Heute ist die Verbindung eindeutig: Kreuz gleich Christentum. Wann sich aber dieses Symbol durchgesetzt hat, ist nicht eindeutig klar. Zu Beginn lebten die Christen sehr gefährlich, ihnen drohte Verfolgung und Hinrichtung. Symbole zu tragen, die sie eindeutig erkennen liess, war deshalb nicht geschickt. Anfänglich war vor allem der Fisch gebräuchlich, als Zeichen für den „Menschenfischer“. Mit Konstantin änderte sich die Situation der Christen im Römischen Reich erheblich. Unter dem Christusmonogram (ein P über einem x) siegte er in der Schlacht an der Milvischen Brücke 312 und wurde somit Kaiser. Im Jahre 325 berief er das erste Konzil in Nicäa ein. In dieser Versammlung erfuhr Konstantin vom Bischof von Jerusalem, dass die Stätten der Passion unter alten römischen Monumenten verborgen liegen. Die Mutter des Kaisers, Helena, welche laut Legende davon geträumt hatte, das „wahre Kreuz Christi“ zu finden, machte sich auf die Pilgerreise ins Heilige Land. Nicht weit von der Schädelstätte stiessen Arbeiter auf drei Hölzer, die Tafel mit der Inschrift und drei oder vier Nägel.
Nicht gerade zimperlich wurde anschliessend mit der Reliquie umgegangen. Bereits Helena liess sie in drei Teile teilen. Ein Drittel des Kreuzes blieb in Jerusalem, ein Drittel nahm die Kaisermutter mit nach Rom und der letzte Drittel kam nach Konstantinopel. Die Reliquie in Jerusalem wurde in der Martyrion-Basilika zusammen mit der Hälfte der Inschrift verwahrt. Hier ruhte dieser Teil bis ins Jahr 614. Der persische General Sharbaraz eroberte Jerusalem und der Schrein mit dem Kreuz gelangte in die Hände der Perser. Zwar konnte der Patriarch von Byzanz die Reliquie kurz darauf zurückerobern, doch unter dem Patriarchen von Jerusalem wurde das Kreuz in 19 Teile geteilt und in zahlreiche Städte rund ums Mittelmeer verschickt. Nur gerade vier Stücke fanden die Kreuzritter im 11. Jahrhundert. Den grössten Teil führten sie als „Wahres Kreuz“ mit in wichtige Schlachten. Die Reliquie sollte ihnen den siegreichen Ausgang der Kämpfe sichern. So war es auch am 4. Juli 1187 anwesend als die Kreuzritter an den Hörnern von Hattin auf die Armee von Saladin traffen. Doch die Christen wurden vernichtend geschlagen und das Kreuz fiel wiederum in die Hände der Moslems. Und schlimmer: Das Kreuz ist bis heute nicht mehr aufzufinden. Währenddessen ging die Zersplitterung der übrigen Teile unvermindert weiter. Kleinste Stücke wurden dabei bis nach Europa verkauft, um die Kreuzzüge zu finanzieren.
Aber auch die anderen Teile, welche Helena verschickt hatte, hatten turbulente Zeiten vor sich. In Konstantinopel wurden Teile des Kreuzes im Milion (einem Meilenstein, von dem alle Entfernungen im Reich gemessen wurden) und in eine Statue von Konstantin verbaut. Der Rest wurde in der Privatkapelle des Kaiser aufbewahrt. Als die Kreuzritter – angetrieben von den Venezianern – 1204 die Hauptstadt des Byzantinischen Reichs eroberten, erbeuteten sie unter anderem grosse Teile der Kreuz-Reliquie, welche auch nach Europa gebracht wurde. Mit der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Moslems gingen auch die letzten Stücke des Kreuzes von Byzanz unter.
Ruhiger hatte es dagegen der Römische Teil des Kreuzes. Zuerst wurde er in der Kapelle der heiligen Helena aufbewahrt, wechselte danach ab 1629 seinen Aufenthaltsort in die Peterskirche.
Kleine Notiz am Rande: Ein Partikel des Kreuzes wurde auch dem Kaiser Karl der Grosse geschenkt, entweder vom Pabst oder dem Patriarchen von Jerusalem. Diese Reliquie wurde mit einer weiteren Reliquie verbunden, mit der Heiligen Lanze. Die Lanze mit der angeblich der Römische Soldat Longinus Jesus die Seitenwunde zugefügt haben soll. Sie war ausserdem eine der wichtigsten Reichsinsignien, sie verdeutlichte, dass der Kaiser seine Macht von Gott erhielt. Heute ist sie in der Schatzkammer der Hofburg in Wien ausgestellt.
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