Die Ungleichheit von Arbeitnehmern




An der diesjährigen Landsgemeinde haben Herr und Frau Glarner über einen Memorialsantrag zu befinden, welcher die Ladenöffnungszeiten am Samstag und an Feiertagen anpassen möchte. Die angedachte Begrenzung auf eine maximale Öffnungszeit bis 17 Uhr soll dem Verkaufspersonal zugutekommen, damit dieses den Abend mit der Familie verbringen kann.

Die SP machte sich im Landrat wie auch jetzt im Vorfeld der Landsgemeinde mit Plakaten entlang der Hauptstrasse für dieses Vorhaben stark. Die SP begründet ihr Engagement für die Begrenzung der Ladenöffnungszeiten ebenfalls mit dem Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.  

Auch wenn ich politisch einem anderen Lager angehöre, habe ich gewisse Sympathien für diesen Antrag. Nimmt man nämlich die Sicht des Dorfladens ein, so ist es für diesen einerseits schwierig abseits zu stehen und früher als die Grossverteiler den Laden am Samstag zu schliessen, andererseits dürften aber die höheren Kosten eines zeitlich ausgeweiteten Angebotes meistens nicht durch die höheren Umsätze wettgemacht werden können. Es ist somit ein Instrument für finanzstarke Anbieter, den Markt für eine Konsolidierung vorzubereiten und das Lädelisterben sicher nicht zu begrenzen. Gegen diese Argumentation steht der Wunsch auf eine liberale Gesellschaftsstruktur, die diesem Vorhaben entgegensteht.

Wie konsistent die Politik ist, dürfte sich an der diesjährigen Landsgemeinde im zwei Traktanden später zu behandelnden Thema offenbaren. Ein Memorialsantrag möchte das Tanzverbot an läppischen fünf Tagen – dies entspricht 1,4% des Jahres – aufheben. Das Tanzverbot verbietet zurzeit im Kanton Glarus an den höchsten christlichen Feiertagen Veranstaltungen abzuhalten. In diesem Traktandum unterstützt die SP das Vorhaben. Dabei geht aber vergessen, dass für dieses Angebot zwar nicht Verkäuferinnen und Verkäufer jedoch der Türsteher, die Barmaid oder das Putzpersonal nicht zu Hause bei der Familie Weihnachten, Ostern oder einen der drei weiteren Feiertage geniessen kann.

Liebe Mitlandlüüt, wenn Sie sich für die Angestellten einsetzen möchten, dann machen Sie dies konsequent. #sie_dasGlarnerStimmvolk_bruuchts.

Thomas Tschudi-Plaz
Landrat, Näfels