Die Kunst, einmal nichts zu tun

Ist das in der heutigen Gesellschaft überhaupt legitim, nichts zu tun? Bekommen wir für das Nichts-Tun Anerkennung? Ich habe mir mal einige Gedanken darüber gemacht.



Die Kunst einmal nichts zu tun (Bild: martin c.mächler)
Die Kunst einmal nichts zu tun (Bild: martin c.mächler)

Täglich lesen und hören wir es aus verschiedenen Medien, von Bekannten, Verwandten und von Freunden: Burn-out, Übermüdung, Überbelastung und vieles mehr. Wir rennen täglich von A nach B und reicht das noch nicht auch von C nach D. Ich will dies, ich will das. Dort war ich auch noch nicht. Die Tage inkl. Sonn- und Feiertage sowie die Wochen sind voll verplant. Nach einiger Zeit wundert man sich: Warum bin ich müde und überspannt? Warum fehlt uns manchmal einfach die Kraft?

Die Lösung darauf ist so einfach wie genial. Gönnen Sie sich einfach einmal etwas Ruhe. Doch um Himmels willen, wie soll ich das schaffen?! Wie soll ich mir Ruhe gönnen? Es wird doch von mir erwartet, dass ich dies und jenes tue. Dass ich da und dort bin. Der Leistungsdruck ist nicht nur im Arbeitsbereich vorhanden, sondern auch in der Freizeit. Man muss agil sein, man muss dabei sein, man muss sich zeigen. Das eigene ICH bleibt dabei meist auf der Strecke.

Vor einiger Zeit habe ich eine Einladung zu einer Veranstaltung bekommen. Doch ich hatte dazu wenig Lust. Zudem mag ich grosse Menschenansammlungen mit viel Lärm nicht und ich habe nein gesagt. Das hätte ich in diesem Fall besser nicht getan. «Ach komm, das kannst du uns doch nicht antun. Das finden wir aber blöd. Wie? Nein? Das musst du doch gesehen haben.» Das waren nur einige der Kommentare auf mein Nein. Das hat mich etwas betroffen gemacht. Darf ich nicht mehr über mich und mein Tun selber entscheiden? Ein ehrliches NEIN wird leider heute nicht mehr akzeptiert. Mit einer Notlüge wäre ich wohl besser davongekommen.

Doch schlecht fühle ich mich trotzdem nicht. Schliesslich geht es um mein Wohlbefinden und meine Gesundheit. Ein NEIN birgt Risiken. Doch ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen. Kann sein, dass ich zu dieser Veranstaltung nie mehr eingeladen werde. Macht auch nichts. Das bringt mir einen freien Tag mehr und auch etwas Ruhe, was sich viele andere auch gönnen sollten. Ruhe und Zeit für sich selber zu haben ist heutzutage ein Luxusgut. Einmal ein gutes Buch lesen, einen schönen Film schauen, ein erholsamer Spaziergang. Alles ohne Stress und Druck von aussen oder anderen. Tun, was ich will und nicht das, was die Gesellschaft von mir erwartet. Leisten Sie sich diesen Luxus. Nehmen Sie sich Zeit. Sie verpassen nichts. Viel eher gewinnen Sie Lebensqualität, die Ihnen guttut.