Die Gemeinde Glarus wird eine Energiestadt

Die Gemeindeversammlung hat im November 2018 die Legislaturplanung 2019–2022 mit drei Schwerpunkten verabschiedet. Einer dieser Schwerpunkte ist die Verpflichtung, dass Glarus mit gemeindeeignen Ressourcen und Liegenschaften nachhaltig umgeht. Eine Massnahme dazu ist die Einführung des Labels Energiestadt. Der Gemeinderat hat nun den ersten Schritt auf diesem Weg getätigt und die Mitgliedschaft beim Trägerverein Energiestadt beantragt. Die Grundlage dafür bildet der erarbeitete Energieplan, der die energetische Ausgangslage der Gemeinde aufzeigt.



Die Gemeinde Glarus setzt sich aktiv mit dem Thema Energie auseinander. Seit Anfang 2019 liegt ein kommunaler Energieplan vor, dessen Inhalte Aufschluss geben über den weiteren Umgang mit der Energie in der Gemeinde Glarus. Die Ergebnisse werden in die nächste Revision der Ortsplanung einfliessen, als eine Massnahme wird nun der Zertifizierungsprozess zur Erreichung des Labels Energiestadt eingeleitet. 

Energiepolitische Rahmenbedingungen 

Bund und Kanton sind gemäss ihren Verfassungen zur nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. Langfristig strebt der Bund bis zum Jahr 2100 die 2000-Watt- und die 1 Tonne CO2-Gesellschaft an. Das heisst, es ist eine kontinuierliche Absenkung des Energiebedarfs bis auf 2000 Watt pro Person vorgesehen und fossile Energien sollen möglichst nicht mehr verwendet werden. Die Energiestrategie 2050 des Bundes sieht neben dem Ausstieg aus der Kernenergie den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz vor. 

In der von der Gemeindeversammlung verabschiedeten Legislaturplanung 2019–2022 ist einer von drei Schwerpunkten die Verpflichtung von Glarus, mit gemeindeeigenen Ressourcen und Liegenschaften nachhaltig umzugehen. Dabei stehen die folgenden Ziele im Vordergrund: 

Ziel 1 CO2-Ausstoss aus Liegenschaften der Gemeinde ist schrittweise gemäss Energiestrategie des Bundes reduziert

M1 Potenzial für erneuerbare Energien abschätzen und Umsetzungsplanung erstellen 
M2 Einsatz von erneuerbaren Energien bei Neu- um Umbauten prüfen und nach Möglichkeit umsetzen 

M3 Energie-Stadt-Label einführen 

Ziel 2 Der einheimische Rohstoff Holz ist als Baustoff und Energieträger stärker genutzt 
           M1 Weitere Wärmeverbunde fördern 

Ziel 5 Die Einwohnerinnen und Einwohner profitieren weiter von einer sicheren Energieversorgung und wettbewerbsfähigen Preisen 
           M1 Eignerstrategie und Konzessionsvertrag mit der tb.glarus überprüfen 

Weitere Informationen zur Legislaturplanung sind zu finden auf der Website der Gemeinde Glarus unter Link. 

Kommunaler Energieplan liegt vor 

Seit Anfang Januar 2019 liegt ein Energieplan für die Gemeinde Glarus vor. Dieser Energieplan hat den Ist-Zustand in der Gemeinde hinsichtlich Gesamtenergieverbrauch analysiert. Abgestimmt auf die kommunale Entwicklung wurden Potenziale eruiert, um einerseits nachhaltige Energien zu nutzen und andererseits die Energieeffizienz zu steigern. Ziel dieses Energieplans ist es, raumplanerische Grundlagen zu schaffen, um die Wärmeversorgung zu sichern, Abwärme und Umweltwärme sowie erneuerbare Energieträger vermehrt zu nutzen und Versorgungsgebiete sowie Standorte für Energieerzeugungsanlagen raumplanerisch zu sichern. Die Ergebnisse des Energieplans fliessen in die nächste Nachführung der Ortsplanung ein, worüber dann die Gemeindeversammlung entscheiden wird. 

Endenergiebedarf der Gemeinde gemäss Energieplan in Kürze 

Der Energiebedarf pro Person in der Gemeinde Glarus ist im Schweizer Durchschnitt leicht überdurchschnittlich. Etwa die Hälfte der Energie wird für Wärme, ein Drittel für Mobilität und ein weiterer hoher Anteil für Strom verbraucht. Der überdurchschnittliche Energiebedarf ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen überdurchschnittlichen Anteil an Industrie und vielen alten Gebäuden mit unterdurchschnittlichen Energiekennzahlen zurückzuführen. 50 Prozent der Wärmeproduktion wird mit Heizöl erzeugt. Das Potenzial für Wärmeeffizienz bei den Gebäuden ist beträchtlich, das gilt auch für viele gemeindeeigene Liegenschaften. 

