Zwei Männer und eine Frau sitzen gemeinsam mit Diabetes-Fachfrau Gyong Gim Giger im Büro der Diabetesberatung am Kantonsspital Glarus. Alle drei leiden – in unterschiedlichen Formen – an Diabetes, sind aber gut eingestellt. Gemeinsam ist ihnen die Zielsetzung, ihre Lebensqualität zu erhalten und mögliche Spätfolgen eines schlecht eingestellten Diabetes zu verhindern.
«Eine Diabetes-Behandlung bedeutet nicht nur Blutzuckersenkung, sondern auch Information, Betreuung und Schulung der Patienten. Diese müssen selber eine grosse Selbstständigkeit und Eigenverantwortung übernehmen, um allfälligen Begleit- und Folgekrankheiten vorzubeugen», sagt Gyong Gim Giger. Die drei Betroffenen gehen viermal jährlich zum Arzt zur Kontrolle und drei- bis viermal pro Jahr zur Diabetes-Fachfrau in die Beratung. Ein spezieller Gesundheits-Pass für Diabetes stellt die Information aller Beteiligten sicher.
Unterschiedliche Therapien
Die heute 42-jährige Astrid Bur bekam die Krankheit «fast zum 40. Geburtstag». Sie verlor an Gewicht und hatte einen Riesendurst: «Ich hätte einen See leer trinken können.» Der Arztbesuch ergab die Diagnose Diabetes Typ 1, eigentlich Jugend-Diabetes. «Diese Form kann auch später, sogar bei einem 70-Jährigen, noch auftreten», erklärt Gyong Gim Giger. Sie bedeutet lebenslange Behandlung mit Insulin. Astrid Bur spritzt fünfmal am Tag, was aber kein Problem für sie darstellt. «Es geht mir eigentlich gut», so die Patientin. Zweimal jährlich sucht sie eine spezialisierte Diabetologin in Horgen auf – im Kanton Glarus praktiziert kein solcher Spezialist –, zweimal geht sie zum Hausarzt. Und sie schätzt auch die Beratung der Diabetes-Fachfrau sehr: «Vor allem am Anfang gab mir das Sicherheit.»
Der 58-jährige Martin Böni bekam die Diagnose im vergangenen Dezember. Auch er hatte «Durst wie ein Weltmeister», musste oft Wasser lösen und war sehr müde: «Ich bin fast im Stehen eingeschlafen.» Die Diagnose Diabetes Typ 2 (auch «Alters-Diabetes» genannt) war für ihn ein «gewaltiger Schock», weil er bei seinen Eltern schwere Spätfolgen erlebt hatte. Im Spital bekam er Besuch von Gyong Gim Giger und der Ernährungsberaterin. «Jetzt habe ich die Krankheit im Griff», sagt er. Vorher übergewichtig, hat er 14 Kilogramm an Gewicht reduziert. Er spritzt heute nur noch am Morgen das Basis-Insulin und nimmt am Abend eine Tablette ein, um die Wirkung zu verstärken. Zu Beginn der Krankheit hatte er noch viermal täglich spritzen müssen. «Ich bin sehr dankbar für die Beratung, Frau Gim Giger hat mir sehr geholfen», so Martin Böni.
Der heute 72-jährige Heinrich Gnos schliesslich behandelt bereits seit 30 Jahren seinen Diabetes Typ 2. Die anfängliche Behandlung mit Tabletten wirkte mit der Zeit nicht mehr gut. Vor neun Jahren kam er erstmals in die Diabetesberatung im Kantonsspital, damals spritzte er zwei- bis dreimal Insulin pro Tag. Heute sind es vier Spritzen täglich, was ihm mehr Handlungsraum gibt, und der Zucker ist nun gut eingestellt. Er hat letztes Jahr gezielt sein Gewicht reduziert – unter anderem bei der Aktion «Bravissimo» der schweizerischen Diabetesgesellschaft, wo er gar den ersten Preis gewann. «Jetzt geht es mir gut, aber man darf nicht nachlassen», sagt er. Laut Gyong Gim Giger ist er ein Beispiel dafür, dass «ein Mensch mit jahrelangem Diabetes sich im Alter einer guten Gesundheit erfreuen kann und dass eine dauerhafte Anstrengung für eine gute Einstellung sich lohnt».
Aktionstag am 27. August
Die Diabetesberatung führt regelmässige Aktionstage zur Kontrolle und Reinigung von Blutzucker-Messgeräten durch. Der nächste findet am Donnerstag, 27. August, von 14 bis 18 Uhr in der Cafeteria des Kantonsspitals Glarus statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.




