Die Linth – ein Fluss im Wandel der Zeit – Kulturforum Brandluft auf Exkursion am Escherkanal

Wie stark der Mensch den Lauf der Linth verändert hat und welche Herausforderungen heute damit verbunden sind, erfuhren die Teilnehmenden einer Exkursion des Kulturforums Brandluft. Unterwegs waren sie mit Linthingenieur Ralph Jud, welcher spannende Einblicke in die Geschichte und die aktuelle Situation des Linthwerks gab. Auch Regierungsrat Thomas Tschudi begleitete die Exkursion.



Gret Menz vom Kulturforum Brandluft begrüsst die Anwesenden (Bilder: zvg)
Gret Menz vom Kulturforum Brandluft begrüsst die Anwesenden (Bilder: zvg)

Um die Bedeutung des Linthwerks zu verstehen, ging der Blick zunächst weit zurück. Hans Konrad Escher erkannte zu Beginn des 19. Jahrhunderts, dass die immer wiederkehrenden Überschwemmungen der Linth nur durch einen grundlegenden Eingriff gelöst werden konnten. Statt die Linth weiterhin durch die Linthebene fliessen zu lassen, wurde ihr Lauf verändert. Mit dem Escherkanal und später dem Linthkanal entstand ein einzigartiges Wasserbauwerk. Ähnliche Flusskorrektionen entstanden unter anderem bei Thun, im Raum Zürich und im Berner Seeland. Damit wurden Überschwemmungsgebiete trockengelegt und wertvolles Kulturland gewonnen. Die Landschaft veränderte sich grundlegend.

Vom Schutzbauwerk zur naturnahen Flusslandschaft

Genau hier setzt die jüngere Geschichte des Linthwerks an. Mit dem Projekt «Linth 2000» wurde das Werk zwischen 2008 und 2013 umfassend saniert. Neben dem Hochwasserschutz gehörten auch mehr Natur und ein höherer Erlebniswert zu den Zielen. Besonders eindrücklich zeigte sich dieser Wandel im Chli Gäsitschachen. Auf einer Strecke von rund 850 Metern wurde der Flussraum deutlich verbreitert. Der Damm wurde zurückversetzt und die Linth erhielt wieder mehr Platz. Kiesbänke, Seitenarme und flache Ufer können sich seither durch die natürliche Dynamik des Flusses laufend verändern.
Auch ein Blick in die Zukunft durfte nicht fehlen. Im Kundertriet ist eine weitere Aufweitung der Linth geplant, welche dem Fluss zusätzlichen Raum geben und gleichzeitig den Hochwasserschutz gewährleisten soll.
Vor Ort wurde deutlich, dass Renaturierung keineswegs bedeutet, einen Fluss einfach sich selbst zu überlassen. Hochwasserschutz, Geschiebetransport, Landwirtschaft, Natur und Erholungsnutzung müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Ralph Jud erläuterte anschaulich, wie komplex das Zusammenspiel von Wasser, Geschiebe, Dämmen und Flussbett ist. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Idee erscheint, nämlich dem Fluss mehr Raum zu geben, ist in der Praxis eine anspruchsvolle wasserbauliche Aufgabe.

Die Linth bleibt eine Aufgabe für Generationen

Am Ende der Exkursion wurde einmal mehr deutlich, dass die Geschichte der Linth keineswegs abgeschlossen ist. Die Linth hat schon einiges erlebt. Sie wurde begradigt, kanalisiert, gezähmt und bekommt heute stellenweise wieder etwas mehr Freiheit.
Ganz wild darf sie allerdings nicht werden. Dafür sorgt schon der Mensch.