Deutschland und die Schweiz sind Vorbilder für die Mexikaner

Aus der mexikanischen Stadt Querétaro, genauer gesagt aus Juriquilla, einem Vorort innerhalb der Grenzen von Santiago de Querétaro, erläuterte mir am vergangenen Freitagabend mein Freund und langjähriger Wegbegleiter Fridolin Hauser topaktuell per Skype die aktuelle Corona-Situation Ende April, Anfang Mai im nordamerikanischen Staat Mexiko.



Querétaro ist ein kleiner Bundesstaat im Norden von Mexiko mit der Hauptstadt Santiago de Querétaro. Hausers Wohnort heisst Juriquilla und ist ein Vorort von Santiago de Querétaro, liegt etwa 200 Kilometer nordwestlich von Mexiko City und etwa 15 Kilometer nördlich des Zentrums von Santiago de Querétaro entfernt. Fridolin kehrte im Mai 1999 Netstal und dem Glarnerland den Rücken und verlegte sein Domizil in die Heimat seiner Ehefrau Vicky nach Mexiko. Damit erfüllte er sich gleichzeitig einen langersehnten Wunsch, einmal in der Heimat seiner Frau Vicky zu arbeiten und dort zu leben. Während vielen Jahren war er Co-Geschäftsführer der Firma HAMAT Werkzeugbau AG in Netstal. Gemeinsam mit seinem Partner führte er über viele Jahre eine Spezialfirma für Werkzeugbau, Spezialmaschinenbau und Prototypen. Seit rund 20 Jahren leben die Hausers glücklich und zufrieden in einem wunderschönen Anwesen mit Umschwung mitten in einer Urbanisation in Juriquilla. Bis vor Kurzem amtete Fridolin noch als Lehrlingsausbilder an einer örtlichen Berufsschule und vermittelte jungen Menschen das Handwerk des Mechanikers und Maschinenbauers für die Automobilindustrie nach dem DUAL-System. Von seinem grossen fachtechnischen Wissen profitierten unzählige junge Mexikaner. Nebenbei schrieb er auch Fachbücher für Mechaniker-Lehrlinge. Heute widmet er sich nebst seiner Frau Vicky auch seinen zwei Hunden, die sie ganz schön beanspruchen, wie er selber schmunzelnd beifügt.

    

Corona-Bekämpfung nach europäischem Vorbild

Europa, vor allem Deutschland und die Schweiz, sind für die Mexikaner bei der Bekämpfung des COVID-19-Virus Vorbilder. Das ist nicht ganz zufällig, ist doch der Verlauf der Pandemie hier in Mexiko sehr ähnlich wie in Deutschland und hier in der Schweiz. Die Mexikaner haben mittlerweile gelernt, mit dem Corona-Virus umzugehen. Sie halten sich grösstenteils an die Verordnungen und Corona-Regeln der Regierung unter Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador, der anfangs seine liebe Mühe hatte, die Gefahr des COVID-19-Virus einzusehen. Mittlerweile scheinen Präsident Obrador und seine Regierung die Fehleinschätzungen erkannt zu haben. Die Verhaltensregeln entsprechen heute haargenau jenen von Europa. Ganz offensichtlich schenken die Mexikaner bei der Bekämpfung des COVID-19-Virus den Europäern deutlich mehr Vertrauen als ihrem grossen Nachbarn im Norden, den Vereinigten Staaten von Amerika. Heute darf man erfreut feststellen, dass das 125-Millionen-Volk sich mehrheitlich strikte an die von der Regierung verhängten Massnahmen halten, die da lauten: «Social Distancing» unter Einhaltung von 2 Metern Abstand, mehrmals am Tag die Hände waschen oder desinfizieren und keine Umarmungen und Küsschen, wie es in lateinischen Ländern täglich gang und gäbe ist.

 

Der Verlauf der Corona-Pandemie in Mexiko

Am 22. Januar gab die «Secretaría de Salud» von Mexiko (vergleichbar mit einem Gesundheitsministerium) eine Erklärung ab, die besagte, dass Mexiko gut auf das neuartige Coronavirus vorbereitet sei. Am 28. Februar wurden die ersten beiden Infektionsfälle bestätigt. In Mexiko wurde am 2. März der erste Erkrankte als geheilt entlassen, ein 35-jähriger Mann aus Mexiko-Stadt, der Mitte Februar an einer Geschäftsreise nach Italien teilgenommen hatte. Insgesamt zählte Mexiko am 3. März fünf Infektionsfälle, die sich alle auf Italienreisen angesteckt hatten. Die Mexikaner haben seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in ihrem Land viel dazugelernt. Ihr Augenmerk ist konzentriert auf den Verlauf der Pandemie in Europa gerichtet. Die Mexikaner haben gelernt von Asien, aber auch von Deutschland und haben deshalb dieselben erfolgreichen Massnahmen wie in Europa ergriffen. Heute am 1. Mai registrierte dasselbe Gesundheits-Ministerium von Mexiko 20 739 positiv getestete Personen, 12 377Genesene sowie 1972 Todesfälle. Mexikos staatliches Gesundheitssystem verfügt offiziellen Zahlen zufolge über 6175 Beatmungsgeräte und 4291 Intensiv-Betten, 3000 weitere Betten will der Privatsektor bereitstellen. Die aktuellsten Fallzahlen am Sonntag, 5. Mai, zeigen nach oben und deuten darauf hin, dass der Peak in Mexiko noch nicht ganz erreicht ist. So registrierte man in Mexiko 22 088 positiv getestete Personen, 13 447 Personen gelten als genesen. Demgegenüber stehen 2061 Todesfälle.

 

Mafia missbraucht die Corona-Krise für ihre Zwecke

Der Kampf gegen das Corona-Virus zeigt aber seit den Massnahmen gewisse Erfolge, trotzdem zeigen die Fallzahlen, dass der Peak längst noch nicht erreicht ist. Von einer Lockerung der Massnahmen kann im Moment keine Rede sein. Die Geschäfte bleiben geschlossen, die Menschen bleiben zu Hause. Und die Kriminalität? Diese ist unverändert hoch. Allein im März wurden 2585 Menschen ermordet. Ein Blick auf die mexikanische Medienlandschaft zeigt, dass die Mafia die Corona-Pandemie skrupellos für ihre Vorteile nutzt und sich gleichzeitig als Wohltäter der Nation aufspielt. So überbieten sich Drogenkartelle mit Hilfsaktionen für Bedürftige. Mitten in der Corona-Krise, die auch die Mafia trifft, geht es darum, Einfluss und Macht zu bewahren.Viele mexikanische Unternehmen, die für den US-Markt produzieren, setzen ihre Arbeiter Ansteckungsrisiken aus und drohen mit Entlassungen. Sie stehen unter dem Druck, die Lieferketten für die USA aufrechtzuerhalten.

Trotz alledem zeigt sich mein Freund Fridolin Hauser, bekannt als stets aufgestellter und positiv denkender Mensch, guter Dinge. «Wenn wir alle gegenseitig gut auf uns aufpassen und diszipliniert die Sache angehen, die Verordnungen und Regeln einhalten, werden wir diesen COVID-19-Virus längerfristig besiegen. Positiv denken lautet deshalb die Devise!»