Distanz schafft Nähe

An der wie immer gut besuchten 1.-August-Feier in Elm sprach Anita Blumer – Kulturförderpreisträgerin von Glaus Süd – über die Bedeutung der Heimat und über das Privileg Schweizerin oder Schweizer zu sein. Auch im Ausland fühle man sich der Heimat verbunden.



Begrüsst wurden die Gäste auf dem Bauernhof der Familie Elmer in Elm durch Jonas Schaffner, Geschäftsführer von Elm Ferienregion, und den musikalischen Klängen der Harmoniemusik Elm. Einmal mehr verstanden es die Landfrauen Elm, den Anwesenden einen vielfältigen Bauernbrunch mit eigenen Produkten schmackhaft zu machen.

Der Blick auf die Heimat


«Ich habe vor einigen Wochen für meine Arbeit als Filmschaffende den Kulturförderpreis der Gemeinde Glarus Süd erhalten.» Dies sei sicher der Grund, so Anita Blumer, dass sie heute die 1.-August-Rede halten dürfe. Sie sei erst vor Kurzem nach einer zweijährigen Auslandreise mit ihrem Freund nach Hause zurückgekehrt. «Und wenn man längere Zeit im Ausland weilt, schärft dies in der Regel den Blick auf die Heimat. Distanz schafft Nähe.» Das bedeutet, dass man sich auch dann seinem Heimatland zugehörig fühle, wenn man sich räumlich weit weg befinde. Einerseits sehne man sich zum Beispiel nach wohlbekannten Gerüchen, nach der Landschaft, der Sprache oder der Menschen. «So identifizieren wir uns mit der Nationalität, werden aber umgekehrt im Ausland auch über diese Nationalität identifiziert», betonte Blumer die damit aus dem Fundus ihrer zweijährigen Reise schöpfen konnte.

Höherer Lebensstandard trotz weniger Arbeitszeit

«Mein Urgrossvater hat als Zimmermann über 50 Stunden an sechs Tagen die Woche hart gearbeitet, hatte keine Ferien und die Familie konnte sich nur sehr wenig leisten.» Er sei nie im Ausland gewesen, so Blumer weiter, denn in seiner Generation seien die jungen Leute ins Ausland migriert auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen. Heute würden wir Produkte besitzen, welche ihr Urgrossvater sicher als verrückte Zukunftsspinnerei abgetan hätte. «Aber nicht nur der Wohlstand hat zugenommen, sondern auch die sozialen Werte wie Bildung, Ernährung, Gesundheit und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger.» Wie Blumer in ihrer Rede weiter ausführte, hätten wir nicht nur das ausserordentliche Privileg Schweizerin und Schweizer zu sein, wir hätten auch das besondere Glück in einer Zeit zu leben, die friedlicher, gerechter und menschlicher sei als jemals vorher.» «Wir sollten uns immer bewusst sein, dieses Privileg haben wir uns nicht ausgesucht, sondern sind darin geboren.»

Das Glück ab und zu hinterfragen


«Nach unserer Rückkehr wurden wir immer wieder gefragt, ob es schwer war, sich wieder in der Schweiz einzuleben.» Es sei sehr einfach gewesen, betonte Blumer und ergänzte, dass man sich schnell wieder an die Gegebenheiten anpassen könne. Sei doch die Schweizer Kultur diejenige, welche uns am Besten vertraut ist, und zudem sei der Lebensstandard und der Komfort in der Schweiz weit und breit am höchsten. «Darum ist es natürlich kein Problem gewesen, sich wieder zu Hause einzugliedern. Ob das gut oder schlecht ist, das ist die andere Frage.» Als Schweizer und als Mensch können wir nur im Rahmen von unseren Möglichkeiten handeln, also könne man zwar nicht die Welt, aber doch sich selber verändern. «Und ich glaube, das ist schon schwer genug.» Abschliessend könne man sagen, dass wir allen Grund hätten, uns glücklich zu schätzen, ein so entwickeltes und fortschrittliches Heimatland zu haben. «Wir haben aber auch genügend Gründe, dieses Glück von Zeit zu Zeit zu hinterfragen, warum ist es so wie es ist und wie wir unsere Privilegien sinnvoll nutzen können.»

Zu Beginn der Feier betonte Pfarrer Christof Schneider in seiner Predigt, dass wir uns immer wieder neu ausrichten und orientieren sollten, das bedeute christlich sein. «Wir sollten Werte nicht nur haben, sondern sie auch leben. Tun und handeln, nicht mehr und nicht weniger.»