Ein Feierabendgespräch mit netten Kandidaten

An einem vom kulturforum brandluft organisierten Feierabendgespräch in Näfels präsentierten sich die beiden Kandidaten für den Regierungsrat, die Landräte Marianne Lienhard und Benjamin Mühlemann. Dabei kamen in ihren Ansichten und Absichten kaum Unterschiede zutage.



Die beiden Regierungsratskandidaten Marianne Lienhard und Benjamin Mühlemann im lockeren Gespräch mit Fridolin Hauser. (Bild: alombardi)
Die beiden Regierungsratskandidaten Marianne Lienhard und Benjamin Mühlemann im lockeren Gespräch mit Fridolin Hauser. (Bild: alombardi)

Nach einer kurzen Vorstellung der beiden Kandidaten durch Gesprächsleiter Fridolin Osterhazy Hauser skizzierten Marianne Lienhard und Benjamin Mühlemann die Gründe, die sie bewogen haben, für den freien Sitz in die Glarner Exekutive zu kandidieren. Beide erwähnen ihre politische Erfahrung, vor allem im Glarner Landrat. Mühlemann möchte frische Impulse einbringen, kokettiert etwas mit seiner Jugend, die neuen Wind in den Regierungsrat einbringen könnte. Lienhard profilierte sich bisher in verschiedensten Gremien, vor allem als Finanzfachfrau. Beide sind musikalisch und spielen aktiv in einer Musikgesellschaft mit, und beide bezeichnen sich als Vereinsmenschen, wodurch – wie sich durch eine spätere Frage herausstellte – auch die Bodenhaftung mit dem Volk gewährleistet bleibe.

Finanzlage und Umfahrungen

In der folgenden Gesprächsrunde wurden verschiedene Fragen angeschnitten – natürlich auch die Dauerthemen Finanzen und Umfahrungen. Für die Sanierung der prekären Finanzlage haben beide Kandidaten auch kein Patentrezept, sie hoffen aber durch den Siedlungsdruck in der Agglomeration Zürich auf einen Zuwachs an neuen Kantonseinwohnern und dadurch auf mehr Steuereinnahmen. Um Industrieansiedlungen auch in Glarus Süd attraktiv zu machen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Lienhard und Mühlemann vertreten nach dem Nein des Volkes zur Erhöhung der Autobahnvignette die Ansicht, dass das Parlament in Bern nun eine neue Finanzierungsart für die weit fortgeschrittenen Strassenprojekte aufgleisen muss.

Am liebsten die Volkswirtschaft

Beide Regierungsratskandidaten würden am liebsten das Volkswirtschaftsdepartement der abtretenden Marianne Dürst übernehmen. Aber selbstverständlich können sie sich auch jedes andere Departement vorstellen, das ihnen unter Umständen nach dem Anciennitätsprinzip der bisherige Regierungsrat zuschanzen würde. Wenn schon, dann würden Lienhard das Finanzdepartement und Mühlemann das Baudepartement interessieren. Keine grossen Schattenseiten oder Schwierigkeiten als Mitglied der Exekutive sehen beide Kandidaten. Man müsse in diesem Amt lernen mit Niederlagen umzugehen und sich auch damit abfinden, dass die politischen Mühlen manchmal sehr langsam mahlen.

Übereinstimmung in vielen Punkten

Alles in allem: Es war ein netter Abend mit nettem Publikum und netten Kandidaten, die einander nicht weh taten und fast in allen Punkten übereinstimmten. Auf die einzig provokative Frage, in welchem Dossier sie wirklich unterschiedlicher Meinung seien, wussten beide Kandidaten keine Antwort. In seiner gewohnten Art sorgte zudem Gesprächsleiter Osterhazy mit seinen Witzchen und Anekdötchen für lockere Stimmung und einen richtig gemütlichen Abend. Dieser wird aber aufgrund des Gesprächs und der Antworten den meisten Besuchern kaum die Frage beantwortet haben, welche Kandidatin oder welchen Kandidaten er für fähiger hält und wählen soll. Entscheidend für die Wahl werden daher andere Kriterien sein: das Alter der Kandidaten, ob Frau oder Mann, ob Glarus Süd oder Nord oder auch ob SVP oder FDP.