Donatoren vom Land in einer Stadt von Welt

Dresden war für die Donatoren des FC Schwanden definitiv mehr als eine Reise wert.




Nicht dass jetzt der Glaube aufkommen könnte, die Donatoren des FC Schwanden hätten die Fronten vom Sport zur Kultur gewechselt. Aber die Tage der diesjährigen Donatoren-Reise in Dresden, mit etwa 550 000 Einwohnern die Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen und nach Leipzig die zweitgrösste sächsische Stadt, zeichneten sich durch ihre renommierten Kunstmuseen und die klassische Architektur der rekonstruierten und durch verschiedene architektonische Epochen geprägten Altstadt aus. Der Einfluss von Kurfürst August dem Starken ist überall und allgegenwärtig.

«Elbflorenz» – mit bewegter Geschichte …

Dresden wird auch Elbflorenz genannt, ursprünglich vor allem wegen seiner Kunstsammlungen; massgeblich trug dazu sowohl seine barocke und mediterran geprägte Architektur als auch seine Lage im Elbtal bei.

Bereits kurz nach der Ankunft nahm uns Thilo Stiehler am Flughafen in Empfang und führte uns in seinem Kleinbus und mit einem ausserordentlich fundierten Wissen an diese geschichtsträchtigen Orte.

Die barocke Frauenkirche am Neumarkt – bekannt für ihre eindrucksvolle Kuppel – wurde 1743 fertiggestellt und nach den Luftangriffen auf Dresden – in vier aufeinanderfolgenden nächtlichen Angriffswellen vom 13. bis 15. Februar 1945 – wieder aufgebaut. Nur zwei Seitenmauern standen um ihren Trümmerberg. Weite Teile des Stadtgebietes wurden damals durch britische und US-amerikanische Bomber schwer beschädigt, 15 km² ausgehend von der Innenstadt wurden gar total zerstört; rund 25 000 Menschen verloren ihr Leben. Seit dem 2005 beendeten Wiederaufbau versteht sich die Frauenkirche zudem als «weltweites Symbol für Frieden und Versöhnung». In den ersten zweieinhalb Jahren nach der Neueröffnung wurde sie von fünf Millionen Menschen besucht. Den herrlichen Ausblick über die Stadt liessen sich auch die Donatoren nicht entgehen.

Der dem Schloss Versailles nachempfundene Zwinger beherbergt mehrere Museen, darunter auch die Gemäldegalerie Alte Meister mit grossen Kunstwerken wie der «Sixtinischen Madonna» von Raffael oder des historischen Meissner Porzellans (rund 20 000 Objekte).

Sowohl zur Semperoper, der Hofkirche, dem Residenzschloss, der Loschwitzer Brücke (auch das blaue Wunder genannt), die Brühlsche Terrasse oder dem Schloss Pillnitz – Thilo Stiehler wusste mit seiner Art zu faszinieren.

Bis zum Ende des Kalten Krieges waren in und um Dresden die 1. Gardepanzerarmee der Sowjetarmee sowie die 7. Panzerdivision der Nationalen Volksarmee stationiert. Nach der Wende in der DDR ab 1989 wurden gemäss den Bestimmungen des Zwei-plus-Vier-Vertrags von 1990 die sowjetischen/russischen Truppen Anfang der 1990er-Jahre aus Deutschland abgezogen und die NVA aufgelöst. Alles, was damals nicht niet- oder nagelfest war, wechselte unfreiwillig den Besitzer und ging in die Sowjetunion.


… und auch mit Jahrhundert-Hochwasser

Im August 2002 wurde die Stadt von der «Jahrhundertflut» getroffen. Dabei überschwemmte die Elbe nebst mehrerer ihrer Nebengewässer die Stadt. Die Elbe erreichte einen Pegelstand, der das bis dato schwerste Hochwasser von 1845 übertraf, von 9,40 Meter und einen Durchfluss von mehr als 4500 m³ pro Sekunde. Der extreme Wasserstand von über neun Meter gefährdete auch Semperoper und Frauenkirche und überschwemmte dabei eine Fläche von etwa 24,8 km² im Stadtgebiet.

Die Elbe hat in Dresden einen mittleren Wasserstand von 200 cm (nach dem heissen Sommer 2018 momentan zwischen 52 und 65 cm). Weil sie durch dieses Niedrigwasser nicht befahrbar war, fiel die gebuchte Flussfahrt leider buchstäblich ins Wasser.

Traditionelles aus Meissen

Nicht nur das historische Städtchen – wiederum exzellent durch Thilo Stiehler vorgestellt, sondern auch das Meissner Porzellan hat ebenfalls eine sehr lange Tradition. Es ist Porzellan aus der ersten europäischen und im 18. Jahrhundert lange Zeit führenden Manufaktur, die von ihrer Gründung bis zum Jahr 1863 auf der Albrechtsburg in Meissen, dann in einem eigenen Werk produzierte. Eine eigene, ausführliche Führung durch Ramona Köhler liess nicht nur bei der Handfertigung dem einen oder andern die Kinnlade herunterkippen, sondern auch die vielen «Prachtsstücke» (Unikate) beeindruckten sehr und setzten die hohen Kosten beim Kauf solcher Trouvaillen in ein ganz anderes Licht. «Drüü Nüünzg» reichten da wohl nirgends hin.

Der Dank für die eindrücklichen Tage geht nicht nur an den Organisator Urs Steinacher, sondern auch an die drei sehr versierten Reiseleiter (auch am Stadtrundgang vom Samstag).

Welche Destination für die Donatoren-Reise für das Jahr 2020 geplant ist, steht allerdings noch in den Sternen.