Die Landsgemeinde der Hunde

Bekanntlich sind die «Müden Hunde» – von Severin Müller aus Holz unnachahmlich gekonnt gefertigt – noch bis zum 4. August im Güterschuppen Glarus, unweit des Kunsthauses, ausgestellt.




Gar faul, teilweise in verspielten Posen, liegen sie rum, tun einfach nichts, sind riesig faul und für einmal ganz unter sich.

Anlässlich der Glarner Sagennacht stellte sich heraus, dass Hans Rhyner aus Niederurnen von diesen Hunden mächtig inspiriert war – nämlich zum Verfassen einer Geschichte, die keinesfalls den Status einer Sage hatte, aber voll Neckischem und «Hündeligem» ist. Auch Hunde haben ihr Wünsche, sind manchmal frustriert, können sich ihren Frauchen und Herrchen gegenüber aber nicht immer genügend klar verständlich machen. Hans Rhyner griff diese Problematik auf und verarbeitete sie in einer Geschichte, die er an der Sagennacht – unweit der «müden Hunde» – gar lebhaft und einfallsreich zum Besten gab.

Zu bewegen vermochte er die Hundeschar in keiner Weise, die blieben nämlich müde und liegen immer noch an den gleichen Plätzen. Vielleicht hat es dem einen oder anderen Vierbeiner gedämmert, welch unglaubliche Botschaft da gewachsen war. Hans Rhyner setzte die Erkenntnis aus seiner Geschichte an den Anfang des Geschehens: «Ae Hund, wo schlaft, weggt mä dä nüd uugschtraft !» Tatsache ist, dass diese Landsgemeinde durch den Labrador Arco eröffnet wurde. Es ging um Besprechen von Massnahmen, die dazu führen, dass sich die Vierbeiner aus der Unterdrückung durch ihre Frauchen und Herrchen lösen können.

Leider fehlte der Weibel, Jagdhund Sibo – grad wegen einer Unterdrückungsmassnahme. Er war nämlich angeleint und hatte die Eignungsprüfung als Schweisshund zu absolvieren. So konnte er die Antragsteller nicht ordnen. Es wurde dann alles leicht hektisch, bevor die Schlussabstimmung durchgeführt werden konnte. Die Voten aus den verschiedenen Hundekehlen waren deutlich genug. Das Laufen an der Leine behagte niemandem. Noch schlimmer sei das Tragen eines Maulkorbs. Da verstieg sich der kecke Votant zur Bemerkung, dass der Maulkorb gescheiter seiner Besitzerin angelegt würde, die schwatze nun einfach überall rum, und das erst noch unglaublich lange. Ein anderer beklagte, dass Wanderer immer so dicke Socken tragen, da könne man nicht mehr als Wadenbeisser aktiv werden. Und wieder einer störte sich daran, dass man immer in der Nähe dieser blöden rechteckigen, grünen Kasten scheissen müsse, damit sofort ein Säcklein zur Hand sei. Wie soll gegen derartige Unterdrückungen wirksam protestiert werden? Das Trottoir-Flumerli Lucrezia hatte nach einer intensiven Diskussion die rettende Lösung. Wenn man sich halt wieder einmal zu stark belästigt fühle, solle man sich einfach hinlegen, dort standhaft bleiben und einfach den müden, ja schlafenden Hund markieren. Der Beschluss wurde angenommen. Umgesetzt haben ihn Severin Müllers Hunde im Güterschuppen.