Die französischen Chansons – für einmal in Schwanden

Französische Lebenslust und Beseeltheit, romantisch verbrämte Dramatik, Liebliches, Salonverbundenes, die Traurigkeit der schmählich sitzengelassenen Liebhaberin – alles gekonnt vermischt und kommentiert im beinahe zu grossen Gemeindezentrum Schwanden. Dank Einladung der Verantwortlichen des Kulturvereins Glarus Süd kam es zu einem recht gut besuchten Treffen in einem Saal, der stilmässig nicht so recht zum angebotenen Kulturgut zu passen schien.



Ruth Tüscher begrüsste und wies auf eine kleine Aufmerksamkeit hin, die man nach der Matinee mitnehmen und zu Hause geniessen dürfe.
Alles sei aus bekannten Gründen anders als gewohnt. Sie freute sich, dass die Sängerin Daria Nold nach mehreren Jahren aus Paris und – damit verbunden – vielen Gastauftritten wieder in die «heimischen Gefilde» zurückgekehrt sei und mit dem Gitarristen Martin Nesnidal alle mit teilweise sehr bekannten Liedern über eine gute Stunde hinweg zu verwöhnen gedenke. Auf dem Programm waren beispielsweise Edith Piaf, Barbara Brodi und Charles Aznavor aufgeführt. Damit waren Vorfreude und Erwartung gleichermassen geweckt.

Daria Nold entführte nach Paris, erzählte kurz über das wirblige Stadtleben, ihre Erfahrungen, und so «en passant» über Flirts, grandiose Festivitäten, Liebschaften, Ausgangsmeilen, absolut motorradverrückte Männer, äusserte sich zum Alleinsein und Entdeckungsrunden – den wechselvollen Inhalten eines Farbfilms nicht unähnlich.

Mit «La vie en rose» stimmte sie ein, kraftvoll und beseelt. Sie sang von Träumereien, Erfahrungen und Erwartungen, tat das enorm bewegend, kunstvoll, verteilte Schmeicheleinheiten en masse. Sie versteht das einfühlende, wechselvolle Ausgestalten bestens, streut – wenn erforderlich – so reizende, kleine Kunstpausen ein, verharrt auf irgendwelchen Tönen, schürt Spannungen in gekonnter Art. Der Ausdruckreichtum ist untadelig gross. Martin Nesnidal hatte einen riesigen, zuweilen spürbar fordernden Part zu bewältigen. Seine Soli stiessen auf grosse Beachtung und Anerkennung. Er gestaltete kunstreich und einfühlend mit, musste sich auch mit leichten Durchhängern wie in «Je ne regrette rien» arrangieren. Und die mit viel Charme und musikalischem Reichtum erfüllte Matinee war ungemein schnell vorbei. Schon landete man mit dem «Schacher Seppli» in ganz klar einheimischen Gefilden, Daria Nold hatte ihr Outfit rasant geändert. Vorbei war es mit dem «Kleinen Schwarzen» samt riesigem Hut, als Seppli wusste sie, wie man sich zu kleiden hatte.