Nach dem Ersten Weltkrieg riefen Arbeitslosigkeit und Lebensmittelknappheit gebieterisch nach Erschliessung von neuem Kulturland und lenkten die Aufmerksamkeit auf die brachliegenden versumpften Böden im Linthgebiet. 1921 lag ein erstes Projekt vor, das bei Gemeinden und Grundbesitzern auf Skepsis stiess. Das Vorhaben jedoch enthielt mit der Gewässerkorrektion, Entwässerung, Güterzusammenlegung und Besiedelung schon fast alle Massnahmen, die später in den Vierzigerjahren mit dem «Plan Wahlen» umgesetzt wurden. Mit diesem anfänglich umstrittenen und staatlich gelenkten Programm zur Förderung des innerschweizerischen Lebensmittelanbaus (1940-1945) konnte der nationale Selbstversorgungsgrat von 52 auf 70 Prozent gesteigert werden. Dabei spielte die Linthregion, die als «grösste Ebene unseres Landes» begriffen wurde, eine besondere Rolle.
Filmausschnitte von der Anbauschlacht in der Linthebene
«Linthebene-Melioration (1941-1964): Arbeitsbeschaffung und Kulturlandgewinnung (Anbauschlacht)» – so lautet der Titel des Vortrags vom Samstag, 27. November. Besammlung ist um 09.30 Uhr bei Peter Kistler, Gemüsebau, Neulandstrasse 1, Reichenburg. Gedreht während und nach dem Zweiten Weltkrieg, werden Filmausschnitte über die Bepflanzung des frisch meliorierten Bodens gezeigt. Der Anlass steht unter der Leitung von Stefan Paradowski, Kunst- und Regionalhistoriker, Glarus, und ist die vierte Veranstaltung der Exkursionsreihe «Linth-Geschichte – eine kulturhistorische Spurensuche in der Region».
Kolonisation der Linthebene
1936 reichte Nationalrat Erhard Ruoss (1901-1958), Schübelbach, ein Postulat mit der Frage an den Bundesrat ein, ob nicht das Meliorationsprojekt aus dem Jahr 1921 verwirklicht werden könnte. Die Kolonisation der Linthebene sollte Beschäftigung für 600 Mann auf 3 bis 4 Jahre und Ansiedelungsmöglichkeit für über 100 Familien bieten. In der Botschaft, dem Bericht des Bundesrates an den National- und Ständerat, war von Kosten von 12,5 Mio. Franken die Rede.
Mangel an Arbeitskräften
1939, noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, erliess die Bundesversammlung das «Bundesgesetz über die Melioration der Linthebene». Unter der Federführung des Kriegernährungsamtes wurden dann die Ziele des Anbauplans zur Erhöhung der Eigenproduktion definiert: Ausweitung des Ackerbaus, Reduzierung der Viehzucht und Rationierung der Lebensmittel. Infolge der Aufgebote für den Aktivdienst ergab sich anfänglich starker Mangel an Arbeitskräften. So kamen in der Linthebene – neben 70 Angestellten im Monatslohn – Landdienstpflichtige, Taglöhner, Frauen, Kinder (jeweils im Herbst) und 100 bis 150 Internierte (Polenlager) zum Einsatz.
2 Traktoren, 7 Pferde, 140 Ochsen
Der Anbau setzte 1942 ein. Vor allem die Schweizerische Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft SVIL hat sich um diese Arbeit verdient gemacht: Sie hat das industrielle Pflanzwerk organisiert. Als Zugkräfte dienten 2 Bührer-Traktoren, 7 Pferde und 140 Ochsen. Melioration und Anbau erfolgten in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die Besiedelung kam danach. Bei der Einweihung des 7. Gutsbetriebes der Ortsgemeinde Benken im Jahre 1960 war auch Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen (1899-1985), der «Vater der Anbauschlacht», mit dabei. Im 1965 vorgelegten «Schlussbericht der Melioration der Linthebene» wurden für das Kolonisationswerk Gesamtkosten von 32 Mio. Franken ausgewiesen.
Der Referent Stefan Paradowski bittet jene, die persönliche Erinnerungen an das Meliorationswerk, Dokumente und Fotos aus dieser Zeit haben, sich zu melden (079 574 72 83) für eine allfällige Publikation/Ausstellung zum Thema.
Reise durch die Zeit – Erzählnacht in Oberurnen



