«Woher kommen die Metalle, die wir im Alltag gebrauchen?», fragte die Sozialarbeiterin, Erwachsenenbildnerin und Bethlehem-Mission-Immensee-Mitarbeiterin Susanna Anderegg ihres Berichts aus erster Hand. In Gedanken führte sie die 30 Interessierten im Publikum mit einem 13-stündigen Flug nach Lima, Peru, eine Stunde weiter ins Hochland und dann mit einem Bus weitere acht Stunden in die Apurímac-Region auf 3800 Meter Höhe. Die meisten Menschen hier, stellvertretend für fast alle in Bergbaugebieten, gehören der indigenen Bevölkerung an, die in extremer Armut von der kärglichen Landwirtschaft lebt. Die Gesundheitsversorgung ist mangelhaft, die staatlichen Schulen ungenügend. Viele Leute ziehen weg.
Kein Wunder, dass das Bergbauprojekt des schweizerisch-britischen Konzerns Xstrata mit Sitz in Zug grosse Hoffnungen bei der Bevölkerung weckt: auf Arbeit, auf guten Lohn, auf Ausbildung, auf Projekte, die die Lebenssituation verbessern. Diese Glanzseite der Medaille hat aber eine dunkle Kehrseite: Umweltverschmutzung, Verknappung des Wassers, Umsiedlung, nicht eingehaltene Versprechen der Konzerne und des Staates. Nur ein Drittel der 1350 Arbeiter wird direkt aus der Region kommen, da bei den Einheimischen die Ausbildung und Erfahrung fehlt. Das Geld für soziale Projekte verschwindet ins Netz der Korruption.
Die Bergbaufirmen verfügen über Tagbaukonzessionen von 65 Prozent des Bodens in dieser Region. Obwohl das Gesetz die Konzessionierung von besiedeltem Boden verbietet, scherzt sich die Landesregierung einen Dreck um das Gesetz, weil 55 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Bergbau stammen. Weder die Bevölkerung noch die lokale Behörde wird in die Verhandlungen mit einbezogen. Sie werden zum Teil nicht einmal über die Vergabe informiert.
Die Einheimischen wissen so gut wie nichts über ihre Rechte. Sie können sich nicht vorstellen, dass sie mit einer grossen Firma wie Xstrata je verhandeln könnten. Über die Bodenpreise haben sie keine Ahnung, weil es bei ihnen nicht üblich ist überhaupt Boden zu verkaufen.
Für Susanna Anderegg ist klar: Die Menschen hier müssen bereit sein, für ihre Rechte einzustehen. Sonst werden sie übergangen. Denn: «Die Erfahrungen in Peru zeigen klar, dass der Bergbau der betroffenen Bevölkerung viele Probleme bringt, aber normalerweise nicht zur Verbesserung ihrer Lebenssituation beiträgt.» Ist die lokale Bevölkerung aber richtig informiert, lernen sie ihre Rechte kennen und wahrnehmen. Werden die Einheimischen in Verhandlungstechniken geschult, werden sie befähigt, Verhandlungen mit den Firmen zu führen. Daraufhin arbeitet die Bethlehem Mission Immensee in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen in Peru.
Xstrata und Glencore, zwei der grössten Bergbaufirmen der Welt und in Peru tätig, haben ihren Sitz in der Schweiz. Brot für alle und Fastenopfer fordern, dass die Schweizer Regierung die Unternehmen mit Sitz in der Schweiz regulieren, um den Geldfluss transparent zu machen und um die Sorgfaltspflicht und Einhaltung der Menschenrechte gesetzlich zu verankern.
Keine Nachteile 10-Millionen-Initiative?


