Die Absicht ist dieselbe, das Rezept aber nicht

Letzte Woche informierten renommierte Referenten im Restaurant Schützenhaus in Glarus über Pro und Kontra der Abstimmungsvorlagen vom 3. März. Zur Veranstaltung geladen haben die Glarner Handelskammer zusammen mit der BDP und CVP.



Peter Landolt
Peter Landolt

«Ein wirksames Mittel gegen Abzockerei wollen wir alle, die Frage ist nur, welches das Beste ist», meinte Nationalrat Martin Landolt zu Beginn seines Votums an der Informationsveranstaltung am letzten Mittwoch im «Schützenhaus» Glarus. Er war sich dabei sicher, dass der Gegenvorschlag zur Minder-Initiative das bessere Rezept sei. Peter Rothlin, SVP-Landrat, widersprach ihm aber und ist sich seinerseits sicher, dass nur die Minder-Initiative die Garantie gegen Abzockerei verspricht. Die Stossrichtung ist bei beiden Vorschlägen die gleiche, in einigen nicht unwichtigen Punkten unterscheiden sie sich aber. So hielt Landolt die Plicht der Pensionskassen, jeweils an allen Generalversammlungen der Aktiengesellschaften beteiligt zu sein, für eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Rothlin konterte, dass gerade damit ein griffiges Instrumentarium geschaffen wird. Auch darüber, ob es besser ist, dass die Versammlung künftig über den Gesamtbetrag der Entlöhnungen oder eher über ein Reglement darüber befinden soll, waren sich die wortstarken Kontrahenten nicht einig.

Gegen den Landverschleiss

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch beim Raumplanungsgesetz, über welches das Stimmvolk ebenfalls am 3. März abstimmen wird. Regierungsrat Röbi Marti war der Meinung, dass mit dem Vorschlag eine gute Lösung gegen den Landverschleiss in der Schweiz vorliegeArtikel. Gerade dies bezweifelte Werner Messmer, alt Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes: «Keine der Änderungen bewirkt, dass weniger Land verbaut wird.» Hier bräuchte es, aus Sicht von Messmer, brauchbare Richtlinien, vor allem auf der kommunalen Ebene. Ausserdem glaube er, dass man nicht aus Angst vor der Landschaftsinitiative dieser nutzlosen Revision zustimmen sollte. «Noch einmal schlafen wie bei der Zweitwohnungsinitiative werden wir sicher nicht», gab sich Messmer selbstkritisch.

Beruf und Familie

Abseits der zwei grossen Streitpunkte der kommenden eidgenössischen Abstimmung – Minder-Initiative und Raumplanungsgesetz – befindet das Stimmvolk auch über den Familienartikel. In diesem Punkt scheint es aber kaum Diskussionen in der breiten Öffentlichkeit zu geben. Regierungsrat Rolf Widmer informierte trotzdem über die wichtigsten Aspekte. «Das Bild der Familie hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert.» Im Speziellen meinte Widmer damit, dass in immer mehr Familien beide Elternteile berufstätig sein müssen. Bereits jetzt seien rund 77 Prozent der Frauen zwischen 20 und 64 Jahren erwerbstätig. «Deshalb muss grundsätzlich Beruf und Familie mehr vereinbart werden.» Damit dies gelingt, müsse der Staat aber institutionelle Hilfe in Form von zahlbaren Kinderkrippen und Ähnlichem bereitstellen. Dies würde mit dem Familienartikel verankert werden und der Bund könnte so auf bestimmte Kantone einwirken. «Im Kanton Glarus haben wir hier schon heute sehr gute Rahmenbedingungen», schloss Widmer sein kurzes, sehr interessantes Referat ab.

Beim anschliessenden Apéro, offeriert von der Glarner Handelskammer, hatten die zahlreichen Besucherinnen und Besucher noch Gelegenheit zum Meinungsaustausch und um brennende Fragen direkt an die Referenten zu richten.

*Jürg Huber ist Pressebeauftragter der Glarner Handelskammer.