Möglichkeiten zur Senkung des Energiebedarfs und vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energien 

Der Energieplan zeigt verschiedene Ansatzpunkte auf, wie Abwärme und Umweltwärme genutzt werden können. Dazu gehören die Industrieabwärme, Abwärme aus Abwasser, Wärme- / Kältenutzung aus der Linth oder eine Grundwasserwärmenutzung. Auch eine optimalere Nutzung des Glarner Holzes als Energiequelle sowie unausgeschöpfte Möglichkeiten bei den Grünabfällen und der übrigen Biomasse als Energiequellen werden aufgezeigt. Eine Alternative könnte es auch sein, eine Verdichtung von Gasanschlüssen im bereits vorhandenen Gasnetz mit einem möglichst hohen Anteil Biogas zu erreichen. Auch Wärmeverbünde, welche durch Energie aus Holz oder Wärmepumpen gespeist werden, bieten ein gewisses Potenzial oder Solarenergie wäre nutzbar. Gering ist das Potenzial gemäss Energieplan in der Gemeinde für die Nutzung von Erdsonden oder der Windkraft. 

Ziele der Energieplanung 

Der Energieplan der Gemeinde Glarus zeigt den Energiebedarf und die -potenziale der Gemeinde auf. Ziel des Energieplans ist es, den Verbrauch von fossiler Energie zu reduzieren und die Investitionen in die Versorgungsinfrastruktur zu optimieren. Dabei befasst er sich vorwiegend mit der Wärmeversorgung, Strom und Mobilität werden am Rande aber auch thematisiert. Die Energieplanung bewegt sich im Spannungsfeld einer sicheren Versorgung, von ökonomischen Überlegungen wie auch der Verträglichkeit mit der Umwelt. Zudem müssen die Siedlungsentwicklung und das Angebot nutzbarer Energiepotenziale aufeinander abgestimmt werden. Gemäss den Erkenntnissen des Energieplans kann dank einer effizienteren Verwendung der Energie bis im Jahr 2050 die gesamte Energienachfrage durch lokale Erzeugung gedeckt werden. Der heutige Energiebedarf zur Wärmeerzeugung kann um mehr als die Hälfte des heutigen Verbrauchs mittels Gebäudesanierungen und Optimierungen reduziert werden. 

Gebiete im Energieplan 

Im Energieplan werden Gebiete aufgezeigt, die zur Nutzung bestehender ortsgebundener Abwärme- und Umweltwärmequellen sowie leitungsgebundener Energieträger (Gas) eignen. Ebenso zeigt der Plan Gebiete, in welchen eine dezentrale Versorgung mit eigenen, dezentralen Anlagen effizienter sind. Diese Erkenntnisse soll in die nächste Revision der Ortsplanung einfliessen. In der Richt- und Nutzungsplanung sollen zum Beispiel die Abwärmequellen und Gebiete ausgeschieden werden, welche sich eignen, an die Gasversorgung angeschlossen zu werden, oder in denen Grundwasser und Geothermie für die Wärmenutzung aus Grundwasser oder für die Wärmenutzung mit Erdsonde genutzt werden können. Ebenfalls werden die bestehenden und geplanten Wärmeverbünde sowie deren Anschlussgebiete ausgewiesen. Ziel ist es, die Energieversorgung der Gemeinde zu koordinieren und auf die strukturelle Entwicklung der Gemeinde abzustimmen. Die Gemeindeautonomie erhöht sich durch die optimale Nutzung von lokal erneuerbaren Energien und die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. 

Das Label Energiestadt 

Unterstützend in der Erreichung der energiepolitischen Ziele wirkt der Zertifizierungsprozess zur Erreichung des Labels Energiestadt. Dieser Prozess bietet der Gemeinde eine fachliche Beratung und Unterstützung auf dem Weg zur Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050 des Bundes. Zudem wirkt es auf die Bevölkerung sensibilisierend, denn nur durch eine breite Akzeptanz und Unterstützung in der Bevölkerung können die angestrebten Ziele zur CO2-Reduktion sowie Energieeffizienz letztlich erreicht werden. Konkret ist der Zertifizierungsprozess auf ein Aktivitätenprogramm ausgerichtet, welches dokumentiert, überprüft und zertifiziert wird. Dabei unterstützen ausgewiesene Energiefachleute unsere zuständigen Stellen und ein Erfahrungsaustausch mit anderen Energiestädten wird möglich. 

Zertifizierung der Gemeinde als Energiestadt in zwei Schritten 

In einem ersten Schritt wird der Prozess eingeleitet, indem wie vom Gemeinderat beschlossen die Gemeinde dem Trägerverein Energiestadt beigetreten ist. Damit wird unterstützt durch eine Energieberaterin auf der Basis des vorliegenden Energieplans eine Standortbestimmung und eine Potenzialanalyse vorgenommen und es werden in einem Aktivitätenprogramm konkrete Massnahmen festgelegt. Teil der Massnahmen werden Sanierungen gemeindeeigener Liegenschaften, die Förderung von Wärmeverbünden, die öffentliche Beleuchtung mittels LED-Lampen usw. sein. Werden mindestens 50 Prozent der Massnahmen umgesetzt, erfolgt die Zertifizierung und das Label Energiestadt wird erteilt. Alle vier Jahre erfolgt eine Rezertifizierung, die regelmässigen Qualitätsüberprüfung ermöglicht. Die festgelegten Massnahmen werden voraussichtlich hauptsächlich durch den Energiefonds finanziert, der durch die Öko-Abgabe der tb.glarus an die Gemeinde gespiesen wird. 

Weitere Informationen zur Energiestadt sind zu finden unter: www.local-energy.swiss/programme/energiestadt.html;