Eigenverantwortung statt Kontrolle – Bund und Kanton Glarus wollen mit Pilotprojekt die Landwirtschaft deregulieren

Mit dem Pilotprojekt 3V möchte das Bundesamt für Umwelt zusammen mit dem Kanton Glarus den Vorschriftendschungel in der Landwirtschaft reduzieren. Den Landwirten sollen wieder mehr Kompetenzen übertragen werden.




Die Diskussionen zur Ausgestaltung der nächsten Agrarreform (AP 22+) kommen dieses Jahr in die entscheidende Phase. Stichworte wie «standortgerechte Landwirtschaft», «mehr Biodiversität» und «Klimaschutz» sowie «administrative Vereinfachung» stehen im Fokus dieser Reform. Mit dem Projekt 3V möchte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zusammen mit rund 30 Betrieben aus den Kantonen Thurgau und Glarus prüfen, wie der Spielraum im Direktzahlungsbereich zugunsten einer umweltschonenden Produktion verbessert werden kann.

Rund 2500 Kontrollpunkte im Direktzahlungsbereich

Fachexperten sind sich einig, dass das enorm dichte Regulativ der Direktzahlungsverordnung mit schweizweit rund 2500 Kontrollpunkten (Bedingungen für Direktzahlungen) an seine Grenzen stösst und in vielen Bereichen nicht zur erhofften Reduktion der Umweltbelastung geführt hat. Es stellt sich damit die Frage, ob eine Abkehr von immer mehr Vorschriften nicht zielführender sein könnte. Über Jahrzehnte ist eine intensivierte, spezialisierte und arbeitsteilige Landwirtschaft entstanden, die primär auf die Entkoppelung der Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel von der Tierhaltung zurückzuführen ist. Diese Entkoppelung hat zu einer Zunahme von Stickstoff im Ackerbau (über Handelsdünger) und in der Viehwirtschaft (über Futtermittel) geführt. Es ist unbestritten, dass der ausgedehnte Stickstoffkreislauf für eine Vielzahl von Umweltproblemen verantwortlich ist (überdüngte, naturnahe Ökosysteme; Treibhausgase u. a.).

Mehr Spielraum durch mehr Systemverständnis

Das Projekt 3V setzt bei einem ganzheitlichen Systemverständnis auf betrieblicher Ebene an. Vorgesehen sind ein integrierter Beratungsansatz und eine Begleitforschung. Rund 15 Landwirte aus dem Glarnerland interessieren sich für einen Wechsel von einer von oben gesteuerten, umfassenden Kontrolle hin zu einem auf Eigenverantwortung abgestützten Miteinander. Das Projekt setzt auf Vertrauen und möchte den Spielraum der Betriebsleiter zugunsten von nachhaltigem und systemorientiertem Handeln erhöhen. Hierzu ist die Beratung auf den Betrieben zu stärken, die durch den Kanton Glarus sicherzustellen ist. Der Regierungsrat hat dafür für die Jahre 2020–2022 einen Verpflichtungskredit in der Höhe von 77 000 Franken bewilligt. Das BAFU unterstützt die Begleitforschung und ist dafür verantwortlich, dass geeignete Indikatoren für die Erfolgskontrolle aufgebaut werden. 

Die interessierten Landwirte treffen sich am 12. Februar 2020 bereits zum dritten Mal, um nach über einjähriger Vorbereitungsdauer die Vereinbarung zu unterzeichnen und die Indikatoren kennenzulernen. Anhand des Indikatorensets wird in den kommenden Monaten mit den Betriebsleitern die Ist-Situation auf den Betrieben aufgenommen. In einem weiteren Schritt legen die Betriebsleiter mit den Beratern fest, mit welchen Massnahmen sie ihren Betrieb nachhaltiger führen können.

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