Die Mutterliebe als idealisiertes Konstrukt

Die Sonderausstellung «Mutter Liebe» von Jeanette Fischer und Susanne Vögeli wird vom 29. August bis zum 25. Oktober im Anna-Göldi-Museum in Ennenda gezeigt. Am letzten Freitag fand die Vernissage statt.



Jeanette Fischer, Psychoanalytikerin und Buchautorin, und die Koch-Forscherin Susanne Vögeli wollen mit ihrer Ausstellung «Mutter Liebe» im Anna-Göldi-Museum auf die idealisierte Mutterliebe aufmerksam machen, welche auch Tarnung für Gewalt und Übergriffigkeit werden kann.

Susanne Vögeli setzt sich mit dem Zucker als Währung der Mutterliebe auseinander. Die süsse Muttermilch ist die erste Nahrung eines Säuglings. Die Süsse wird also von klein auf mit einem guten Gefühl verbunden und macht von der Mutter abhängig. Auch später bleibt das Backen von süssen Kuchen eine weibliche Angelegenheit. Vögelis Ausstellung informiert über den Zucker in Verbindung mit der Mutterliebe, aber auch über «Mütter in der Küche» wie z.B. die Kombuchamutter oder die Essigmutter.  

Jeanette Fischer versucht durch ihre Überarbeitung eines Videos aus der Videoserie «Extreme Dialogue» eine Sensibilisierung der Gewalt, die versteckt unter der Mutterliebe liegen kann, zu schaffen. Das Video zeigt eine trauernde Mutter, deren Sohn sich dem IS angeschlossen hat und im Alter von 22 Jahren hingerichtet wurde. Durch die Kommentare, den Untertiteln und dem Schnitt möchte Fischer die subtile Gewalt, welche von der Mutterliebe überdeckt wird, in den Fokus rücken.

Die Vernissage am 28. August wurde von der Bratschistin Juliet Shaxson und ihrer eigenen Interpretation zum Thema Mutterliebe musikalisch begleitet. Eine weitere musikalische Darbietung gab es von einem Frauenjodelklub aus Zürich. Abschliessend wurde ein Apéro serviert.

Die Ausstellung kann man bis zum 25. Oktober im Anna-Göldi-Museum in Ennenda besuchen. Sie soll zum Nachdenken anregen, wobei auch das Konstrukt der idealisierten Mutterliebe hinterfragt werden soll.