausgangspunkt einer ganz eigenen, tiefsinnigen Deutung der Weihnachtsgeschichte.

Das Krippenspiel wurde ohne sichtbaren Josef aufgeführt – und doch war er die ganze Zeit über präsent. Josef war unterwegs, um Wasser zu holen, er bereitete den Weg, er führte Hirten und Könige zur Krippe. Immer wieder wurde von ihm gesprochen, immer wieder wurde auf sein Handeln verwiesen. Viele fanden so den Weg zur Krippe mit Hilfe eines Josefs, der abwesend und doch wirksam war.

Diese Darstellung öffnete einen neuen Blick auf das Weihnachtsgeschehen. Josef, der in den biblischen Erzählungen oft im Hintergrund bleibt, wurde hier als der leise Handelnde sichtbar: einer, der nicht im Mittelpunkt steht, der keine grossen Worte macht, der aber durch sein Tun ermöglicht, dass andere ankommen können.

Die Engel verkündeten die frohe Botschaft, die Hirten machten sich auf den Weg, die Könige folgten dem Stern – und alle kamen sie an der Krippe zusammen.

Ein herzlicher Dank gilt allen Kindern, die mitgespielt haben. Ebenso ein Vergelt’s Gott an Federico Bento, der das Krippenspiel mit Geduld und viel Herzblut geleitet hat. Dieser Heilige Abend hat gezeigt: Auch dort, wo etwas zu fehlen scheint, kann Gottes Geschichte lebendig werden – manchmal gerade auf überraschende Weise.