Donne & Corde – stille musikalische Geschenke

Die Wärme und Schönheit des vergangenen Sonntags war so etwas wie ein Abbild der verhaltenen, stillen und zuweilen festlich – munteren Musik, die von Donne & Corde im Gemeindezentrum Schwanden angeboten war. In beeindruckender Abgestimmtheit drückten sich die vier Damen des Gitarrenensembles aus. Alle sind mit der klassischen Gitarre bestens vertraut und haben die Ausbildungen mit den entsprechenden Diplomen abgeschlossen.




Patricia Bächtold, Nicole Henger, Priska Herzog und Sylvia Yersin gestalteten eine willkommen ideenreich zusammengesetzte Programmfülle aus. Sie boten damit in verschiedene Stilrichtungen und das wechselreiche Schaffen aus einigen Jahrhunderten Einblick. Die Zuhörenden wussten, dass eine ruhige Musik zu erwarten war, dass dynamisches Ausgestalten sehr fordernd ist, dass rasch wechselnde Tempi und verschiedenste Kompositionen Abwechslung bescheren.

Zuweilen sehr Bekanntes, in anderen Bearbeitungen schon oft vernommen, stand neben Fremdem, kaum einmal Gehörtem. Das machte neugierig, erzeugte durchaus Spannung.

Am Anfang stand die Orchestersuite Nr. 2, BWV 1067 von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750), arr. von A. Forrest. Das Originalwerk entstand um 1738/39 in Leipzig. Die Suite sei – so die Ankündigung im sorgsam und ausführlich gestalteten Begleittext – als Kaffeehauskonzert und für Traversflöte und Streicher geschrieben worden. Es wurde mit einer beneidenswerten Abgestimmtheit und Leichtigkeit ausgedrückt, verspielt, anmutig, mit viel Beseeltheit, und stiller Munterkeit. Zum verinnerlichten Mittanzen und Hüpfen, zum Dahinträumen wurde man geradezu eingeladen. Es war begrüssenswert munter, neckisch und keck. Dass sich – gemäss Text in der Beilage zum Programm – ein Bach-Fan der besonderen Art bemüssigt fühlte, ein Element des letzten Satzes als Handy-Klingelton unter die Leute zu bringen, ehrt wohl auch den Komponisten.

Nach der Begrüssung durch Ruth Tüscher, Präsidentin des gastgebenden und einladenden Kulturvereins Glarus Süd, äusserte sich auch ein Mitglied des Gitarrenensembles, stets mit passenden kurzen Gedichten.

Von Antonin Dvorak (1841 – 1904) schlossen drei Sätze aus «Fünf Bagatellen», op. 47, arr. A. Rineha, an. Die Originalbesetzung – wieder mit Blick auf den erläuternden Text – galt Streichern und einem Harmonium, also einer eher ungewohnten instrumentalen Zusammensetzung. Viel Tanz, Lebensfreude, Volksliedhaftes, – eine wahrlich weit gespannte Gefühlswelt – wurde in inniger, sehr gehaltvoller Weise ausgedrückt. Neckisch, verspielt, wirblig, da und dort kurz verharrend, mit zuweilen stiller Eleganz wurde gespielt, richtiggehend adrett und formschön.

Von Claude Debussy (1862 – 1918) schloss «La fille aux cheveux de lin» an. Es kam viel Verträumtheit auf. Man wähnte sich in fein Versponnenem, dann wieder Weitmaschigem, fühlte sich zeitweilig von irgendwie Geheimnisvollem umgeben, Tiefen wechselten sich mit urplötzlich Hellem, Wärmendem. Die Stimmungen und Bilder nahmen einen gefangen.

Françis Poulenc (1899 – 1963) schrieb die mehrsätzige «Suite Française». Markantes, rhythmisch spürbar Strukturiertes steht am Beginn. Eine riesige Breite an verschiedensten Gefühlen schliesst in den weiteren Sätzen an. Beschwingtes, sehr Zielgerichtetes stehen neben Traurigkeit und Wehmut. Formschönes und Feingliederiges gehören zu Wirbligem und Tanz. Die Schlüsse der Sätze sind sehr kurz angedeutet. Die Damen drückten sich gar wechselvoll, mit spannendem Gliedern aus.

In die – gemässigte – Moderne wurde man mit «Comme un Tango» des kanadischen Gitarristen und Komponisten Patrick Roux (geb. 1962). Diese Komposition, so wieder mit Bezug auf die Erläuterungen, sei von Astor Piazollas Tangostil beeinflusst. Willkommen wirblig, mit grosser Leidenschaft, Kraft, unterbrochen vom träumerischen in sich ruhenden Momenten, klang diese durchaus kurzweilige Stück auf.

Die Matinee klang mit Roland Dyens (1955 – 2016 und zwei Sätzen aus der Suite «Hamsa» aus. Wechsel zwischen Orientalischem, Afrikanischem,Fragmenten aus der westlichen Moderne fügten sich zu Beeindruckendem, Interessantem. «Hamsa» ist eine Hand, die mit Ornamenten verziert ist und ist damit ein kulturelles Zeichen im islamischen Volksglauben Nordafrikas und des Nahen Ostens. Eine interessierende Kurzweil und kunstvolles Verflechten verschiedener Elemente weckten viel Anteilnahme.

Und noch vor dem Verweilen im Foyer kam es zu zwei gar unterschiedlichen Zugaben, einmal die bewegende Geschichte einer Frau, die aus dem Leben scheidet, die Angst und Schmerz nicht mehr erträgt, dann ein rassiges Wegswitchen in die Welt des Zirkus, der lauten, unbeschwerten Fröhlichkeit.