Die Frau ist keine "Handelsware"

Jährlich werden in der Schweiz zwischen 1500 und 3000 Frauen im Alter von 16 bis 25 Jahren insbesondere aus Osteuropa aber auch aus Asien und Afrika verschoben. Das Geschäft mit dem Sex blüht und boomt. Auch vor dem Glarnerland macht diese Entwicklung keinen Halt.



Dem Tabuthema Frauenhandel und Zwangsprostitution widmet sich die Wanderausstellung „Ohne Glanz und Glamour“ im Kunsthaus Glarus. Die Ausstellung, welche noch bis zum 10. Juni dauert, wurde am vergangenen Freitag mit einem Podium eröffnet. Die beiden Landeskirchen, Dialog Nord-Süd, die Gleichstellungskommission und die Frauenzentrale luden zu diesem heiklen Thema ein. Eingeladen waren als Vertreterin des Fraueninformationszentrum FIZ in Zürich Susanne Seytter und als Vertreter der Politik Ständerat This Jenny.

Viele Straftäter – wenige Verhaftungen

Viele der Frauen, welche unter misslichen Bedingungen zur Prostitution gezwungen werden, wurden mit falschen Versprechungen aus ärmsten Verhältnissen ins Land gelockt. Darum gelte es, so Susanne Seytter zwischen legalen Prostituierten und eben der Zwangsprostitution zu unterscheiden. Die Zwangsprostitution finde vor allem in Kontaktbars, in Privatappartements oder aber an versteckten Orten statt. Entgegen der allgemeinen Annahme handle es sich bei diesem Menschenhandel weniger um Netze der Mafia, sondern eher um Einzeltäter. „Für die Polizei ist es deshalb sehr schwer die Straftäter zu entdecken und zu verurteilen. Das Risiko ist gering, da die Frauen in der Regel sehr selten gegen diese „Zuhälter“ aussagen, denn die Angst vor Repressalien an ihren Familienangehörigen im Heimatland ist vielmals zu gross. Zudem sind die aufgegriffenen Frauen enorm verängstlicht und stark traumatisiert.“ Weiter bestätigte Seytter, dass in den vergangenen gut 20 Jahren lediglich gegen 50 Verhaftungen erfolgt seien.

Die Wahl zwischen totaler Armut oder Ausbeutung

Nach Meinung von Ständerat This Jenny wären die Möglichkeiten und auch die entsprechenden Gesetze vorhanden, um dieses Übel und diese Missstände zu bekämpfen, aber man schaue halt vielmals lieber weg und unternehme nichts oder zu wenig. Er betrachte sich als nicht kompetent in dieser Frage, sei aber der Meinung, dass es doch möglich sein müsste, restriktiver zu kontrollieren. Vielmals hätten die vielen betroffenen ausgebeuteten Frauen nur die Wahl zwischen Post und Cholera, sprich zwischen extremer Armut in ihrer Heimat und brutalster Ausbeutung in den westlichen Ländern. Entscheidend in diesem „Geschäft“ sei doch, dass eine grosse Nachfrage vorhanden sei, sonst könnte dieser unwürdige Menschenhandel und die damit verbundene Zwangsprostitution nicht derart florieren und boomen. Parlamentarische Vorstösse zur Bekämpfung von Menschenhandel würde er, wie viele andere Politiker in Bern, ohne weiteres unterstützen. Im Glaernerland sei aber diese Szene durchaus überschaubar und die wenigen „Etablissement“ seien der Polizei bekannt, wie unlängst eine Razzia in Leuggelbach gezeigt hätte.

Besserer Opferschutz ist nötig

Nach Aussage von Seytter wurde in letzter Zeit einiges unternommen, habe doch die Schweiz zum Beispiel 2002 das Uno-Zusatzprotokoll gegen Menschenhandel unterschrieben. Problematisch sei aber, dass es nach wie vor zahlreiche unterschiedliche Handhabungen in den Kantonen gebe. Unbestritten sei, dass ein besserer Opferschutz und ein längeres Aufenthaltsrecht für aussagewillige Frauen nötig sei. Noch existiere in der Schweiz kein eigentliches Opferschutzprogramm, wie dies in vielen andern europäischen Ländern bereits der Fall sei. Aus Sicht der Politik, so This Jenny, liege das Hauptproblem darin, dass diese Frauen sich illegal in der Schweiz aufhalten und mit Sanktionen in der Heimat zu rechnen hätten. Dieser Umstand erschwere die Lage der Frauen, aber auch den Hilfsorganisationen enorm. Einig waren sich die beiden Podiumsteilnehmer, dass die Freier viel zur Verbesserung dieser Notsituation der Frauen beitragen könnten, indem sie auf solche Zwangssituationen hinweisen würden.

Wanderausstellung „Ohne Glanz und Glamour“

Die an der Ausstellung gezeigten Bilder und die klaren und gut verständlichen Texte gehen unter die Haut. Es wird gezeigt, was unter Menschenhandel zu verstehen ist, es werden Orte der Prostitution und der legalen Arbeiten von Sexarbeiterinnen gezeigt. Die Ausstellung ist auch aufklärend, warum zum Beispiel junge Mädchen oder Frauen aus den östlichen Ländern bei uns zur Prostitution gezwungen werden. Auch wird gezeigt, dass es unbedingt eine effektive Strafverfolgung der Täterschaft braucht.

Die Ausstellung dauert bis zum 10. Juni und ist Dienstag bis Freitag von 14.00 bis 18.00 Uhr und Samstag und Sonntag von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Ein Besuch dieser eindrücklichen Ausstellung lohnt sich auf jeden Fall.