Die Diskussions- und Verhandlungskultur weiterführen

Seit elf Jahren gehört Hanspeter Toggenburger als Mitglied der SP Linthal dem Glarner Landrat an und er wurde 2004 in das Landratsbüro gewählt. Mit seiner Wahl stellt Linthal erst den dritten Landratspräsident.



Der Blick in Richtung Linthal und Chilchestock. Der neue Landratspräsident Hanspeter Toggenburger (rechts) mit seiner Familie glücklichen Famile. (von links) Ehefrau Christa
Der Blick in Richtung Linthal und Chilchestock. Der neue Landratspräsident Hanspeter Toggenburger (rechts) mit seiner Familie glücklichen Famile. (von links) Ehefrau Christa

Zusammen mit seiner Gemahlin Christa , der 16-jährigen Tochter Melanie und dem 14-jährigen Sohn Simon bewohnt er in Linthal ein modernes Einfamilienhaus an ruhiger Lage. Von hier aus hat er Sicht nach Linthal, dem Klausen und selbstverständlich dem Tödi. Hier kann er sich nach einem arbeitsreichen Tag oder nach Landrats- oder Kommissionsitzungen erholen. Für ihn hat die Familie einen sehr hohen Stellenwert und wenn immer es die Zeit erlaubt, geniesst er die wenigen Stunden im Kreise seiner Liebsten.

Vom Briefträger zum Vorsorgeberater

In seinen 45 Jahren hat er schon sehr viel erlebt, darunter auch Höhen und Tiefen die er stets in seiner ruhigen Art bewältigen konnte. Peter Toggenburger ist 1964 in Rüti geboren und bei seinen Grosseltern aufgewachsen. Es waren zu jener Zeit besondere Umstände die dazu führten, dass er seine Jugend im Haus Marglen – heute bewohnt Eugen Streiff dieses Haus – bei seinen Grosseltern verbrachte. Er besuchte während sechs Jahren die Primarschule in Rüti und anschliessend drei Jahre die Sekundarschule in Linthal. Zu Hause wurde nie politisiert, dazu fehlte seinem Grossvater die Zeit, aber vor allem das Interesse. Schon sehr früh war im bewusst, dass er nach der Schule das Haus der Grosseltern verlassen werde. Er wollte unbedingt selbständig sein. Um dieses Ziel zu erreichen, musste er auf seinen Traumberuf Koch schweren Herzens verzichten. Mit dem Beruf Koch verband der damals 16-jährige Reisen in verschiedene Länder und das Erleben unterschiedlichster Kulturen. Der Wunsch blieb ihm verwehrt, da er um selbständig zu sein, auch die notwendigen finanziellen Mittel benötigte. So erlernte er in Braunwald den Beruf des Briefträgers. Bereits während seiner Ausbildungszeit streckte er die Fühler aus, um nach dem Absolvieren der Lehre eine Arbeitsstelle ausserhalb des Kantons zu finden. Während den folgenden Jahren arbeitete er in St. Gallen, in Niederurnen und sieben Jahre in Pfäffikon. Hier lernte er seine spätere Frau Christa kennen, die ebenfalls auf der Post arbeitete. Im Jahre 1990, kurz nach der Heirat, wurde er zusammen mit seiner Gattin als Posthalterehepaar nach Linthal gewählt. Nach verschiedenen Umstrukturierungen der Post entschied er sich, eine neue Herausforderung anzunehmen. Aus einer gewissen Sicherheit wagte er den Schritt um als Vorsorgeberater bei der SwissLife in Glarus noch einmal neu anzufangen. Heute ist er in einem Projekt eingebunden, um Generalagenten die Vorsorgeberatung noch eingehender zu vermitteln. Seine Hauptaufgabe besteht aber in erster Linie die Kunden, darunter auch grössere Unternehmungen, über die Vorsorge im Alter zu orientieren und beraten.

Politik auf Umwegen

Im Herbst 1991 wurde er, damals noch parteilos, von der FDP angefragt ob er für den Schulrat kandidieren würde. Am morgen angefragt und am Abend gewählt. Nach drei Jahren als Schulrat übernahm er bis 1997 das Schulpräsidium. Parallel zu seinem Beruf als Posthalter engagierte er sich immer mehr in verschiedenen Verbänden der Post. Dabei kam er immer mehr in Berührung mit Gewerkschaftsarbeiten. Er war während längerer Zeit Präsident des Posthalterverbandes Glarus bis Rapperswil und während zehn Jahren Kursleiter für die Poststellenleiter. Dazwischen, im Jahre 1996 trat er der SP Linthal als Mitglied bei. Ein erster und für sein politisches Leben ein wichtiger, ja sogar entscheidender Schritt. Im Jahr 1998 wurde er als Kandidat der SP zur Wahl in den Landrat vorgeschlagen und erreichte auf Anhieb diesen Sitz. Seit dieser Zeit gehört er der SP-Fraktion an und hat bis heute in verschiedenen Kommissionen mitgearbeitet. Zum Beispiel in der Finanzkommission und in der Kommission zur Erarbeitung des neuen Bildungsgesetzes. 2004 wurde er in das Landratsbüro gewählt. Wie es in diesem Büro so üblich ist, man rutscht Jahr für Jahr einen Sitz weiter bis zur Wahl zum Landratspräsidenten. Für Hanspeter Toggenburger ist dies der Höhepunkt seines persönlichen, politischen Engagements. Der erste Landratspräsident aus Linthal war 1953/54 Johannes Zweifel und der zweite war 1971/72 Heinrich Sigrist.

Der Konsenspolitiker

„Ich bin eher ein Bauch- als ein Kopfmensch und stets auf der Suche nach einem befriedigenden Konsens,“ charakterisierte er sich selbst. Während seiner kommenden Amtszeit liegt im sehr daran, dass jedes Kind Zugang zu einer Schule findet und damit die Chance für einen sozialen Aufstieg erhält. Die Diskussions- und Gesprächskultur muss weiter gefördert werden. Er werde in seiner Amtszeit den Landrat zielorientiert und stets der Sache dienend führen, wobei für ihn der Mensch stets im Vordergrund steht. Seine Devise lautet: „Man muss die Menschen mögen“. Ein zentrales Anliegen ist ihm auch eine optimale Umsetzung der laufenden Gemeindestrukturreform. Das Amt als Landratspräsident nimmt zusätzlich noch viel Zeit in Anspruch. In Absprache mit seiner Familie und dem Entgegenkommen des heutigen Arbeitgebers kann er diese Mehrbelastung aber gut bewältigen. Seine ruhige Art zu diskutieren und zu argumentieren wird über alle Parteien hinaus geschätzt. Obwohl ruhig und besonnen, ist er doch stets bestrebt das vorgenommene Ziel auch zu erreichen. Er wird auch als letzter Landratspräsident in die Geschichte eingehen, der ein Parlament mit 80 Mitgliedern leitete.