Doppelte Wasserkraft in Mitlödi

Während die Bauarbeiten für das Wasserkraftwerk Seidendruckerei in Mitlödi bereits seit diesem Frühling im Gange sind, startet das Kraftwerk Doppelpower im Oktober in die Realisierungsphase. In der vergangenen Woche hat die SN Energie AG die Bewilligung dazu erhalten.




In Mitlödi geschieht entlang der Linth in den nächsten Monaten einiges. Schon seit geraumer Zeit wird am neuen Wasserkraftwerk Seidendruckerei gebaut und im Oktober fällt der Start für das Projekt Doppelpower. «Nach siebenjähriger Planungs- und Vorbereitungsarbeit liegen alle Bewilligungen vor. Die Vergabeentscheide können nun gefällt werden, sodass dem Baustart bei der Wasserfassung im Oktober und des Rohrvortriebes als zentrales Bauteil des Projektes im Januar 2014 nichts mehr im Wege steht», meint dazu Leo Meier von der KW Doppelpower AG. Der Name Doppelpower spielt auf die Zusammenführung des Wassers der bestehenden Kraftwerke Sernf, Niederenbach und Alpsteg sowie der neuen Fassung des Flusswassers der Sernf bei der ebenfalls bestehenden Zentrale Herren in Schwanden. «Der neue Druckstollen führt von der bestehenden Zentrale Herren 1,7 km durch den Berg unter der Ortschaft Sool hindurch zur neuen «Doppelpower»-Zentrale in Mitlödi.» Das Kraftwerk, welches 2015 in Betrieb genommen werden soll, liefert dann rund 22 Mio. kWh Strom pro Jahr, genug Strom für gut 4200 Haushalte.

Die rund 450 Betonrohre für den Stollen mit einem Aussendurchmesser von 3,8 m und einer Wandstärke von 40 cm werden in einer eigens dafür installierten Feldfabrik in der Region produziert. «Somit kann der Anlieferungsweg der über 40 Tonnen schweren Einzelstücke massiv verkürzt werden.»

Innovativ und ökologisch

Schon in der Planungsphase hat das innovative Projekt für Aufmerksamkeit gesorgt, so wurde das Impulsteam Kaspar Glarner und Andreas Bänziger mit dieser Idee schon 2007 mit dem renommierten Swiss Mountain Water Award ausgezeichnet. Neben der Wirtschaftlichkeit geniesst auch die Ökologie beim Projekt einen hohen Stellenwert. Eine umfangreiche Umweltverträglickeitsprüfung ist mitunter Bestandteil der Bewilligungen.

«Durch die Nutzung des Wassers im neuen Kraftwerk Doppelpower kann der Schwall-Sunk auf der Restwasserstrecke des Sernf deutlich minimiert respektive fast gänzlich aufgehoben werden», betont Meier zu diesem häufig diskutierten Thema. Zudem werde in diesem Flussabschnitt ein bestehendes Wehr rückgebaut, damit erfährt dieser Abschnitt ökologisch eine deutliche Aufwertung. «Eine natürlichere Flussgestaltung, Fischtreppen und Fischrückzugsbereiche sind geplant und werden dem Unterlauf des Sernf ein neues natürlicheres Gesicht geben.» Mit dem Bau Kraftwerk Doppelpower wird das letzte Hindernis für den Fischaufstieg entlang des Sernf eliminiert und den Fischen den Weg von der Linth in den Sernf und zurück ermöglicht.

Weit fortgeschritten


Während die Bagger in Schwanden im Oktober auffahren werden, sind die Arbeiten beim Kraftwerk Seidendruckerei schon weit fortgeschritten. Bereits zu einem grossen Teil vollendet sind die neuen Massnahmen für den Hochwasserschutz Mitlödi, welcher zusammen mit der Gemeinde Glarus Süd realisiert wird, wie auch verschiedene Renaturierungen und ökologische Aufwertungen entlang der Linth. Momentan konzentrieren sich die Arbeiten auf den Auslaufkanal sowie die Kraftwerkszentrale, wobei dazu der Hauptabwassersammelkanal für das südliche Glarnerland unter Betrieb umgelegt werden musste. Auf den Herbst und Winter hin erfolgt der Bau des ersten Wehrfeldes unterhalb der Linthbrücke Mitlödi. Nach der Inbetriebnahme im Sommer 2015 soll das neue Wasserkaftwerk rund 5 Mio. kWh elektrische Energie pro Jahr liefern, genug Strom für weitere rund 950 Haushalte.

*Jürg Huber ist Pressebeauftragter der IG Kleinwasserkraft Glarnerland.