Die Frühpensionierung – ein schöner Luxus

Wie sehen meine finanziellen Verhältnisse nach der Pensionierung aus? Kann ich meinen heutigen Lebensstandard halten? Oder kann ich mir gar eine frühzeitige Pensionierung er-lauben? Diese Frage beschäftigt fast alle im Hinblick auf ihren Ruhestand. Eine kompetente Finanzplanung gibt Antworten.



Andreas Luchsinger (links) und Patrik Hauser (rechts). (Bild: zvg)
Andreas Luchsinger (links) und Patrik Hauser (rechts). (Bild: zvg)

Drei von vier Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern denken ernsthaft daran, sich vor dem regu-lären Rentenalter aus dem Berufsleben zurück zu ziehen. Doch wer an eine freiwillige Frühpen-sionierung denkt, sollte bereits mit 50ig an die Vorbereitung gehen. Denn selbst für Gutverdie-nende ist die Einkommenseinbusse oft hoch, und die Lebenshaltungskosten sinken meist weni-ger stark als erhofft. Ein detailliertes Budget ist dabei erste Voraussetzung. Ein gutes Hilfsmittel dazu ist der Budget- und Rentenplaner auf der Web-Site von Raiffeisen (www.raiffeisen.ch > Berechnungstools > Pensionsrechner).
In vielen Fällen zeigt sich, dass AHV, Pensionskasse und Ersparnisse knapp ausreichen, um nach der ordentlichen Pensionierung den gewohnten Lebensstandard halten zu können. Für den Schritt in die Frühpensionierung braucht es allerdings zusätzliche Sparanstrengungen. Je länger die verbleibende Ansparzeit ist, umso leichter wird es. Die Erfahrung zeigt, dass pro vor-gezogenem Pensionierungsjahr Ersparnisse in der Grössenordnung der Lebenshaltungskosten eines Jahres vorhanden sein sollten.

Frühpension führt zu Rentenkürzung und weniger Alterskapital

Das Gesetz lässt zwar eine um zwei Jahre vorgezogene AHV-Rente zu. Doch wer seine AHV be-reits mit 63 oder 64 Jahren beziehen will, muss eine Rentenkürzung von 6,8 Prozent pro Jahr hinnehmen. Ähnlich sind die Auswirkungen einer Frühpensionierung bei der Pensionskasse: Weil die Beiträge an die 2. Säule früher als vorgesehen wegfallen, verringert sich das angespar-te Kapital gegenüber den im PK-Ausweis gemachten Hochrechnungen deutlich. Wegen der wegfallenden Zinsen und Zinseszinsen sogar stark überproportional. Als grober Näherungswert lässt sich sagen, dass die PK-Rente pro vorgezogenem Pensionierungsjahr um knapp 7 Prozent sinkt. Um die Renteneinbusse bei Frühpensionierung etwas abzufedern, ist es seit kurzem mög-lich, Einkäufe in die Pensionskasse bis zu 105 Prozent des höchstzulässigen Betrags vorzunehmen.

Private Vorsorge

Nebst der AHV und Pensionskassenrente braucht es darum in aller Regel einen selbst ersparten Kapitalstock. Basis dazu ist die gebundene Vorsorge 3a, die über die Jahre angespart wurde und erst noch die Einkommenssteuern gemindert hat. Da die Auszahlung in Abhängigkeit von der Höhe des Kapitals progressiv belastet wird, lohnt es sich, beizeiten mehrere 3a-Konten einzurichten. Auch freiwillige Nachzahlungen in die Pensionskasse können eine sinnvolle Option sein. Steuerlich werden sie weitgehend gleich behandelt wie Einlagen in die Säule 3a.

Flexible Pensionierung

Und sollte einem die vertraute Arbeitsumgebung doch fehlen, kann der schrittweise Rückzug aus dem Arbeitsleben eine attraktive Alternative sein. Praktischer Nebeneffekt: die Einkommenslücke reduziert sich. Wer sich mit diesem Teilzeitpensum wohl fühlt, kann über den ordentlichen Pensionierungszeitpunkt erwerbstätig bleiben. In diesem Fall können Beiträge an die Säule 3a bis Alter 69 (Frauen) bzw. 70 (Männer) weiterhin vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden, sofern ein AHV-pflichtiges Einkommen vorhanden ist.

Möchten auch Sie eine Standortbestimmung über ihre finanzielle Situation bei einer ordentli-chen oder frühzeitigen Pensionierung vornehmen? Andreas Luchsinger, Leiter Finanzberatung, und Patrik Hauser, Finanzberater, stehen Ihnen für allfällige Fragen oder eine Ter-minvereinbarung gerne zur Verfügung.