Die Bank-Räuber in der Aula Glarus

Um eine Komödie so zu kreieren, dass alles volksnah rauskommt, dass nach witzigen Wortspielereien und verständlich Banalem Lacher en masse garantiert sind, braucht es kreative Verfasser, die genau wissen, wie ein wirbliges Geschehen zu gliedern ist. Es braucht irgendwie die «Leichtigkeit des Seins» und die Nähe zu mehr oder weniger Oberflächlichem, das garantiert ankommt. Und damit hat das Ensemble um Beat Schlatter samt Mitgestaltern im Hintergrund den Erfolg auf sicher, die Lacher und jene auf seiner Seite, die dem zuweilen belastenden Alltag samt tiefgründigen, fordernden Problemen für einen kurzen Moment den Rücken zukehren wollen.



Und es kamen erfreulich viele Leute in die Aula der Kantonsschule, um sich mit den Bank-Räubern zu befassen, mit Geschehnissen, die den Federn von Stephan Pörtner und Beat Schlatter entstammen und unter der Regie von Pascal Ulli bühnentauglich umgesetzt wurden. Fakten, Halbwahrheiten, Intrigen, Zuneigungen auf Zeit, Drohen, ultimatives Fordern, handwerkliches Geschick beim Aufbohren des vermeintlichen Tresorraums, schon fast Geheimnisvolles, Sprengen eines Safes, Überheblichkeiten, Welt des Rod Stewart, Denkmuster einer Kinderdorf-Verantwortlichen, ansteckendes Niesen, Musik, Lichtprojektionen, Sorgen wegen eines Einbürgerungsprozesses, leicht Anzügliches, das Lösen irrwitziger Probleme, Irrwege vorbestellter Tickets, Hilfslosigkeit und Überforderung des Bankdirektors, ein Techtelmechtel zwischen der kecken Sekretärin und ihrem Liebhaber auf Zeit, Staub, Knall, defekte Heizungsanlage, Bankgeschichtliches – alles wird zusammengemischt und als gut funktionierende, temporeiche Handlung ausgedrückt.

Das Ensemble mit Beat Schlatter als Caspar Lamm, CEO der gleichnamigen Bank; Andreas Matti als Erfinder Paul Eberhard; Anja Martina Schärer als Diana Berisha, Personal Assistant; Bettina Dieterle in der Rolle von Kathrin Suter, Präsidentin des Kinderdorfs Pestalozzi und Alain Küng, Head of Private Banking UBS agiert temporeich, munter, witzig, in allen Gefühlswelten, die fürs gute Gelingen so notwendig sind. Sie meistern den jeweiligen Part mit grosser Reife, stilistischer Sicherheit, sind aufeinander echt gut abgestimmt, schwanken zwischen Weinerlichem, Lustvollem, wechseln zu Wichtigtuerei, bluffen, wenn es notwendig ist, geben sich zufrieden, äussern ihr Überfordertsein, wirbeln, hinterfragen oberflächlich kritisch, wissen um Abläufe in der jeweiligen Bank, agieren in sehr krimineller Absicht, wenn es ums Behändigen eines Geldkoffers in der benachbarten Bank geht, kapitulieren vor den Tücken des gesprengten, hauseigenen Tresors. Und es dreht sich vieles um den Auftritt von Rod Stewart, dessen horrende Gage, die bar auszuzahlen ist und um eine defekte, dringend zu ersetzende Heizung im Kinderdorf und die dafür per sofort erforderlichen finanziellen Mittel. Dann ist die Rede vom Einbürgerungsverfahren der Kosovarin Diana Berisha, von der Verpflichtung eines elend namhaften Orchesters für Rod Stewarts Auftritt, von Kathrin Suters starker Erkältung oder von Paul Eberhards unschlagbarer Erfindung eines Energiefinkens. Es wird der Bankraub bei der UBS planerisch durchgespielt, wobei sich Caspar Lamm nicht zu schade ist, da mal an vorderster Front mitzutun. Es werden die Telefonanrufe von Caspar Lamms Vater fürs Jubiläumsfoto seiner Privatbank und die Ticketbestellung des Roger Federer und Musikstücke eingeblendet.

Das Wirrwarr an kurzen Handlungen ist perfekt getimt, da wird rumgewirbelt und pausenlos gehandelt, dass es eine Freude ist, dass viel Vergnügliches aufkommt, dass man in so viele Milieus einbezogen, dann wieder entlassen ist. Auch wenn zuweilen drohende Wolken über dem Geschehen hangen – immer ergibt sich ein Ausweg. Das entwickelt sich zumeist sehr temporeich. Und irgendwann endet diese schicksalsreiche Fülle in einem echt tollen Moment. Der drohende Kollaps der Privatbank ist abgewendet. Der UBS-Zuständige muss die Übernahmepläne mal aufs Eis legen. Rod Stewart sagt sein Konzert ab, da ihn ausgerechnet Kathrin Suter angesteckt hat und er riesig husten muss. Er gibt – welch ein Segen – die ausbezahlte Gage zurück.

So wendet sich denn alles – komödiengerecht – zum Guten, aus einem Bühnenbild heraus, das der Ausstattung eines gediegenen Büroraums für den Herrn Bankdirektor nicht ganz gerecht wird. Gedacht ist da an jene isoliert aufgebaute Türe, nach deren Betätigen man die betreffende Person in den Kulissen verschwinden sieht.

Aber derartiges ist so riesig nebensächlich, hat mit dem Ablauf der mit reichhaltigsten Gefühlswelten gespickten Handlung nur geringfügig zu tun.

Man konnte geniessen, lachen, herrlichste Situationskomik miterleben. Was will man mehr!