Die Linthebene – eine Reise in die Vergangenheit!

Aus unzähligen Puzzlesteinen entsteht ein vielseitiges, bemerkenswertes Bild der Linthebene. Im Bildband «Ännet em Jordan» wird es in seiner ganzen Fülle und Themenbreite präsentiert. Mit Steve Nann, einem der Autoren dieses wunderbaren Buches, durften die Anwesenden des Vortrags «Ännet em Jordan» eine Reise durch die Geschichte der Linthebene machen. Organisiert wurde dieser Anlass vom Kulturforum Brandluft.



Sehr anschaulich und leicht verständlich erklärte er den Anwesenden, wie sich der Speer und die Churfirsten gebildet haben. Quer in der Landschaft liegt da der Walensee, auffällig durch seine besondere Lage inmitten eines Tals und auf beiden Seiten von bis zu tausend Meter hohen Steilhängen umgeben. Er entstand in einem sogenannten «Pull-apart-Becken», das heisst, der Boden ist eingebrochen und hat das Tal des Sees geformt. Geblieben sind die steilen Felswände beidseits des Sees.

Ehrenbürger dank Linthkorrektion

Die Linth floss ursprünglich von Mollis quer durchs Tal nach Niederurnen und Ziegelbrücke. Regelmässig wurde die Ebene von ihr überschwemmt. Als 1780 die Gemeinde Netstal die Linth bis nach Mollis kanalisierte und dadurch die Laufgeschwindigkeit des Wassers erhöhte, lagerte sich mehr und mehr Geschiebe aus den Glarner Bergen in der Linthebene ab. Deren Versumpfung und ein Anstieg des Walensees waren die Folge davon.

Die zu Rate gezogene Eidgenössische Tagsatzung beauftragte 1783 den Berner Ingenieur Andreas Lanz mit der Sanierung der Linth. Seine Pläne sahen vor, das Wasser der Linth in den Walensee zu führen, damit sich das Geschiebe dort ablagern konnte. Da der Kostenvoranschlag von 90 000 Gulden sehr hoch war, beschloss die Tagsatzung erst 1803 die Realisierung der Linthkorrektion. Hans Conrad Escher, als Leiter unter anderem zuständig für die Finanzierung des Projektes, verlangte während der ganzen Zeit nie einen Franken Honorar für seine immense Arbeit. Die Gemeinde Bilten verlieh ihm noch zu Lebzeiten das Ehrenbürgerrecht, die Tagsatzung den Zusatz «von der Linth».

Zeitreise am Walensee

Anhand verschiedener Bilder zeigte Steve Nann anschliessend die Veränderung der Landschaft der Linthmündung beim Walensee auf. So konnten die Anwesenden sich ein Bild vom einsetzenden Landgewinn dank der Trockenlegung des Riets machen. Bereits 1920 wurde das erste Strandbad in der Ostschweiz am Walensee (altes Strandbad) eröffnet.

Steve Nann wies auf die ursprüngliche Führung der Eisenbahnlinie hin, die ähnlich der Schwärzistrasse von Ziegelbrücke über Weesen nach Näfels–Mollis führte, bis die Strecke Ziegelbrücke–Näfels–Mollis sie verdrängte. Ein weiteres Thema war die Stationierung einer richtigen Walenseemarine samt ihren Patrouillenbooten! Und er erzählte dem erstaunten Publikum vom Aufenthalt Leni Riefenstahls, Hitlers bevorzugter Filmemacherin, an den Gestaden des Walensees.

Noch viel länger hätte man dem begnadeten Erzähler zuhören können mit seinen spannenden Geschichten über die Linth und die Linthebene. Sicher aber wurde die Lust geweckt, einmal einen Blick über oder der Linth entlang zu wagen und Neues in Altem zu entdecken.