Ein erfüllender Abend mit Schubert-Liedern

Wie gut tut es zuweilen, in eine Welt abzutauchen, die wohl der Vergangenheit angehört, aber ihren Liebreiz bewahrt hat. Mit gar gefühlvoll und kenntnisreich ausgestalteten Liedern von Franz Schubert (1797 – 1828) erfüllten der Tenor Werner Güra und Christoph Berner (Klavier) dieses Sehnen und Träumen auf eine Art, die einfach perfekt war. Ist es vermessen, das Wort «aamächelig» zu gebrauchen? Alles klang so formschön und erfüllend auf, mit allen Schattierungen von Gefühlen, die es so kaum mehr gibt.




Schon die Liedtitel sind Zurückblenden und geistiger Ausflug, laden zum jeweiligen Verweilen und genussreichen Mitvollziehen ein. Die Liedfolge wurde mit «Abendlied für die Entfernte» eröffnet. Da heisst es dann beispielsweise: «Hinaus mein Blick! Hinaus ins Tal! Da wohnt noch Lebensfülle. Da labe dich im Mondenstrahl und an der heil`gen Stille. Da horch nun ungestört mein Herz. Da horch den leisen Klängen.»

Es offenbarten sich Verschmitztheit, Kraft, gewaltiges Sehnen und Erträumen, eine innige, zarte Welt mit beinahe grenzenlos grosser Dramatik. Behutsam, mit erfüllend gestalterischem Reichtum sang Werner Güra. Er entführte die zahlreich Hinhörenden in einen längst verflossenen stilistischen und inhaltlich überquellenden Reichtum. Christoph Berner begleitete gar gekonnt, zuweilen wirblig, dann wieder schroff, markante Akzente setzend, dem Liedgut sehr angepasst, mit hoher gestalterischer Reife und Virtuosität.

Alles wuchs zu einem Reichtum, der Farben aller Art, Luftigkeit, Grandioses, Heiteres, Verführerisches, so richtig «Sturm und Drang» zum Inhalt hatte. Und man lauschte mit gebührender Hingabe, freute sich uneingeschränkt über diese Vielfalt, die – je nach Lied – zuweilen fast zu schnell endete. Zum Verweilen «Im Frühling», «Auf der Bruck», «Im Walde», zum Hinhören bei «Sehnsucht», «Fülle der Liebe», «Lebensmut», zur Erzählung «Um Mitternacht» oder «Im Freien» wurde man gerne und bereitwillig eingeladen.

Werner Güra und Christoph Berner wussten enorm einfühlend, so berührend gefühlvoll auszugestalten. Nie gaben sie sich falschem oder grenzenlos kitschigem Pathos hin. Es blieb stets innig, lebhaft, bewegend schön.

Und warum sich nicht für einmal von so richtig Kitschigem entführen zu lassen, kurz in einer Umgebung zu verweilen, die richtiggehend schön und damals willkommen war. Mit verständlichem Schmunzeln liest man – aus dem Lied «Sehnsucht» – nach: «Die Scheibe friert, der Wind ist rauh. Der nächt`ge Himmel rein und blau. Ich sitz in meinem Kämmerlein und schau ins reine Blau hinein. Mir fehlt etwas, das fühl ich gut. Mir fehlt mein Lieb, das treue Blut.»

Leicht theatralisch war es zuweilen, aber das gehörte zu diesem bewegend schönen, einfach stilvollen Liederabend. Man wurde beschenkt und verdankte das mit herzlichem, langem Applaus.