Die Glarner Bevölkerung sichtet Türkenbund

Im Frühjahr 2025 rief das Naturzentrum Glarnerland die Bevölkerung auf, Standorte der Türkenbund-Lilie zu melden. Bisher waren im Glarnerland ein paar Hotspots bekannt. Mit dem Aufruf konnte das Wissen über die Verbreitung nun flächig vertieft werden.



Türkenbund an einem offenen Standort im Schwändital. (Foto © Bruno Hunold)
Türkenbund an einem offenen Standort im Schwändital. (Foto © Bruno Hunold)

Insgesamt 56 Sichtungen des Türkenbunds auf Glarner Boden wurden dem Naturzentrum 2025 gemeldet. Weitere Funde wurden gemäss Auskunft der Info Flora Regionalstelle Glarus direkt an das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora (Info Flora) übermittelt. Die Fundorte sind gleichmässig über die drei Glarner Gemeinden im Berggebiet verteilt. Die meisten Orte wurden mehrmals gemeldet. Am häufigsten entdeckte man den Türkenbund auf Aeugsten, im Klöntal sowie im Oberseetal. Das sind einerseits beliebte Wanderrouten, andererseits kommt der Türkenbund dort relativ viel vor. Dem schweizerischen Durchschnitt entsprechend wuchsen die meisten Pflanzen in einer Höhenlage zwischen 800 und 1500 Metern über Meer. Eine Beobachtung gelang auf 1921 Metern auf dem Gumen in Braunwald.

Kalk ist wichtig

Die Fundorte widerspiegeln die Lebensraumansprüche des Türkenbunds. Er gedeiht am besten auf kalkhaltigem Untergrund. Auf Verrucano-dominierten Böden, wie beispielsweise im Freiberg Kärpf, trifft man die schöne Lilie selten an. Zudem darf es nicht zu trocken und nicht allzu sonnig sein. Ökologisch gehört der Türkenbund zur Gruppe der Waldpflanzen. Dank einer gewissen Flexibilität ist er aber durchaus auch auf höhergelegenen Wiesen und Weiden an Hanglagen anzutreffen.

Wissenszuwachs für die Forschung

Mit dem Aufruf konnten bekannte Vorkommen, zum Beispiel auf Aeugsten, im Oberseetal oder in Nähe des Klöntalersees, auch für 2025 bestätigt werden. Unter den Meldungen waren jedoch erfreulicherweise auch neue Standorte, so oberhalb von Filzbach, im Schwändital oder zwischen Matt und Risetenpass. Jeder bestätigte oder neue Fundort erweitert die Datengrundlage, die beispielsweise zum Planen von Förder- und Schutzmassnahmen der Art oder ihres Lebensraums, für die Erstellung von Verbreitungskarten sowie für die Einteilung in Gefährdungsgrade in der Roten Liste verwendet wird. Die Rote Liste der Landpflanzen in der Schweiz wird zurzeit überarbeitet. Bei über 3000 Pflanzenarten mit unzähligen möglichen Standorten wird deutlich, wie wichtig Beobachtungsmeldungen von Freiwilligen sind.