Die Herren über das wilde Wasser – Linth und Korrektionen Teil I

Der Verein für wirtschaftshistorische Studien publizierte vor geraumer Zeit eine sehr lesenswerte Zusammenstellung der «Herren über wildes Wasser». Damit wurde auf eine Vielzahl von Linth-Ingenieuren als «Bundesexperten im 19. Jahrhundert» hingewiesen. Das Vorwort schrieb Bernhard Ruetz. Er befasst sich in geraffter Form über die Flüsse als Lebensadern für Handel und Kultur. Zu gut ist bekannt, dass nicht selten Hochwasser und Überschwemmungen viel Leid und Zerstörung mit sich bringen und dass sich die Verantwortlichen dieser Gegenden intensiv mit möglichen Gefahren auseinandersetzen müssen.



Mit der Vorstellung der Linth-Ingenieure wird auf die einst erfolgte Korrektion des Linthlaufes, vor allem zwischen Walensee und Zürichsee, ausführlich hingewiesen. Mit einem gewissen Pathos haben sich die Fachleute zuweilen in Szene gesetzt. Bernhard Ruetz schreibt dazu: «Sie verstanden sich als Pioniere des Wasserbaus und mehr noch als Protagonisten des technisch-zivilisatorischen Fortschritts. Sie waren erfüllt vom aufklärerischen Pathos, der Wassergewalt stets neue Grenzen abzutrotzen, sie durch Vernunft zu zähmen und in den Dienst der Menschen zu stellen. Korrigierte Flüsse standen für rationelle Planung und technische Machbarkeit; für Fortschritt und Wohlstand».

So ist die Korrektion der 140 Kilometer langen Linth, die im Glarnerland entspringt und später in den Walensee mündet und von dort in den Zürichsee strömt, ist laut Verfasser ein «Musterbeispiel für die Geschichte des schweizerischen Wasserbaus». Anfänglich galt es, den Fluss für den Schiffsverkehr (Transportschiffe) zu öffnen, das umliegende Land zu entsumpfen und fruchtbar zu machen und die Wasserkraft für die industrielle Fabrikation zu nutzen. Weil die Bevölkerungsdichte im 19.und 20. Jahrhundert anstieg, musste die Gefahr von Hochwasser möglichst abgewendet werden. Die Linth und das umliegende Land wurden zudem zu einem wertvollen Kulturland und Erholungsraum. So gesehen ist die Linthkorrektion von nachhaltig hoher Bedeutung. Der damals führende Linth-Ingenieur Hans Konrad Escher brachte es 1813 auf den Punkt, als er anno 1813 schrieb, Napoleon Bonaparte baue zwar grössere Kanäle, aber er solle einmal versuchen, einen Kanal «aus freiwilligen Beyträgen und unter der Leitung eines uneigennützigen Gemeinsinns auszuführen». Die Linthkorrektion, so ein weiteres Hinweis, war «ein Experimentierfeld der werdenden schweizerischen Staatlichkeit. Nicht die fremdbestimmte zentralistische Verfassung der Helvetik verhalf dem Linthwerk zum eigentlichen Durchbruch, sondern die Zeit der Mediation, in der das Schwergewicht der Eidgenossenschaft bei den Kantonen lag». Das Werden und Gelingen dieses Werks war geprägt von einem «steten Abwägen und Ausgleichen der verschiedenen politischen Ebenen und wirtschaftlichen Interessen».

Das gewaltige Vorhaben gelang in beeindruckender Gesamtheit, war Resultat aufwändiger und zeitintensiver Auseinandersetzungen. Unwetter, Erdrutsche und Hochwasser waren zerstörerisch, vernichteten in wenigen Stunden mühsam Aufgebautes. Wasserbau war so etwas wie Staatsauftrag und -aufgabe. Es war schon damals eine teure Angelegenheit. Kanäle, Bewässerungsanlagen und andere Wasserbauwerke waren «Ausdruck für die politische Macht ihrer Erbauer». In der kleinräumigen Schweiz gab es bis zur Gründung des Bundesstaates von 1848 keine übergeordnete Instanz, die Derartiges koordiniert und geregelt hätte. Gemeint ist in diesem Zusammenhang das Begradigen von Flüssen und das Trockenlegen von Sümpfen.